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Hobbygärtner atmen auf: Der Superschnecke ist es zu trocken

Im vergangenen Jahr ließ eine Nacktschnecken-Art etliche Hobbygärtner bundesweit verzweifeln. Damals war es im Frühjahr extrem feucht – diesmal ist es extrem trocken. Macht das einen Unterschied?

Die anhaltende Trockenheit hat Nacktschnecken zu schaffen gemacht. (Archivbild)
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Im letzten Jahr war sie das beherrschende Thema vieler Diskussionen auf Gartenplattformen, aber dieses Jahr beginnen Hobbygärtner wahrscheinlich mit einer Atempause in die Saison: Obwohl bereits erste kleine Nacktschnecken in vielen Bereichen zu sehen waren, hat die anhaltende Trockenheit im Februar und März sowohl ihnen als auch vielen anderen Tierarten zu schaffen gemacht.

«Zwar starten die Populationen von einem relativ hohen Niveau, aber es ist davon auszugehen, dass sie sich aufgrund der Trockenheit nicht so rasant entwickeln werden», erklärte Markus Pfenninger vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt. Viele Jungtiere fielen der Trockenheit direkt zum Opfer. Zudem werde dadurch die mögliche Zeit für die Nahrungsaufnahme eingeschränkt, was die Tiere langsamer wachsen und sich später vermehren lasse.

Spanische Wegschnecke – bei Hobbygärtnern nicht gerade beliebt

Die Spanische Wegschnecke, auch bekannt als Arion vulgaris oder Große Wegschnecke, ist verantwortlich dafür, dass mühsam angezogene Pflanzen über Nacht bis auf den Stumpf weggefressen werden und glitzernde Schleimbänder sich über Beete und Töpfe ziehen. Obwohl sie an vielen Orten vorkommt, wurde festgestellt, dass sie ausgerechnet in Spanien nur sehr vereinzelt anzutreffen ist.

«Schlimm» hatte Michael Schrödl von der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) das Ausmaß im vergangenen Jahr genannt. Im vergleichsweise feuchten Jahr 2023 waren die Populationen angewachsen und hatten im erneut feuchten Frühjahr darauf so richtig losgelegt. Manche Hobbygärtner sammelten täglich Dutzende bis Hunderte der Nacktschnecken ab.

Wettlauf um mehr Wachstum

Trockenheit im Frühjahr hemme die meisten Nacktschnecken, erklärte Schrödl, inzwischen im Ruhestand. Je länger sie im Boden vergraben bleibe, desto weniger Grünfutter könne Arion vulgaris seinen Erfahrungen nach aufnehmen und desto langsamer seien Wachstum und Entwicklung. «Allerdings gilt das Hemmnis je nach Grad und Dauer der Trockenheit abhängig von weiteren Faktoren wie Art und Standort auch für die Pflanzen.» Es sei schwer zu beurteilen, wer letztlich mehr gehemmt werde und den Wettlauf gewinne.

Arion vulgaris, die Superschnecke

Experten zufolge ist Trockenrasen und gekieste Wege möglicherweise ein Problem für andere einheimische Nacktschnecken, aber nicht für Arion vulgaris. Sie vermehrt sich schneller, frisst mehr und setzt sich im Notfall zum Fressen in die pralle Sonne, ohne Schaden zu nehmen.

Es scheint, dass die Art zumindest schon seit längerer Zeit in Südwest-Deutschland existiert. Laut aktuellem Forschungsstand wurde sie nicht, wie lange angenommen, erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch Obst- und Gemüseimporte von der Iberischen Halbinsel eingeschleppt.

Seit den 1960er-Jahren taucht sie vermehrt und immer weiter nördlich und östlich auf, oft in hohen Dichten. Zum Leidwesen von Gärtnern handelt es sich um wahre Superschnecken: Die bräunlich-rötlichen Tiere können hervorragend klettern, Hochbeete sind kein Problem für sie. Zu hängenden Gefäßen seilen sie sich am Schleimfaden ab. Salat und Gemüse können sie aus Dutzenden Metern Entfernung riechen.

Fressen mag sie fast niemand

Des Weiteren belegen genetische Analysen, dass Arion vulgaris sich intensiv mit anderen Arten kreuzt und dadurch möglicherweise ständig neue vorteilhafte Eigenschaften für die jeweilige Umgebung erwirbt. Und als ob das noch nicht genug wäre: Bis auf Indische Laufenten zeigen nur wenige Fressfeinde Interesse an einer ausgewachsenen Spanischen Wegschnecke.

Jungschnecken vertilgende Tiere wie Igel, Kröten oder bestimmte Laufkäfer wiederum gibt es immer weniger in deutschen Gärten. «Arion vulgaris ist ein Profiteur der Einöde in den Gärten», wie Schrödl einmal sagte.

Nebenbei bemerkt: Trotz aller Gärtnerqualitäten wird oft übersehen, dass Arion vulgaris im Garten durchaus nützlich ist, da sie Kot und Kadaver beseitigt und die Kompostierungsprozesse in Schwung bringt.

dpa