Die Kinder- und Jugendhilfe reagierte rechtswidrig auf die lebensgefährliche Situation des zwölfjährigen Opfers, was zu schweren Schäden führte.
Trotz gravierender Fehleinschätzung: Anwalt verlangt 150.000 Euro Schmerzensgeld vom Bundesland Niederösterreich

Der Anwalt des Opfers fordert im Fall des beinahe zu Tode gequälten Kindes, das in Österreich von seiner Mutter in eine Hundebox gesperrt wurde, 150.000 Euro Schmerzensgeld vom Bundesland Niederösterreich.
Die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe des Landes hätten «völlig unzureichend, somit rechtswidrig und schuldhaft auf die dramatische und lebensgefährliche Situation» des damals Zwölfjährigen reagiert, zitierte die Nachrichtenagentur APA aus dem ihr vorliegenden Schreiben des Anwalts. Die nicht adäquate Reaktion habe sich schädlich auf die körperliche und seelische Unversehrtheit des Jungen ausgewirkt. Das Land hat nun drei Monate Zeit, sich zu äußern.
«Gravierende Fehleinschätzung»
Bei zwei unangekündigten Hausbesuchen im Oktober und November 2022 seien nur Auffälligkeiten notiert, aber keine sogenannte Gefahr-Verzug-Maßnahme angeordnet worden, so der Anwalt. Eine «gravierende Fehleinschätzung», befand der Rechtsvertreter. Neben dem Schmerzensgeld verlangte er auch eine Haftung für sämtliche künftigen Schäden des Opfers. Wenige Tage nach dem letzten Besuch war der Zwölfjährige ins Koma gefallen und wurde in einem lebensbedrohlichen Zustand ins Krankenhaus eingeliefert.
Die 33-jährige Mutter hat ihren Sohn über Monate gequält. Sie hatte ihn unter anderem gefesselt, geknebelt, ihn hungern lassen und eisiger Kälte ausgesetzt. Zusätzlich dazu hatte sie ihn mehrmals für Stunden in eine Hundebox gesperrt. Das stark abgemagerte Kind hatte bei der Einlieferung ins Krankenhaus nur noch eine Körpertemperatur von knapp 27 Grad. Als Motiv gab die Mutter vor Gericht an, dass sie ihren angeblich aggressiven und aufsässigen Sohn zu einem braven Kind erziehen wollte. Sie bestritt jedoch die Mordabsicht.
Die Mutter, die alleine erzieht, wurde Anfang März in einem Geschworenenprozess wegen versuchten Mordes, Quälens oder Vernachlässigens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen sowie wegen Freiheitsentziehung zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt. Eine frühere Freundin wurde als Anstifterin zu 14 Jahren Haft wegen fortgesetzter Gewaltausübung verurteilt. Beide Urteile sind nicht rechtskräftig.








