Jahrelang war der Jugendtrainer die prägende Gestalt seines Vereins, doch dann kamen heftige Vorwürfe ans Licht: Hunderte Male soll er Teenager, die ihm anvertraut waren, missbraucht haben.
Fußballtrainer wegen Hunderter Missbrauchsfälle vor Gericht

Es gibt schockierende Anschuldigungen: Ein Fußballtrainer aus München wird beschuldigt, junge Spieler über Jahre hinweg missbraucht und vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehr als 800 Missbrauchsfälle vor, von denen es angeblich 30 Opfer gibt.
Er wurde in über 200 Fällen wegen Vergewaltigung angeklagt und in vier Fällen wegen Kindesmissbrauchs, da das Opfer jünger als 14 Jahre alt war. Zusätzlich gibt es Vorwürfe von sexuellen Übergriffen und vorsätzlicher Körperverletzung.
Der Prozess gegen den 47-Jährigen hat am Donnerstag vor dem Landgericht München I begonnen. In seinem früheren Verein war er über viele Jahre hinweg die prägende Figur. Er hatte damals die Position des Cheftrainers und sportlichen Leiters inne und wurde als Autoritätsperson angesehen. Besonders verantwortlich war er für die Jugendspieler.
Zwischen 13 und 19 Jahren
Laut der Staatsanwaltschaft wird ihm vorgeworfen, diese Verantwortung rücksichtslos ausgenutzt zu haben. Seine vermeintlichen Opfer waren zum Zeitpunkt der Tat Teenager im Alter von 13 bis 19 Jahren. Er soll sie während angeblicher physiotherapeutischer Behandlungen missbraucht und in zahlreichen Fällen auch vergewaltigt haben.
Gemäß der Staatsanwaltschaft führte er nach einem immer gleich ablaufenden Muster sexuelle Handlungen an den jungen Fußballern durch, während sie auf einer Massageliege in der Kabine des Fußballvereins, während des Trainingslagers oder auch in seinem Haus lagen. Er behauptete, dass dies der Durchblutung der Muskulatur diene.
«Die Geschädigten, die im Tatzeitraum sehr jung waren und zudem unerfahren in Bezug auf Sexualität und physiotherapeutische Behandlungsmethoden, glaubten dem Angeklagten», sagte die Staatsanwältin in ihrer Anklage.
Als Physiotherapeut ausgegeben
Laut dem Angeklagten habe er behauptet, ein ausgebildeter Physiotherapeut zu sein, und den jungen Fußballern vorgespielt, dass solche Behandlungen im Profisport üblich seien. Selbst als sie widersprachen und nicht mehr von ihm berührt werden wollten, habe er immer wieder betont, dass es nun einmal so sein müsse.
Laut der Staatsanwaltschaft spielte es eine Rolle, dass er für mehrere Jugendmannschaften zuständig war und die jungen Spieler Angst hatten, ausgemustert zu werden.
Der Angeklagte, der während der Verlesung der langen Anklage «zittrig» war, wie er sagte, immer wieder die Augen schloss und sich mehrfach ans Herz fasste, wollte sich zu Prozessbeginn nach Angaben seiner Verteidigung zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern.
Kommt es zu einem Deal?
Ein Rechtsgespräch über einen sogenannten Deal wurde jedoch von einem seiner Anwälte vorgeschlagen. Dabei könnten die Parteien des Verfahrens einen Strafrahmen vereinbaren. Ein umfassendes Geständnis ist eine Bedingung für einen solchen Deal.
Die Staatsanwältin äußerte Zweifel daran, dass sie sich eine Haftstrafe von unter elf Jahren für die Taten vorstellen könne. Das Gericht schlug vor, dass im Falle eines umfassenden Geständnisses die Strafe nicht mehr als acht Jahre betragen sollte.
Dabei würde dem 47-Jährigen zugutegehalten, dass er den mutmaßlichen Opfern eine Aussage vor Gericht ersparen könne sowie «das bisher straffreie Vorleben des Angeklagten». Als möglicherweise strafschärfend sah der Vorsitzende Richter «das perfide Vorgehen unter Ausnutzung seiner Stellung im Fußballverein» sowie «die Vielzahl der Taten und die Vielzahl der Geschädigten».
Das Gericht stellte klar, dass eine eventuelle Sicherungsverwahrung oder die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nicht Teil des Deals wären – also auch im Falle eines Geständnisses nicht ausgeschlossen sind. Ob der Angeklagte das Angebot des Deals annehmen möchte, ist noch nicht bekannt. Seine Verteidiger gaben an, dass sie es bis zum nächsten Verhandlungstag am Montag (15. Januar) überdenken möchten.








