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Medikamenten-Sicherheitstests mit Kaninchen enden

Mehr Schutz von Versuchstieren in der EU: Kaninchen dürfen bald so gut wie nicht mehr für Tests zu Fieber erzeugenden Mitteln herangezogen werden. Alternativen funktionieren ohne Tiere.

Kaninchen gehören nach Mäusen, Fischen und Ratten zu den häufigsten Versuchstieren.
Foto: Christian Charisius/dpa

Bestimmte Sicherheitstests für Medikamente werden zukünftig nicht mehr an Kaninchen durchgeführt, sondern durch tierversuchsfreie Alternativen. Die Kaninchen-Tests zur Erkennung von fieberauslösenden Substanzen sollen ab dem 1. Juli 2025 weitgehend aus den europäischen Vorschriften zur Arzneimittelprüfung gestrichen werden, wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, erklärte.

Es handelt sich um die sogenannten Kaninchen-Pyrogentests. Pyrogene sind Fieber erzeugende Faktoren – vor allem Bakterien, aber auch Viren, Parasiten oder Chemikalien. Da solches Fieber lebensbedrohlich sein kann, sind Tests auf Pyrogene im Europäischen Arzneibuch vorgeschrieben. Traditionell wird den Kaninchen die zu untersuchende Substanz in Blutgefäße gespritzt, um zu beobachten, ob sie daraufhin eine höhere Körpertemperatur bekommen. Auf diese Weise konnten Verunreinigungen in Arzneimitteln frühzeitig nachgewiesen werden.

Noch vor einigen Jahren wurden EU-weit Zehntausende Test pro Jahr an Kaninchen durchgeführt. Da es zunehmend andere Testverfahren gab, ging die Zahl der Versuchskaninchen für diese Tests zurück. «Rein faktisch war der Kaninchen-Pyrogentest schon länger nahezu abgeschafft», erklärte das PEI für Deutschland. Doch an anderer Stelle werden Kaninchen weiterhin als Versuchstiere eingesetzt, zum Beispiel zur Produktion von Antikörpern oder in der Tumorforschung. Eine EU-Datenbank erfasste für das Jahr 2022 für Deutschland mehr als 65.000 Tests an Kaninchen.

Als Alternative zu den Kaninchen-Pyrogentests wurde zunächst ein Test eingeführt, der auf dem Blut von Pfeilschwanzkrebsen basiert. Laut PEI funktionieren neuere Tests jedoch ohne Tiere oder tierisches Material. Beim Monozyten-Aktivierungstest wird das zu testende Medikament mit menschlichem Blut vermischt. Der rekombinante-Faktor-C-Test nutzt hingegen ein Enzym aus dem Pfeilschwanzkrebs, das nun im Labor hergestellt wird.

Das Europäische Arzneibuch für die Qualität von Arzneimitteln wird in Straßburg veröffentlicht. Darin sind die Regeln zur Qualität, Prüfung, Lagerung, Abgabe und Bezeichnung von Arzneimitteln festgelegt sowie welche Stoffe bei der Herstellung verwendet werden können. Die Arzneibuchkommission, in der auch das PEI und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vertreten sind, ist zuständig.

dpa