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Früher Start der Stechmückensaison

Ihre Stiche nerven, und das Surren kann einem den Schlaf rauben. Die Mückensaison hat begonnen – früher als gewöhnlich. Auch die Asiatische Tigermücke hat sich mancherorts schon etabliert.

Witterungsbedigt: Die ersten Stechmücken sind bereits geschlüpft.
Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Die Stechmückensaison hat in diesem Jahr einen besonders frühen Beginn. Laut Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg schlüpfen bereits jetzt Wald- und Wiesenmücken, wie sie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

Und auch Hausmücken, die als flugfähige Mücke überwintern, haben bereits ihre Eier abgelegt. Der frühe Start der Mückensaison sei witterungsbedingt, oft geschehe dies erst Anfang Mai, erläuterte Werner. «Es ist alles drei, vier Wochen früher dieses Jahr.»

Im Winter stoppt die normale Entwicklung der Mücken. Laut den aktuellen Witterungsbedingungen dauert die Entwicklung von Ei bis zur flugfähigen Mücke bei Hausmücken drei bis vier Wochen. Im Sommer ist dieser Zeitraum wesentlich kürzer und beträgt nur sieben bis zehn Tage.

Dass es nach einem frostigen Winter weniger Mücken gebe, sei ein Irrglaube, sagte Werner. Mücken hätten ein «eingebautes Frostschutzmittel», mit dem die überwinternden Arten gut über die kalte Jahreszeit kommen. Energieraubend sei es dagegen, wenn es immer wieder friere und auftaue. Mücken könnten dann verhungern. 

«Es läuft im Moment gut für die Mücken»

Im Sommer benötigen Mücken jedoch Feuchtigkeit und Wärme, um hohe Populationsdichten aufzubauen, sagte Werner. «Es läuft im Moment gut für die Mücken.» Ein weibliche Mücke kann in ihrem Leben 1500 bis 2000 Eier ablegen, je nach Temperatur, Brutplätzen und Nahrungsangebot. Im Verlauf der Saison kommt es zu einer Überlappung der Generationen. Das Populationsmaximum wird im August erreicht. Eine genaue Vorhersage ist nicht möglich. Trockenheit und Dürre können der Mückenpopulation schaden, auch bei Kälte entwickeln sich die Larven nicht so schnell.

Werner beteiligt sich am Mückenatlas: Im Rahmen des Citizen-Science-Projekts können Bürger durch das Einsenden von Stechmücken dazu beitragen, wissenschaftlich verwertbare Daten zu sammeln. Es werden auch Informationen zur Asiatischen Tigermücke gesammelt, einer aus dem asiatischen Raum eingeschleppten Mückenart, die mittlerweile in einigen Regionen Deutschlands heimisch geworden ist.

Laut Werner sind Tigermücken als flugträge bekannt, ihr Aktionsradius beträgt maximal 300 Meter. Andere Mücken wie Überflutungsmücken können hingegen mehrere Kilometer weit fliegen. Falls die Asiatische Tigermücke innerhalb ihres Radius keine geeigneten Orte zur Eiablage findet, besteht noch die Möglichkeit, sie zu bekämpfen, sobald eine Population erkannt wird. Daher ist das Einsenden der Mücken so entscheidend.

Tigermücken – «fiese, kleine, aggressive Stecher»

Die schwarz-weiß-gezeichnete Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) kann verschiedene Krankheitserreger wie Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren übertragen. Diese Erreger sind jedoch in Deutschland bisher nicht von den Mücken übertragen worden. Doch alleine schon die Stiche der Tigermücken sind unangenehm: Es handele sich um «fiese, kleine, aggressive Stecher», sagte Werner. 

„Mücken sind ein wichtiger Teil des Nahrungsnetzes und ihr Verschwinden hätte gravierende Folgen für viele Tiere“, betont der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Singvögel, Spinnen, Fische, Amphibien und Libellen sind ebenfalls auf das Vorkommen von Mücken angewiesen.

dpa