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Forschern gelingt Durchbruch bei seltenen tödlichen Thrombosen nach Corona-Impfung

Seltene Thrombosen nach Corona-Impfungen sorgten weltweit für Verunsicherung – nun haben Forschende den zugrunde liegenden Mechanismus entschlüsselt. Die neuen Erkenntnisse erklären, wie es zu der gefährlichen Immunreaktion kommen kann. Was bedeutet das für künftige Impfstoffe und die Bewertung der Risiken?

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Foto: NF24 / KI

Mehr als drei Jahre nach Beginn der weltweiten Corona-Impfkampagnen haben Forschende offenbar den Mechanismus hinter den seltenen, aber schweren Thrombose-Fällen nach bestimmten Impfstoffen entschlüsselt. Im Mittelpunkt steht das sogenannte VITT-Syndrom (Vaccine-induced Immune Thrombotic Thrombocytopenia), eine sehr seltene Kombination aus Blutgerinnseln und einem Mangel an Blutplättchen.

Wissenschaftler berichten nun, dass sie die immunologischen Abläufe genauer verstehen – und damit auch neue Ansätze für Diagnose und Therapie entwickeln konnten.

Was hinter dem VITT-Syndrom steckt

VITT trat vor allem nach Impfungen mit sogenannten Vektorimpfstoffen auf, darunter Präparate von AstraZeneca und Johnson & Johnson. Die Fälle waren extrem selten, führten jedoch zu großer Verunsicherung.

Nach aktuellen Forschungsergebnissen spielt eine fehlgeleitete Immunreaktion eine zentrale Rolle: Der Körper bildet Antikörper gegen einen körpereigenen Eiweißstoff namens Plättchenfaktor 4 (PF4). Diese Antikörper aktivieren Blutplättchen in einer Weise, die zur Bildung von gefährlichen Gerinnseln führen kann – unter anderem in Hirnvenen oder Bauchgefäßen.

Dieses Muster ähnelt einer bekannten Komplikation, der sogenannten Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT), tritt jedoch ohne die Gabe des Gerinnungshemmers Heparin auf.

Molekularer Auslöser identifiziert

Forschende konnten nun genauer nachweisen, wie Bestandteile des Impfstoffs – insbesondere bestimmte Proteinkomplexe – mit PF4 interagieren und so die Immunreaktion auslösen können. Entscheidend scheint eine spezifische Konstellation zu sein, bei der das Immunsystem die Verbindung als Bedrohung einstuft und Antikörper bildet.

Die neuen Erkenntnisse helfen nicht nur, den Mechanismus besser zu verstehen, sondern auch, Risikokonstellationen frühzeitig zu erkennen. Zudem ermöglichen sie eine gezieltere Behandlung mit Immunglobulinen oder gerinnungshemmenden Medikamenten.

Sehr seltene Nebenwirkung

Gesundheitsbehörden betonen weiterhin, dass es sich bei VITT um eine äußerst seltene Komplikation handelt. Die Häufigkeit wurde je nach Altersgruppe auf wenige Fälle pro 100.000 Impfungen geschätzt. Nach Anpassung der Impfempfehlungen – insbesondere bei jüngeren Personen – ging die Zahl der gemeldeten Fälle deutlich zurück.

Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass der Nutzen der Impfungen im Verhältnis zu den Risiken weiterhin deutlich überwog, insbesondere in der Hochphase der Pandemie.

Bedeutung für künftige Impfstoffe

Die neuen Forschungsergebnisse haben nicht nur rückblickende Bedeutung. Sie liefern wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung zukünftiger Impfstoffe und Vektorplattformen. Durch ein besseres Verständnis der immunologischen Prozesse können Hersteller potenzielle Risiken gezielter minimieren.

Zudem trägt die Aufklärung des Mechanismus dazu bei, das Vertrauen in Impfstoffe langfristig zu stärken – gerade bei seltenen, schwer erklärbaren Nebenwirkungen.

Das Rätsel um die seltenen Thrombosen nach bestimmten Corona-Impfstoffen ist wissenschaftlich ein großes Stück weiter aufgeklärt. Die Erkenntnisse zeigen, wie komplex das Zusammenspiel zwischen Impfstoffbestandteilen und Immunsystem sein kann – und wie wichtig kontinuierliche Forschung auch nach der Zulassung eines Medikaments bleibt.

bh
Quellen: n-tv.de