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Hannibals Alpenüberquerung: Deutsche Wissenschaftler rekonstruieren die legendäre Route

Ein deutsches Forschungsteam hat Hannibals Alpenüberquerung neu untersucht und dabei die Energiebedarfe von Menschen und Tieren auf verschiedenen Routen analysiert. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Traversette-Route die effizienteste Option gewesen wäre, während die logistischen Herausforderungen…

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Rätsel der Alpenüberquerung: Deutsche Forscher ermitteln Hannibals Route
Bernardino Cesari via Wikimedia Commons (Public domain)

Im Jahr 218 v. Chr. unternahm der karthagische General Hannibal eine gewagte Expedition, indem er mit einer großen Armee die Alpen überquerte, um Rom anzugreifen. Diese historische Unternehmung, die 46.000 Soldaten, etwa 8.000 Pferde und 37 Kriegselefanten umfasste, beschäftigt Historiker und Wissenschaftler seit vielen Jahren. Die genaue Route, die Hannibal wählte, um in die fruchtbare Po-Ebene zu gelangen, bleibt bis heute Gegenstand intensiver Debatten.

Aktuell hat ein deutsches Forscherteam die Problematik aus einer neuen Perspektive analysiert. Emilio Berti vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung gemeinsam mit Vollrath von der Universität Jena untersuchten den Energiebedarf von Menschen, Pferden und Elefanten auf verschiedenen möglichen Routen. Ihre Erkenntnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass in vielen Diskussionen über die Alpenüberquerung die biologischen Erfordernisse der beteiligten Tiere und Menschen zu wenig Beachtung fanden. Während Soldaten und möglicherweise auch Pferde in der Lage waren, eigene Vorräte zu transportieren, war dies für die enormen Elefanten, die bis zu drei Tonnen wogen, nicht umsetzbar.

Entscheidung für die Route und ihre Bedeutung

Ein ausgewachsener Elefant benötigt täglich bis zu 200 Kilogramm Nahrung und verbringt etwa 14 Stunden mit der Nahrungsaufnahme, um sein Gewicht zu halten. Das Überleben von Mensch und Tier während der Überquerung hing stark von der Wahl der Route ab, insbesondere unter den schwierigen Bedingungen und der begrenzten Versorgung.

Das Team rekonstruierte vier potenzielle Routen, darunter die traditionell bevorzugte Strecke über den Col de Clapier sowie die häufig genannte Route über den Col de la Traversette. Die Berechnungen ergaben, dass die Traversette-Route die kürzeste und energieeffizienteste Option darstellte, mit einem Gesamtenergieaufwand von 5,42 Terajoule für die gesamte Armee, was 5,42 Billionen Joule entspricht. Über einen Zeitraum von 15 Tagen hätte die Armee auf dieser Strecke etwa 232 Tonnen Nahrung benötigt.

Energieverbrauch im Vergleich

Für die Route über den Col du Clapier ermittelten die Forscher einen Energiebedarf von 6,28 Terajoule, was ungefähr 16 Prozent mehr im Vergleich zur Traversette-Route ist. Selbst bei der am günstigsten erscheinenden Route wäre es unrealistisch gewesen, dass die Elefanten täglich fünf bis sechs Stunden fressen konnten, um ihren Energiebedarf zu decken.

Die Wissenschaftler vermuten, dass sowohl die Soldaten als auch die Tiere während des Marsches auf ihre Energiereserven zurückgreifen mussten. Ihre Analyse zeigt, dass die Soldaten auf der Traversette-Route etwa 19 Prozent ihrer Körperfettreserven verloren, während Pferde rund 11 Prozent und Elefanten etwa 4 Prozent ihrer Fettreserven einbüßten.

Logistische Probleme nach der Überquerung

Trotz des erfolgreichen Überquerens der Alpen stellte die Versorgung der Elefanten in Italien nach der Ankunft eine erhebliche Herausforderung dar. Während die Soldaten relativ schnell ihre Fettreserven wieder aufbauen konnten, benötigten die Elefanten viel mehr Zeit und große Mengen Futter, um sich zu regenerieren und den Winter zu überstehen. Laut den Forschern konnte dieses logistische Problem nicht gelöst werden, was dazu führte, dass nur Hannibals persönlicher Elefant Surus den Winter überlebte.

Die Gründe für Hannibals Entscheidung, mit Kriegselefanten in den Kampf zu ziehen, werden ebenfalls kontrovers diskutiert. Möglicherweise erhoffte er sich einen taktischen Überraschungseffekt in den ersten Schlachten gegen die Römer. Zudem könnte er erwartet haben, die Kelten in Norditalien, die als potenzielle Feinde galten, mit den Elefanten zu beeindrucken und sie auf seine Seite zu ziehen.

Hannibals militärische Aktivitäten in Italien

Nach der Alpenüberquerung kämpfte Hannibal 14 Jahre lang in Italien und erzielte dabei bedeutende Siege über die Römer. Trotz seiner Erfolge gelang es ihm jedoch nicht, Rom zur Kapitulation zu zwingen, und er wurde schließlich zurück in seine Heimat beordert. Im Jahr 202 v. Chr. wurde seine Armee, die 80 Kriegselefanten umfasste, in der Schlacht von Zama von einem römischen Heer besiegt. Diese Niederlage führte zur Kapitulation Karthagos und dem endgültigen Ende des Krieges.


Quellen: n-tv, jenatv

Bildquelle: Bernardino Cesari via Wikimedia Commons (Public domain)

TS