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Gespitzte Ohren: Hunde können Spielzeugnamen erlauschen

Hunde sind gelehrig – das ist bekannt. Doch manche können aus Gesprächen von Menschen mehr lernen als bisher vermutet.

Der elf Jahre alte Border Collie-Rüde Bryn aus Großbritannien kennt die Namen von etwa 100 Spielzeugen.
Foto: Helen Morgen/EurekAlert/dpa

Besonders begabte Hunde können Namen für Spielzeuge schon allein dadurch aufnehmen und sich merken, dass sie einem Gespräch zwischen zwei Menschen lauschen. Diese Fähigkeit entspreche der von etwa 18 Monate alten Kleinkindern, schreibt ein ungarisches Forschungsteam in der Fachzeitschrift «Science». 

Üblicherweise lernen Hunde demnach Namen von Gegenständen, indem ein Mensch sie vor den Tieren mehrmals erwähnt. Experimente der Gruppe um Shany Dror von der Eötvös Loránd Universität (ELTE) in Budapest zeigen nun, dass manche Hunde die Begriffe auch dann lernen, wenn das Wort nicht an sie gerichtet ist. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass die sozial-kognitiven Prozesse, die das Erlernen von Wörtern aus mitgehörter Sprache ermöglichen, nicht ausschließlich dem Menschen vorbehalten sind», wird Dror in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert.

Ausgeklügelte Experimente

Den Forschern zufolge erfordert diese Leistung eine ganze Reihe sozialer Fähigkeiten – etwa das Verfolgen des Blicks und der Aufmerksamkeit von anderen, das Einnehmen ihrer Perspektive, das Beobachten von Gesprächen, das Verstehen von Absichten und das Heraushören von Zielwörtern. Die Versuche zeigen aber auch, dass nur manche Hunde diese Fähigkeiten besitzen – das Team spricht von «begabten Wortlernern». 

In einem der Experimente nahmen zehn besonders begabte Hunde, die sehr viele Spielzeugnamen kannten, und ihre Besitzer teil: Im ersten Durchgang zeigte der Besitzer seinem Hund etwa eine Minute lang ein Spielzeug und nannte mehrmals dessen Bezeichnung, etwa: «Dies ist ein Delfin.» Dann spielte er rund drei Minuten mit dem Hund unter Verwendung des Spielzeugs, ohne es beim Namen zu nennen. Danach konnte der Hund bis zu 20 Minuten allein mit dem Objekt spielen. Dies wurde an mehreren Tagen und mit einem zweiten Spielzeug wiederholt. 

Im zweiten Durchgang hörte ein Hund die Namen von zwei neuen Spielzeugen ebenfalls an verschiedenen Tagen, jedoch nur im Gespräch zwischen zwei Hundebesitzern.

Verschiedene Hunde reagieren unterschiedlich

Nach zwölf Tagen überprüften die Forscher, ob die Hunde die Bezeichnung gelernt hatten. Die Besitzer forderten ihre Tiere auf, entweder eines von neun altbekannten Spielzeugen oder eines der beiden neuen Spielzeuge zu bringen. Anschließend analysierten die Forscher die erste Reaktion der zehn Hunde bei den beiden neuen Spielzeugen – daher gab es in jedem Durchgang 20 bewertete Aktionen.

Die Analyse zeigte, dass die zehn Hunde zu 80 Prozent das richtige neue Spielzeug brachten, wenn es mit Ansprache benannt wurde. Wurde die Bezeichnung nur im zwischenmenschlichen Gespräch genannt, also ohne spezielle Ansprache des Hundes, brachten die Tiere sogar zu 100 Prozent das richtige Spielzeug.

Man könne jedoch nicht daraus schließen, dass die Hunde im zweiten Versuch besser abschnitten, betonte Dror auf Anfrage mit Verweis auf die geringe Anzahl der Versuche. Insgesamt schnitten die hochbegabten Hunde beim Lernen durch Zuhören laut Universität genauso gut ab wie beim direkten Unterricht.

Team geht nicht davon aus, dass alle Hunde auf diese Weise lernen

In einem anderen, leicht abgewandelten Experiment haben die Forscher typische Familienhunde, allesamt Border Collies, untersucht, die bisher keine Namen für einzelne Spielzeuge kannten. Einige Hunde haben zwar das richtige, neue Spielzeug öfter geholt, als es zufällig passieren würde. Das Verhalten dieser Hunde spiegelt jedoch wahrscheinlich ihre Vorliebe für Neues wider und nicht das Erlernen von Objektnamen, schreibt das Team in der Studie.

Begabte Hunde böten ein außergewöhnliches Modell zur Erforschung kognitiver Fähigkeiten, betonte Dror, fügte aber hinzu: «Wir gehen aber keineswegs davon aus, dass alle Hunde auf diese Weise lernen – ganz im Gegenteil.» Dies könne weiter untersucht werden, schreiben die Studienautoren: «Zukünftige Forschung sollte weiterhin untersuchen, welche genauen Mechanismen es hochbegabten Hunden ermöglichen, Bezeichnungen zu lernen – und inwieweit sich diese von den Mechanismen kleiner Kinder unterscheiden.»

dpa