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Fäkalien-Krise: Wie Abwasser Englands Flüsse verpestet

Die Verschmutzung von Flüssen und Küstengewässern in Großbritannien mit menschlichen Fäkalien macht immer wieder Schlagzeilen. Inzwischen ist sogar ein weltbekanntes Sportereignis betroffen.

Die Kunstinstallation "Sirens of Sewage" am Strand von Whitstable.
Foto: Gareth Fuller/PA Wire/dpa

„Fäkalien, Feuchttücher und Hygieneartikel: Ungeklärte Abwässer verschmutzen Gewässer in England immer mehr. Laut der britischen Umweltbehörde Environment Agency wurde im Jahr 2023 im größten britischen Landesteil so häufig das Einleiten von ungeklärtem Abwasser ins Meer und in Flüsse registriert wie noch nie zuvor – mehr als 464.000 Mal.“

Laut Bericht wurden im letzten Jahr 3,6 Millionen Stunden lang ungeklärte Abwässer in offene Gewässer geleitet. Dies entspricht einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr, als es etwa 1,75 Millionen Stunden waren.

Der sogenannte Mischwasserüberlauf wird normalerweise als Notfallmaßnahme angesehen. Er wird benötigt, wenn die Kanalisation aufgrund von starken Regenfällen überlastet ist und das Abwasser Gefahr läuft, durch die Rohre zurück in die Häuser und auf die Straßen gedrückt zu werden. In Großbritannien gibt es nur ein einziges Kanalisationssystem für Regenwasser und Abwasser.

Oppositionspolitiker fordert Umweltnotstand

Der deutliche Anstieg sei zum Teil auf die starken Regenfälle im letzten Jahr zurückzuführen, teilte die Umweltagentur mit. Außerdem seien mittlerweile alle Überlaufstellen mit einem Messgerät ausgerüstet. Daher seien die Zahlen nur begrenzt mit denen aus früheren Jahren vergleichbar. Dies entlaste die Wasserversorger jedoch nicht von ihrer Verpflichtung, sich an die Gesetze zu halten, mahnte die Agentur.

In den letzten Jahren wurden wiederholt Fälle entdeckt, in denen ungeklärte Abwässer in die Umwelt abgelassen wurden, auch wenn es nicht stark geregnet hatte. Dies ist rechtswidrig und besonders problematisch, da das Abwasser dann nicht durch Regenwasser verdünnt wird und schwerwiegende Schäden bei Tieren und Pflanzen verursachen kann – beispielsweise, weil es das Wachstum von Algen fördert, die dem Wasser Sauerstoff entziehen.

Wasserversorger stehen in der Kritik

Die britische Regierung hatte bereits härtere Strafen für rechtswidriges Ablassen von Schmutzwasser eingeführt, gleichzeitig aber eingeräumt, dass es Jahre dauern dürfte, bis die Infrastruktur entsprechend angepasst sei. Der Chef der britischen Liberaldemokraten Ed Davey forderte am Mittwoch die Regierung von Premierminister Rishi Sunak (Konservative) auf, einen nationalen Umweltnotstand auszurufen. «Nur wenn wir den Abwasserskandal mit der angezeigten Dringlichkeit behandeln, können wir unsere Flüsse und Strände für künftige Generationen erhalten», sagte Davey der Nachrichtenagentur PA zufolge.

Umweltorganisationen werfen den Wasserversorgern vor, dass sie es versäumt haben, in die Infrastruktur zu investieren und stattdessen hohe Dividenden an ihre Anteilseigner auszuzahlen. Der Branchenverband Water UK hat kürzlich einen Plan zur Verbesserung des Abwassersystems mit Kosten in Höhe von 10 Milliarden Pfund (etwa 11,9 Milliarden Euro) vorgelegt, aber auch deutliche Erhöhungen bei der Wasserrechnung für Kunden angekündigt. Verbraucherschützer kritisieren die Pläne, die derzeit von der zuständigen Aufsichtsbehörde geprüft werden.

Ruderer müssen sich vor Infektionen schützen

Die Umweltverschmutzung hat mittlerweile auch das angesehene Ruderrennen Oxbridge Boat Race zwischen den Universitäten Oxford und Cambridge erreicht. Laut PA hatten Umweltschützer von River Action in dieser Woche eine stark erhöhte Konzentration des Darmbakteriums Escherichia coli im Abschnitt der Themse festgestellt, der für das Rennen genutzt wird. Diese Konzentration war fast zehnmal höher als bei Badegewässern, die von der Umweltbehörde als schlecht bewertet werden.

Die Umweltschützer machen die Mischwasserüberläufe einer nahen Überlaufstelle für die Bakterienkonzentration verantwortlich. In Zusammenarbeit mit dem Ruderverband British Rowing haben sie Empfehlungen veröffentlicht, wie sich Sportler vor Infektionen schützen können. Diese sollen bei dem auch als Gemini Boat Race bekannten Rennen der beiden Elite-Unis an diesem Samstag an die Teilnehmer ausgegeben werden. Dazu gehört beispielsweise, Wunden mit wasserdichten Verbänden zu schützen und darauf zu achten, kein Spritzwasser zu schlucken.

dpa