Andere Länder haben mit einer Zuckersteuer bereits gute Erfahrungen gemacht. Experten der Akademie der Wissenschaften ermuntern zur Einführung auch in Deutschland.
Leopoldina: Deutschland würde von Zuckersteuer profitieren

Laut der Leopoldina ist es auch in Deutschland ratsam, stark zucker- oder fetthaltige Lebensmittel und Getränke zu besteuern. In anderen Ländern wie Großbritannien haben Abgaben auf zuckergesüßte Getränke den Konsum von Zucker und zuckergesüßten Getränken nachweislich reduziert, so eine aktuelle Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Halle. Auch in Deutschland sind positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung und geringere Kosten für die medizinische Versorgung zu erwarten.
Die Wirksamkeit der bisherigen politischen Anstrengungen und Strategien gegen Adipositas sei fraglich, so die Leopoldina. Trotz zahlreicher Präventionsbemühungen gehe die Erkrankungshäufigkeit nicht zurück. Im Gegenteil: «In Deutschland gibt es eine Adipositas-Epidemie.» Fast jedes sechste Kind im Alter von 3 bis 17 Jahren hat demnach Übergewicht oder starkes Übergewicht (Adipositas). Bei den Erwachsenen sind zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen übergewichtig, etwa ein Viertel der Erwachsenen hat starkes Übergewicht.
Kombi Prävention und Therapie ist sinnvoll
Nötig sei eine Kombination von Prävention und Therapien, hieß es von der Leopoldina. Zentral ist den Akademie-Experten zufolge dabei, dass die Prävention früh ansetzt – in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren des Kindes. «Ungesunde Verhaltensmuster sollten regulatorisch eingedämmt werden», heißt es in der Empfehlung weiter. Die Mehrwertsteuer für gesunde Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukte solle gesenkt werden. Werbung für ungesunde Lebensmittel müsse eingeschränkt werden, insbesondere, wenn sie sich an Kinder und Jugendliche richte, deren Konsumverhalten stark von Werbung beeinflusst werde.
Es gibt drei Möglichkeiten für Therapien: Medikamente, Maßnahmen zur Lebensstiländerung und Chirurgie. Besonders hervorzuheben sind laut Leopoldina die sogenannten Inkretin-Mimetika, die nicht nur das Gewicht, sondern auch Begleiterkrankungen wie Diabetes 2 und kardiovaskuläre Erkrankungen positiv beeinflussen. Die Kosten für Medikamente, die hauptsächlich die Lebensqualität steigern sollen – dazu gehört auch die Regulierung des Körpergewichts – werden derzeit nicht übernommen. Eine Anpassung ist dringend erforderlich.
Hohe finanzielle Belastung für die Gesellschaft
Laut der Leopoldina führen die Auswirkungen von Adipositas unter anderem zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Krebserkrankungen. Die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten von Adipositas und Übergewicht belaufen sich auf etwa 2,6 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts, was ungefähr 113 Milliarden Euro entspricht.








