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Gar nicht dumm: Kuh nutzt gezielt Werkzeuge zum Kratzen

Von wegen «dumme Kuh»: Die Kuh Veronika macht sich längere, alltägliche Gegenstände auf erstaunliche Weise zunutze. Nutztiere werden oft unterschätzt, meinen Forscher.

Veronika schnappt sich lange Objekte, um sich zu kratzen.
Foto: Antonio Osuna Mascaró/Veterinärmedizinische Universität Wien/dpa

Die österreichische Kuh Veronika hat Biologen mit ihrer Fähigkeit, einen Schrubber mit ihrer langen Zunge zu greifen und sich damit zu kratzen, beeindruckt. Forscher haben erstmals wissenschaftlich belegt, dass ein Hausrind gezielt ein Werkzeug einsetzen kann. Veronika nutzt diese Eigenart, um sich an verschiedenen Körperstellen, einschließlich ihres Pos, zu kratzen.

Die kognitiven Fähigkeiten von Nutztieren würden oft unterschätzt, schreiben Alice Auersperg und Antonio Osuna Mascaró von der Veterinärmedizinischen Universität Wien in ihrer Studie, die im Fachjournal «Current Biology» erschienen ist. «Wir verwenden den Begriff „dumme Kuh“, weil wir diese Tiere nur aus dem Blickwinkel der Verwertung betrachtet haben», sagte die aus Bayern stammende Auersperg der Deutschen Presse-Agentur.

Kuh lebt als Haustier

Veronika die Kuh muss jedoch weder Milch produzieren, noch ist sie für den Metzger vorgesehen. Sie lebt als Haustier bei einem Biobauern und Bäcker im Bundesland Kärnten im Süden Österreichs.

Nachdem Auersperg vor etwa einem Jahr ein Buch mit dem Titel «Der Erfindergeist der Tiere» veröffentlicht hatte, berichteten ihr zahlreiche Menschen über Tiere mit besonderen Verhaltensweisen. Unter anderem erhielt sie ein Video von Veronika.

Auersperg und Osuna Mascaró beschlossen, mehr über diese Kuh zu erfahren und ihre Fähigkeiten experimentell zu überprüfen. Zudem wollten die beiden Biologen sicherstellen, dass es sich nicht um einen antrainierten Trick oder ein KI-Video handelte.

Experiment mit Schrubber

Die Forscher haben entdeckt, dass Veronika seit ungefähr neun Jahren heruntergefallene Äste oder auch Rechen von alleine in den Mund nimmt, um sich zu kratzen. Im Experiment wurde Veronika ein Deckschrubber – eine langstielige Bürste – mehrmals in verschiedenen Positionen hingelegt.

Veronika nahm gezielt das Ende des Stiels ins Maul, um den Kopf seitlich nach hinten zu biegen und so mit der Bürste den Rücken zu erreichen. Wenn sie empfindlichere Bereiche wie den Bauch oder den After erreichen wollte, griff sie zum anderen Ende des Schrubbers und kratzte sich vorsichtig mit dem Ende des Stiels.

Hinweise auf ähnliches Verhalten bei Pferden und Zebus

Ähnliche Fähigkeiten im Umgang mit Werkzeugen wurden bisher bei Pferden beobachtet. Es gibt auch Videos von Zebus (Buckelrindern), die sich ähnlich kratzen wie Veronika.

Zebu (Bos indicus) und Hausrind (Bos taurus) haben sich vor über 500.000 Jahren evolutionär voneinander entfernt. Die Fähigkeit zur Werkzeugnutzung könnte nicht nur mit der Domestizierung beider Rinderarten zusammenhängen, sondern auch mit einem gemeinsamen Hang zur physischen Problemlösung, besagt die Studie.

«Kein Einstein»

«Veronika ist kein Einstein unter Kühen», sagte Osuna Mascaró. Sie habe einfach das Glück, als Haustier in einer anregenden Umgebung aufgewachsen zu sein. Osuna Mascaró und Auersperg gehen davon aus, dass alle Kühe solche Fähigkeiten entwickeln könnten, wenn sie als Jungtiere mit Objekten interagieren und spielen könnten.

Die Forscher möchten nun herausfinden, welche Faktoren solches Verhalten begünstigen. Außerdem hoffen sie, dass sich Menschen bei ihnen melden, die andere Kühe oder Nutztiere mit Werkzeug-Begabungen beobachtet haben. «Denn wir vermuten, dass diese Fähigkeit weiter verbreitet ist, als sie bislang dokumentiert wurde», sagte Osuna Mascaró.

dpa