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Die Wirkung von LSD-Microdosing: Risiken und Potenzial

Mögliche Nebenwirkungen sind bisher nicht absehbar. Studienlage zur Wirkung ist noch unklar, Effekte ähneln hohen Dosen, aber sind geringer.

Manche wollen mit LSD-Microdosing effizienter arbeiten. Doch es kaum Daten zur Wirkung, da kontrollierte Studien noch weitgehend fehlen.
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Es braucht nicht viel LSD, um das psychische Erleben drastisch zu verändern. So beschreibt es Volker Auwärter. Im Vergleich zu vielen anderen Substanzen gehe es dabei um kleinste Mengen: «Ab 50, 100 Mikrogramm spricht man von einer psychedelischen Dosis», erklärt der Laborleiter der Forensischen Toxikologie am Universitätsklinikum Freiburg. Nicht ohne Grund bezeichnet die zuständige europäische Beobachtungsstelle das verbotene Halluzinogen als eine der «wirkungsstärksten bekannten Drogen überhaupt».

Doch was geschieht, wenn die Menge des Psychedelikums erheblich reduziert wird – auf ungefähr zehn Mikrogramm? Ein Faktencheck zu diesem sogenannten Microdosing.

„Behauptung: LSD in kleinen Mengen ist sicher.“

Bewertung: Es gibt bisher keine absehbaren Nebenwirkungen.

Fakten: Laut Felix Müller, stellvertretender Oberarzt der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel, verwenden Menschen, die Microdosing betreiben, normalerweise nur ein Zehntel oder Zwanzigstel der üblichen Dosis für einen Trip, etwa zehn Mikrogramm LSD. Im Gegensatz zum Konsum hoher Dosen von Psychedelika ist es beim Microdosing auch üblich, alle paar Tage erneut eine geringe Dosis einzunehmen. Müller beschäftigt sich seit etwa zehn Jahren mit der LSD-Forschung.

Auch Studien zur Übersicht über Microdosing gehen davon aus, dass geringe Mengen psychedelischer Substanzen regelmäßig etwa alle drei Tage über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Was bedeutet das für mögliche Risiken?

Grundsätzlich besteht laut der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) keine Gefahr, abhängig von LSD zu werden. Selbst bei höheren Dosen muss man laut Auwärter keine Vergiftungen im Sinne von toxischen Schädigungen von Organen befürchten. Müller betont, dass die Risiken eher im psychischen Bereich liegen und nicht die körperliche Gesundheit betreffen.

Ob das beim LSD-Microdosing auch so ist, stehe allerdings nicht endgültig fest: «Das ist ein Phänomen, das gibt es noch nicht so lange», erklärt der Arzt. «Und es ist durchaus denkbar, dass das bei so repetitiver Anwendung noch mal anders aussieht.» Pharmakologen hätten etwa einst vermutet, dass möglicherweise Veränderungen an den Herzklappen auftreten könnten. Denn das sei vor einigen Jahren nach der Einnahme damals erhältlicher Medikamente vorgekommen, die an dem gleichen Rezeptor wirkten.

Auch der Leiter der Abteilung Klinische Pharmakologie am Universitätsspital Basel, Matthias Liechti, betont: Nebenwirkungen auf die Herzklappenfunktion sollten bei einer regelmäßigen und längerfristigen Einnahme über Monate als Risiken in Studien geprüft werden. Eine aktuelle Übersichtsarbeit von einem Forschungsteam rund um Robin Murphy von der University of Auckland kommt mit Blick auf die Sicherheit von LSD-Microdosing im Fachblatt «Biological Psychiatry» zu dem Schluss, dass bisherige Studien keine schwereren Nebenwirkungen feststellten.

Doch Müller weist darauf hin, dass der zeitliche Rahmen dieser Studien überschaubar sei und es sich nur um vereinzelte Untersuchungen handle. Der Arzt wundert sich, dass sich Menschen offenbar «relativ blauäugig» auf Microdosing einließen. Letztlich sei das ein wenig so, als wenn man ein Medikament nehmen würde, das nicht auf dem Markt, sondern noch in den Studien sei – und bei dem man die Nebenwirkungen nicht wirklich abschätzen könne.

Welche weiteren Risiken gibt es?

Hinzukommt die Unsicherheit, welche Dosis man tatsächlich konsumiert. «Ob bei Microdosing oder der «klassischen» Konsumform, in beiden Fällen ist nie wirklich bekannt, wie viel Wirkstoff enthalten ist», erklärt Müller. Die einzige Möglichkeit, dies zu klären, sei das Drug-Checking bei Anlaufstellen der Suchtprävention, die die Substanzen auf die Wirkstoffmenge testen könnten.

«LSD wird meistens auf Plotterpapier geträufelt verkauft – wie Löschpapier -, das in kleine Rechtecke geschnitten ist», führt der Experte aus. Ein Rechteck enthalte typischerweise 100 oder 200 Mikrogramm. Beim Microdosing würden diese Papierchen dann in kleinere Stücke geschnitten. Diese Form des Dosierens sei «aber natürlich nicht exakt» – ebenso wenig wie bei einer weiteren Verkaufsform: LSD in Wasser oder Alkohol gelöst, das zum Beispiel 100 Mikrogramm pro Tropfen enthalte und für Microdosing weiter verdünnt werde.

Auf körperlicher Ebene hält Müller das nicht für gefährlich – es brauche «extrem hohe Dosierungen», bis LSD da problematisch werde. Schwieriger seien die psychischen Effekte, die bei einer höheren Dosis LSD stärker seien und länger anhielten. «Beim Microdosing ist es natürlich möglich, hier unter Umständen deutlich «daneben» zu liegen», so Müller.

These claims are made by proponents of the practice of taking small doses of LSD to boost productivity and creativity.

Bewertung: Keine Belege über die Studienlage vorhanden.

Fakten: Die Einnahme von geringen Dosen LSD macht konzentrierter, kreativer und hilft gegen Depressionen und Angststörungen? Dafür mangelt es bislang an Belegen. «Zu LSD-Microdosing gibt es kaum Daten zur Wirkung, da kontrollierte Studien noch weitgehend fehlen», sagt Liechti. Unmittelbare Effekte seien ähnlich wie bei hohen Dosen, aber geringer. Es gibt demnach Hinweise, dass sich das Wohlbefinden von Personen, die geringe Dosen von LSD einnehmen, im Vergleich zu Personen, die ein Placebo erhalten, verbessert. «Aber nur am Behandlungstag, nicht danach», betont Liechti.

Laut dem Experten gibt es bisher keine Studienergebnisse, die zeigen, wie Microdosing bei Depressionen und Angst helfen kann. Die Übersichtsstudie der Gruppe um Murphy besagt, dass LSD in geringen Dosen die Kreativität nicht beeinflusst. Bisherige Untersuchungen unterstützen nur eingeschränkt die Behauptungen von Konsumenten, dass ihre Stimmung und kognitiven Fähigkeiten durch die Einnahme verbessert werden. Keine der betrachteten Studien zeigte anhaltende Effekte auf Stimmung und kognitive Fähigkeiten bei wiederholter Einnahme von geringen Mengen LSD.

dpa