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Kritik an Gesetz zur Tötung von Bären im Trentino

Im Trentino können sogenannte «Problembären» künftig leichter abgeschossen werden. Der Landtag der norditalienischen Provinz segnete ein entsprechendes Gesetz ab – mit unterschiedlichen Reaktionen.

Ein Bär läuft durch ein hügeliges Gebiet im Trentino (undatiertes Handout).
Foto: Matteo Zeni/Servizio Faunistico/dpa

Der Konflikt um die Bären im Trentino dauert an: Nachdem der Landtag der norditalienischen Provinz Trentino ein umstrittenes Gesetz verabschiedet hat, das die Tötung von bis zu acht Bären pro Jahr erlaubt, sind die Reaktionen gemischt. Tierschützer haben die Entscheidung scharf kritisiert.

Der Tierschutzverband Lav kündigte am Dienstag an, gegen das neue Gesetz juristisch und wenn nötig auf EU-Ebene vorgehen zu wollen. «Dieses Gesetz ist nur ein unverhohlener Rachefeldzug, der nichts an der Sicherheit der Bürger des Trentino ändern wird», hieß es in der Mitteilung weiter.

Umsiedlung von «Problembären»

Provinzpräsident Maurizio Fugatti von der rechten Lega-Partei zeigte sich hingegen zufrieden: «Unsere Priorität ist es, die Sicherheit der Trentiner Bevölkerung zu gewährleisten und die Bauernhöfe und Betriebe mit Nutztieren zu schützen.» Beim Schutz der Menschen dürfe man nicht zurückstecken: «Gefährliche Bären müssen getötet werden.» Er betonte zudem, dass die von Tierschützern vorgeschlagene Umsiedlung von «Problembären» ins Ausland keine Lösung sei, da viele Länder dies bereits abgelehnt hätten.

Nach einer langen Debatte im Landtag stimmten die Abgeordneten am späten Montagabend dem Gesetzentwurf zu, der laut Landesregierung dazu dient, die Bärenpopulation in der beliebten Urlaubsregion einzudämmen. Die Opposition brachte viele Änderungsanträge ein, was zu einer Verzögerung der endgültigen Abstimmung führte. Die Sitzung musste mehrmals unterbrochen werden, da Tierschützer versuchten, in den Plenarsaal zu gelangen, um gegen das neue Gesetz zu protestieren. Sie fordern sanftere Maßnahmen, um das Zusammenleben von Mensch und Bär sicherer zu gestalten.

Dank des neuen Gesetzes wird es für Fugatti in Zukunft einfacher, den Abschuss von bis zu acht problematischen und als gefährlich eingestuften Tieren anzuordnen. Zuvor war dies zwar bereits möglich, jedoch mit zahlreichen bürokratischen Hürden. Von den maximal acht Tieren pro Jahr dürfen nur zwei erwachsene Weibchen, zwei erwachsene Männchen und vier Jungtiere sein. Diese Obergrenze gilt vorerst für die Jahre 2024 und 2025.

Ein Bär hat im letzten Jahr einen Jogger getötet

Die Entscheidung, bis zu acht Bären festzulegen, stammt aus einer Einschätzung der italienischen Umweltbehörde Ispra. Gemäß Ispra würde die Tötung von bis zu acht Bären im Trentino nicht zu einem bedrohlichen demografischen Rückgang der Braunbären führen. Ohne jegliches Eingreifen könnte die Bärenpopulation in 15 Jahren auf etwa 250 Tiere ansteigen. Dies wäre auf dem relativ kleinen Gebiet des Trentino verheerend.

Die Anzahl der Bären im Trentino hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Zurzeit wird dort etwa 100 erwachsene Braunbären vermutet. Bei der letzten Schätzung im Jahr 2022 waren es noch 85. Es gibt immer wieder Zwischenfälle. Im April des vergangenen Jahres wurde ein junger Jogger von der Bärin JJ4, genannt Gaia, angegriffen und getötet. Seitdem hat sich die Diskussion über die Bären verschärft.

Die Forderungen nach der Tötung von «Problembären» wurden nach dem aufsehenerregenden Vorfall immer lauter. Dagegen hielten jedoch Tierschutzverbände. Angesichts des neuen Gesetzes hat sich der Ton verschärft. Fugatti und andere Provinzvertreter werden inzwischen bedroht – zum Teil mit dem Tod.

dpa