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Lebenserwartung: Ist sie so stark genetisch bestimmt ?

Eine neue Studie zeigt, dass Gene die Lebenserwartung zu 55 Prozent beeinflussen, deutlich mehr als bisher angenommen. Forscher analysieren die Daten von Zwillingskohorten und betonen, dass auch eine gesunde Lebensweise entscheidend bleibt.

Lebenserwartung: Ist sie so stark genetisch bestimmt ?

Lebenserwartung: Wie stark beeinflussen Gene unsere Lebensspanne?

Wie sehr sind unsere Gene dafür verantwortlich, wie lange wir leben? Diese Frage beschäftigt die Altersforschung seit geraumer Zeit. Eine aktuelle Studie, die im Fachjournal „Science“ veröffentlicht wurde, legt nahe, dass der genetische Einfluss auf die menschliche Lebensdauer erheblich größer ist als bisher angenommen.

Ein Forschungsteam des Weizmann-Instituts in Israel und weiterer Institutionen hat herausgefunden, dass der genetische Beitrag zur Lebenserwartung bei etwa 55 Prozent liegt. Dies steht im Gegensatz zu früheren Schätzungen, die den erblichen Anteil auf lediglich 20 bis 25 Prozent bezifferten.

Neue Erkenntnisse und Methodik

22 Prozent genetisch bedingt sei. Einige Studien ermittelten sogar noch niedrigere Werte. Warum gibt es nun diese höhere Schätzung?

Das Team um Ben Shenhar analysierte Daten von Zwillingskohorten, die zwischen 1870 und 1935 geboren wurden, und schloss Todesfälle durch externe Faktoren wie Unfälle oder ansteckende Krankheiten aus. Diese externen Ursachen, die als extrinsische Mortalität bezeichnet werden, wurden von den intrinsischen Faktoren, also den erblichen Einflüssen, getrennt. Durch mathematische Modellierungen gelangten die Forscher zu dem Ergebnis, dass der genetische Einfluss auf die Lebenserwartung bei 55 Prozent liegt.

Überprüfung der bisherigen Studien

Die Wissenschaftler argumentieren, dass frühere Studien die Bedeutung externer Todesursachen möglicherweise überschätzt oder nicht korrekt herausgerechnet haben, was zu einer systematischen Unterschätzung des erblichen Anteils führte. Die neuen Berechnungen stimmen zudem mit Schätzungen für andere Spezies, wie etwa Mäusen, sowie mit der Erblichkeit anderer Persönlichkeitsmerkmale überein.

Gesunde Lebensweise bleibt entscheidend

Stephan Getzmann vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund bewertet die Methodik der Studie als plausibel und gut begründet. Er hebt hervor, dass es eine raffinierte Idee sei, die extrinsische Mortalität herauszurechnen. Auch andere Altersforscher, wie Steve Hoffmann und Chiara Herzog, unterstützen diese Methodik und bestätigen, dass frühere Studien die Vererbbarkeit der Lebensspanne unterschätzt haben.

Herzog erklärt, dass die Ergebnisse der Studie mit Tiermodellen übereinstimmen und eine Verdopplung der früheren Schätzungen plausibel erscheint. Dennoch betont Getzmann, dass die individuelle Fitness im Alter zu einem großen Teil selbst beeinflusst werden kann. Eine gesunde Lebensweise und Umweltfaktoren spielen eine entscheidende Rolle, um ein resilientes Altern zu fördern.

Ausblick auf zukünftige Forschung

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass es nun wichtig sei, die genetischen Varianten zu identifizieren, die der Lebenserwartung zugrunde liegen. Dies könnte der Wissenschaft helfen, die grundlegenden Mechanismen des menschlichen Alterns besser zu verstehen.

Bildquelle: OTFW, Berlin via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Ronny Winkler