Der Jahreswechsel fällt für viele Einsatzkräfte in den Hochwassergebieten buchstäblich ins Wasser. Damit sie nicht noch mehr zu tun bekommen, haben die Behörden einen Appell veröffentlicht.
Lage in Hochwassergebieten auch zu Silvester angespannt

Der Einsatz Tausender Helfer in den Hochwassergebieten in Teilen Deutschlands geht auch zu Silvester weiter. In der Nacht zum Sonntag galt in Niedersachsen für viele Pegel die zweithöchste Meldestufe. Sorgen bereiten den Einsatzkräften vor allem die vielfach aufgeweichten Deiche, die brechen könnten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagte für den Vormittag des Silvestertags für den Nordwesten und Westen gebietsweise schauerartigen Regen voraus. Unterdessen plant Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) einem «Bild»-Bericht zufolge einen Besuch in den Hochwassergebieten, um Helfern zu danken und Solidarität zu zeigen.
Nach Informationen des Blattes will Scholz den Betroffenen zeigen, dass die Regierung sie in dieser schweren Lage nicht alleine lasse, hieß es am Samstagabend auf dem Portal von «Bild». Der genaue Zeitpunkt und Ort des Besuchs seien noch geheim. Eine offizielle Bestätigung lag auch in der Nacht zum Sonntag nicht vor.
Vor allem Teile von Niedersachsen, der Süden von Sachsen-Anhalt an der Grenze zu Thüringen und Gebiete in Nordrhein-Westfalen sind von Überschwemmungen betroffen. Es gab kürzlich an einigen Orten etwas Entwarnung. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz teilte zum Beispiel mit, dass mehrere Pegelstände ihren Höchststand erreicht haben und wieder sinken würden. Den Angaben zufolge werden die Pegelstände in den Mittel- und Unterläufen der Aller, Leine und Oker jedoch vorerst auf dem aktuellen Niveau bleiben.
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sagte dem «Spiegel»: «Es sind weitere Niederschläge angekündigt, außerdem könnte es Sturm geben. Trotzdem rechnen wir derzeit nicht damit, dass der angekündigte Regen die Situation dramatisch verschlimmern wird.» Der DWD hat für Dienstag in Teilen Deutschlands teils andauernden und kräftigen Regen vorhergesagt. Groß ist die Sorge, dass sich die Lage an den Flüssen wieder verschärfen könnte.
Zu Verzicht auf Silvesterböllerei aufgerufen
Um den Einsatzkräften zusätzliche Arbeit zu ersparen, raten mehrere Städte in Niedersachsen, einschließlich der Stadt Celle, dazu, auf Feuerwerk und Böller in der Silvesternacht zu verzichten. Dies gilt insbesondere aufgrund der bereits hohen Belastung durch das Hochwasser. Auch Umweltminister Christian Meyer (Grüne) empfiehlt, in den von Hochwasser betroffenen Gebieten auf Silvesterböller zu verzichten.
Teilweise wurden auch Böllerverbote erlassen, wie etwa in der Gemeinde Lilienthal im Landkreis Osterholz bei Bremen. Der Landkreis befürchtete darüber hinaus, dass zu Silvester viele Schaulustige im Hochwassergebiet unterwegs sein werden. Behrens bezeichnete Schaulustige und Katastrophen-Touristen als ärgerlich. «Viele reisen extra an, um sich die Wassermassen anzusehen. Sie ignorieren die Absperrungen.» Es habe bereits mehrere Fälle gegeben, bei denen die Feuerwehr Schaulustige habe retten müssen, sagte die Innenministerin.
Katastrophenfall im Landkreis Mansfeld-Südharz
Auch in anderen Teilen des Landes sind die Einsatzkräfte gut beschäftigt. In mehreren Ortschaften entlang des Flusses Helme an der Landesgrenze zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt bleibt die Hochwasserlage kritisch. Der Landkreis Mansfeld-Südharz hat am Samstag den Katastrophenfall erklärt. Am Samstagabend wurden laut dem Bürgermeister der Gemeinde Südharz, Peter Kohl, vorsorglich Sammelstellen in zwei Turnhallen eingerichtet. Trotz der Feststellung des Katastrophenfalls ändert sich derzeit nichts an der praktischen Arbeit.
In Tangermünde, im Norden Sachsen-Anhalts, erwarteten die Behörden, dass am Samstag die zweite von vier Alarmstufen überschritten wird. In Sachsen und Nordrhein-Westfalen hatten die Behörden vorsichtig von einer Entspannung der Lage gesprochen.








