Mehr als ein halbes Jahrhundert lang saß Königin Margrethe auf dem dänischen Thron. Sie nutzte ihre Regentschaft, um die Monarchie in Dänemark zu festigen. Nun will sie abtreten – und zwar bald.
Königin Margrethe tritt ab: Große Erwartungen an Frederik

Dänemark steht vor einer neuen Ära. Kronprinz Frederik wird große Erwartungen erfüllen müssen, da Königin Margrethe II. nach 52 Jahren auf dem Thron ihren Rücktritt angekündigt hat. Der 55-jährige Frederik, der am 14. Januar als Frederik X. den Thron besteigen soll, wird jedoch wahrscheinlich gute Voraussetzungen vorfinden.
Margrethe hatte ihre Abdankung völlig überraschend in ihrer alljährlichen Neujahrsansprache am Sonntagabend verkündet. Als Hintergrund nannte sie eine Rückenoperation im zurückliegenden Jahr, die sie zwar gut überstanden habe, die sie aber zum Nachdenken gebracht habe. «Ich habe beschlossen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist», sagte sie und kündigte an, das Zepter im neuen Jahr an Frederik zu übergeben. Margrethe hatte den Thron nach dem Tod ihres Vaters am 14. Januar 1972 geerbt.
Margrethe gelang es, Zustimmung zur Monarchie zu erhöhen
Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen würdigte Margrethe als «Inbegriff von Dänemark», die in all den Jahren Worte und Gefühle dafür gefunden habe, wer die Dänen als Volk und als Nation seien.
Margrethe war erfolgreich darin, die Akzeptanz des Königshauses zu stärken. Laut der dänischen Agentur Ritzau stieg die Zustimmung der Menschen zur Monarchie in Dänemark während ihrer Regentschaft auf über 75 Prozent. Der Sprecher des dänischen Parlaments, Søren Gade, würdigte in einer Mitteilung die scheidende Königin dafür, dass sie die Monarchie schrittweise angepasst hat, sodass neue Generationen sie als bedeutsame Institution wahrnehmen. Dadurch hat sie den Weg für ihren ältesten Sohn geebnet.
Es besteht die Vermutung, dass der zukünftige König in der Lage sein wird, daran anzuknüpfen. Laut einer Umfrage des dänischen Rundfunks DR sind Kronprinz Frederik und seine Frau Kronprinzessin Mary genauso beliebt wie Margrethe. Mehr als 80 Prozent der Dänen haben demnach ein positives Bild von dem baldigen Königspaar.
Abdankung gilt in Dänemark als äußert ungewöhnlich
Von den umliegenden königlichen Familien gab es zunächst keine Reaktion auf die Überraschung. In den Medien wurde jedoch bereits spekuliert, dass der Rücktritt von Margrethe Einfluss auf die gekrönten Häupter in Schweden und Norwegen haben könnte. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass der schwedische König Carl Gustav (77) und der norwegische König Harald (86) diesem Beispiel folgen würden, zitierte SVT den königlichen Experten Roger Lundberg. Margrethe habe Carl Gustav im Voraus persönlich über ihre Entscheidung informiert, berichtete SVT.
Laut dem Geschichtsprofessor Lars Hovbakke Sørensen von der Universität Absalon gilt Margrethes Schritt als äußerst ungewöhnlich und historisch. Seit der Einführung der Erbmonarchie im Jahr 1660 habe es keinen Monarchen gegeben, der freiwillig auf den Thron verzichtet habe, sagte er der Agentur Ritzau.








