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Kommerzielle Darmflora-Tests oft wenig aussagekräftig

Die Tests sollen Menschen über ihre Darmflora aufklären. Doch die Ergebnisse sind Experten zufolge oft zweifelhaft. Dafür könnte es einen simplen Grund geben.

Ein gesundes Darm-Mikrobiom kann bei verschiedenen Menschen unterschiedlich aussehen.
Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Kommerzielle Darmbakterien-Tests für Verbraucher sind offenbar oft wenig aussagekräftig. Behauptungen von Unternehmen, sie seien dazu in der Lage, auffällige Mikrobiome zu erkennen, würden nicht durch die Forschung gestützt, mahnen US-amerikanische Wissenschaftler. Stattdessen könnten Verbraucher ausgenutzt oder sogar geschädigt werden, schreibt die Gruppe um Diane Hoffmann von der University of Maryland in Baltimore in der Fachzeitschrift «Science». Auch in Deutschland werden Mikrobiom-Tests angeboten.

«Derzeit besteht keine Einigkeit darüber, was eine gesunde Zusammensetzung des menschlichen Mikrobioms in einer Bevölkerung oder Bevölkerungsgruppe ausmacht», betonen Hoffmann und Kollegen. Zwar habe die Wissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten festgestellt, dass die Zusammensetzung der Darmbakterien wichtig für die Gesundheit eines Menschen ist. Doch könne ein gesundes Darm-Mikrobiom bei verschiedenen Menschen unterschiedlich aussehen. 

In den letzten Jahren hat sich eine Branche entwickelt, die Tests und Analysen für Verbraucher basierend auf Stuhlproben und ausgefüllten Fragebögen anbietet, ähnlich wie bei Gentests. Denn auch bei Mikrobiom-Tests wird das in der Probe vorhandene Erbgut analysiert, um Arten und Häufigkeiten von Bakterien und anderen Lebewesen im Darm zu bestimmen.

Bei ihren Recherchen fanden die Autoren weltweit 31 kommerzielle Anbieter. «Ungefähr 45 Prozent der von uns identifizierten Unternehmen verkaufen Nahrungsergänzungsmittel, die sie Verbrauchern aufgrund ihrer Testergebnisse empfehlen», schreibt die Gruppe um Hoffmann. Sie befürchtet daher eine kommerzielle Ausnutzung von Verbrauchern.

Die Autoren bemängeln in «Science» vor allem, dass Unternehmen die analytische und klinische Aussagekraft sowie den klinischen Nutzen ihrer Tests nicht belegen müssten. Sie verweisen auf eine unveröffentlichte Studie des National Institute for Standards and Technology der USA (NIST). 

Das NIST schickte sieben Unternehmen, die Mikrobiom-Tests anbieten, jeweils drei Proben aus einer standardisierten Quelle von Stuhlmaterial – die Proben waren also alle gleich zusammengesetzt. Es gab nicht nur deutliche Unterschiede in den Ergebnissen der Berichte verschiedener Firmen, sondern auch in den drei Berichten desselben Unternehmens.

Hoffmann und Kollegen haben mit einer Arbeitsgruppe aus Mikrobiom-Forschern, Klinikern, Rechtsexperten für Medizinprodukte, Industrie- und Verbrauchervertretern sowie Bioethikern über das Thema diskutiert. Basierend auf den Einschätzungen und ihren eigenen Recherchen empfehlen sie eine verstärkte Regulierung von Mikrobiom-Tests durch US-Behörden, eventuell sogar eine Einstufung als Medizinprodukt, was strengere Vorschriften bedeuten würde.

«Obwohl unsere Empfehlungen auf das US-amerikanische Regulierungssystem abzielen, können sie auch für andere Länder gelten, in denen diese Dienstleistungen vermarktet werden», schreibt die Gruppe in dem «Science»-Artikel.

dpa