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Notrufe in Deutschland: Über 30 Millionen Anrufe an die «112» im Jahr 2023

Über 90% der Notrufe erfolgen über Mobilfunknetze, wobei moderne Technologien wie LTE und 5G bevorzugt werden. Die Standorttechnologie AML ermöglicht schnelle Rettungseinsätze.

Wenn die «112» gewählt wird, sucht das Handy automatisch das stärkste verfügbare Netz.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

In Deutschland wird durchschnittlich jede Sekunde einmal der Notruf gewählt. Im Jahr 2023 summierten sich die Anrufe an die «112» auf mehr als 30 Millionen Notrufe, wie die Netzbetreiber Deutsche Telekom, Telefónica und Vodafone zum «Tag des europäischen Notrufs» an diesem Sonntag mitteilten.

Gemäß der Telekom-Statistik werden mittlerweile über 90 Prozent der Anrufe bei Feuerwehr und Polizei über Mobilfunknetze getätigt. Von diesen erreichen 80 Prozent die Leitstellen über moderne Mobilfunktechnologien wie LTE (4G) und 5G. Nur noch jeder fünfte Notruf wird über das alte GSM-Netz abgesetzt.

Wenn die «112» gewählt wird, sucht das Handy automatisch das stärkste verfügbare Netz. Das bedeutet auch, dass ein Notruf über ein anderes verfügbares Netz geleitet wird, wenn der eigene Anbieter vor Ort Funklöcher oder Netzstörungen hat. Notrufe haben außerdem immer Vorrang vor anderen Anrufen.

Standort des Anrufers wird an Rettungskräfte übermittelt

In Deutschland wird der exakte Standort des Anrufers bei Notrufen von Mobiltelefonen automatisch an die Rettungskräfte übermittelt. Dadurch ist es Feuerwehr, Notarzt und Rettungswagen möglich, den Unfallort schnell zu finden und sie sind nicht länger auf ungenaue Angaben der Anrufer angewiesen. Laut Vodafone ist die dafür verwendete Standorttechnologie AML (Advanced Mobile Location) mittlerweile in allen 71.500 Mobilfunkstandorten und rund 320 Rettungsleitstellen in Deutschland installiert.

«In Notfällen zählt jede Sekunde, um Leben zu retten. Die AML-Technologie hat sich in der Praxis bewährt: Die Retter treffen jetzt wesentlich schneller am Unglücksort ein – und umso schneller können sie Hilfe leisten», erklärte Tanja Richter, Netzchefin von Vodafone Deutschland. 

Markus Haas, CEO von O2 Telefónica, verwies darauf, dass die automatische Ortung oftmals überlebenswichtig sei. «Das gilt vor allem auf Autobahnen, Landstraßen, im Wald – überall, wo der Nutzer keine genaue Adresse nennen kann. Die Rettungsdienste sind damit schneller vor Ort.»

Notruf dauert in der Regel weniger als zwei Minuten

Die genaue Standortübertragung funktioniert jedoch nur, wenn ein Smartphone für den Notruf verwendet wird. Ältere herkömmliche Handys können keine genauen Positionsdaten übermitteln. Im Januar 2024 wurden bei 81 Prozent der mobilen Notrufe die AML-Daten der Endgeräte übermittelt, also bei etwa vier von fünf Anrufen. Die Informationen zur Mobilfunkzelle werden von den Providern bei jedem Notruf übermittelt.

Im Jahr 2023 dauerte ein Notruf in der Regel weniger als zwei Minuten. Die Telekom verzeichnete einen Durchschnittswert von 96 Sekunden. Die meisten Notrufe gab es im vergangenen Jahr am 22. Juni, als das Unwettertief «Lambert» in ganz Deutschland viele zusätzliche Feuerwehreinsätze auslöste. Der Höhepunkt wurde an diesem Tag um 19 Uhr erreicht: Innerhalb von zehn Minuten zählte die Telekom über 10.000 Notrufversuche im Zuständigkeitsbereich einer einzigen Leitstelle.

dpa