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Gletscherschmelze in den Alpen besonders früh

Jeden Winter füttert Schnee im Hochgebirge die Gletscher an, bevor die Sommerschmelze kommt. In diesem Jahr hat die Schmelze in den Alpen besonders früh begonnen. Warum?

Seit Ende Juni geht es bei der Schmelze schon an die Substanz der Gletscher. (Archivbild)
Foto: Anthony Anex/KEYSTONE/dpa

Es sieht nicht gut aus für die Alpengletscher in diesem Jahr: Das legt der Gletscherschwundtag nahe. Es ist der Tag, an dem der Winterschnee geschmolzen ist und es an die Substanz der Gletscher geht. Der Tag lag in der Schweiz in diesem Jahr vergleichsweise sehr früh, wie Gletscherforscher Andreas Bauder von der ETH Zürich berichtet. Er geschah je nach Gletscher bereits Ende Juni/Anfang Juli. «Die Situation dürfte in den gesamten Alpen ähnlich sein», sagte Bauder der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Einige Nicht-Experten sind überrascht über den kühlen und regnerischen Juli, auch in den Alpen. Der Schaden war jedoch bereits im Juli angerichtet, wie Bauder erklärt. Warum kam der Tag des Gletscherschmelzes so früh?

Schneemangel im Winter

«Weil wir im Winter so wenig Schnee hatten», sagt er. «In einigen Regionen im Nordosten der Schweiz hatten wir am Ende des Winters noch nie so eine geringe Schneemenge auf den Gletschern.» Die sei sehr schnell geschmolzen. 

«Solange Schnee liegt, schmilzt kein Eis. Aber so hat die Ausaperung schon Ende Mai begonnen und sich durch den Juni rasant bis in den Juli fortgesetzt», sagt Bauder. Ausaperung ist der Fachbegriff für das Abschmelzen der Schnee- und Eisdecke.

Die Schweizer führen im Frühjahr und Herbst detaillierte Messungen von Schnee und Eis an rund 20 der insgesamt etwa 1400 Schweizer Gletscher durch. An 10 bis 15 Gletschern werden zusätzliche Messungen über den Sommer durchgeführt. Die Bestimmung des Gletscherschwundtages basiert auf diesen Daten. Zu den größten Schweizer Gletschern zählen der Aletsch- und der Gornergletscher.

Laut Bauder begann der Sommer im vergangenen Jahr mit deutlich größeren Schneemengen. Trotzdem haben die Gletscher auch im Jahr 2024 mehr verloren, als sie im Winter gewonnen hatten.

Wie zähflüssiger Honig

«Früher lag der Gletscherschwundtag eher Ende August/Anfang September, aber das haben wir in den vergangenen 20 Jahren schon nicht mehr erlebt», sagt Bauder. Mit dem Klimawandel gab es seit mehr als 20 Jahren in der Schweiz kein Jahr mehr mit Gletscherwachstum.

Laut dem Gletschermessnetz Glamos hat sich das Volumen seit 1950 praktisch halbiert, von 92,3 auf 46,5 Kubikkilometer im vergangenen Jahr. Ein Kubikkilometer entspricht einem Eiswürfel mit einer Seitenlänge von 1000 Metern oder einer Milliarde Eiswürfeln mit einem Meter Seitenlänge.

Selbst ein kalter August mit Schneefall in hohen Höhen könne kaum noch etwas ändern, sagt Bauder. Sommerschnee sei nicht so dicht wie der Winterschnee und schmelze schnell. «Ein Gletscher ist wie eine zähflüssige Masse Honig auf einer schiefen Ebene, er fließt nach unten», erklärt er. Wenn der Schneenachschub oben fehle, fließe zu wenig nach. Dann könne sich die Gletscherzunge unten nicht halten und schwinde.

dpa