Am 15. April 2019 ging ein Teil der Pariser Notre-Dame in Flammen auf. Zur Eröffnung der Olympischen Spiele soll die Kathedrale wieder erstrahlen – und mit einer Hommage gefeiert werden.
Notre-Dame für Olympia im neuen Glanz: Fünf Jahre nach Brand

Seit Ende März ist ein Großteil des neuen Spitzturms mit dem goldenen Hahn und dem Kreuz zu sehen, der riesige Holzdachstuhl bereits seit Anfang des Jahres. In wenigen Monaten werden nur noch Bilder an den verheerenden Brand erinnern, dem die Notre-Dame vor fünf Jahren zum Opfer gefallen ist.
Innerhalb von etwa einer Stunde stürzte der schmale Vierungsturm unter den ängstlichen Blicken und Schreien Hunderter Pariser, die sich am Ufer der Seine versammelt hatten, zusammen – und riss dabei einen Teil des Daches mit in die Tiefe.
Die Bilder des Flammen-Infernos lösten weltweit Entsetzen und Betroffenheit aus. «Notre-Dame der Tränen» und «Die Tragödie von Paris» titelten französische und ausländische Zeitungen. Am Tag nach der Tragödie kündigte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an, das teilweise zerstörte Gotteshaus innerhalb von fünf Jahren wieder aufzubauen. Ein ambitioniertes Versprechen, an das damals nur wenige glaubten.
Gerüstabbau bis Eröffnung weit fortgeschritten
Die Notre-Dame verdankt es rund 650 Feuerwehrleuten, dass sie am 15. April 2019 nicht komplett ein Raub der Flammen geworden ist. Seitdem sind Hunderte Handwerker und Arbeiter damit beschäftigt, das Wahrzeichen von Paris wieder instand zu setzen, sodass das Gebäude bald identisch fertig restauriert sein wird. Pünktlich zur Eröffnung der Olympischen Spiele am 26. Juli soll die Notre-Dame bereits fast vollständig mit ihrem neuen äußeren Erscheinungsbild glänzen.
Der Abbau des riesigen Baugerüsts, das vor kurzem noch über 90 Meter hoch in den Pariser Himmel ragte, soll bis zur Eröffnung der Spiele ausreichend fortgeschritten sein, erklärte Philippe Jost, Leiter der öffentlichen Einrichtung, die für den Wiederaufbau der Kathedrale zuständig ist. Dann soll der Turm wieder gut sichtbar sein. Auch die Fassaden des nördlichen und südlichen Querschiffs sowie der Dachstuhl sollen bis zum Start des Sportereignisses sichtbar sein. Bis zu den Spielen wird die Kathedrale ihr äußeres Erscheinungsbild vollständig wiedererlangt haben, hieß es aus dem Élysée-Palast.
Hommage an Notre-Dame bei Olympia
Bei der Eröffnung wird das gotische Meisterwerk Teil der Feierlichkeiten sein. Gemäß Thomas Jolly, künstlerischer Leiter der Olympia-Zeremonien, wird es eine Rolle bei der Inszenierung der Show spielen. Notre-Dame und dem neuen Turm wird eine spezielle Hommage erwiesen, wie der Theaterregisseur und Schauspieler dem Radiosender France Inter mitteilte.
Die Eröffnungszeremonie findet erstmals nicht in einem Stadion statt, sondern mitten in der Stadt auf der Seine. Die sechs Kilometer lange Bootsparade führt an Wahrzeichen wie dem Eiffelturm, dem Louvre und der Notre-Dame vorbei. Bei den letzten Olympischen Spielen in Paris 1924 wurde in der Kathedrale eine religiöse Zeremonie zur Eröffnung abgehalten.
Der Vierungsturm, der mehr als 90 Meter über dem Boden gipfelt, ist ein ikonisches Merkmal der Kathedrale. Das Original wurde im Jahr 1250 errichtet und war ein Glockenturm. Während der Französischen Revolution (1789-1799) wurde der Turm abgebaut. Über 70 Jahre später wurde er als architektonisches Meisterwerk des 19. Jahrhunderts wiedererrichtet. Der Turm, dessen Zweck rein dekorativer Natur war, wurde auf einem achteckigen, auf den vier Säulen des Querschiffs ruhenden Sockel gebaut – in 18 Monaten. Am 15. April 2019 fielen dann in rund nur einer Stunde die 500 Tonnen Holz und 250 Tonnen Blei in sich zusammen.
Neuer Hahn auf der Spitze
Der Spitzturm des Denkmals hat nicht nur eine ästhetische und architektonische Qualität, sondern auch eine starke religiöse Bedeutung als höchster Punkt. An der Spitze befand sich ein Hahn, der drei Relikte enthielt: Dornen der Heiligen Dornenkrone, ein Relikt des Heiligen Dionysius und eines der Heiligen Genoveva.
Der Hahn wurde Stunden nach dem Brand aus den Trümmern gerettet. Er soll im zukünftigen Notre-Dame-Museum zu sehen sein, zusammen mit der Dornenkrone von Jesus Christus, einem Heiligen Nagel sowie einem Splitter des Heiligen Kreuzes. Im Christentum symbolisiert der Hahn die Rückkehr des Lichts nach der Nacht. Auf vielen Kirchtürmen sieht man deshalb einen Hahn sitzen. Die Überreste des Heiligen Dionysius, erster Bischof von Paris und Märtyrer, sowie der Heiligen Genoveva, der Schutzpatronin von Paris, sollen Frankreichs Hauptstadt und deren Bewohnern Schutz verleihen.
Seit Mitte Dezember ragt ein neuer vergoldeter Kupferhahn in den Großstadthimmel – im Inneren mit einer zusätzlichen Hinterlassenschaft. Eine Liste mit fast 2000 Namen aller Personen, die an diesem Wiederaufbau beteiligt waren.
Feueralarm nach Gottesdienstbeginn
Für den Wiederaufbau des Turms wurden 1000 Eichenbäume im Alter zwischen 100 und 200 Jahren gefällt. Nicht weniger Stämme waren für das Gerüst der Gewölbe des Kirchenschiffs und des Chors notwendig, die nach mittelalterlichem Vorbild restauriert wurden.
In Rekordzeit wurden die neuen Balken von Hand mit der Axt bearbeitet, genau wie zur Zeit der ersten Baumeister, zu denen die Virtual-Reality-Schau «Éternelle Notre-Dame» (Die ewige Notre-Dame) unter dem Vorplatz der Kathedrale führt. Frankreich sei das Land der Baumeister, sagte Frankreichs Staatschef, als er nur einen Tag nach dem Brand ankündigte, das Gotteshaus innerhalb von fünf Jahren wieder aufzubauen.
Seit der Grundsteinlegung im Jahr 1163 hat sich das Aussehen der Kathedrale im Laufe der Jahrhunderte verändert: Sie wurde erweitert, geplündert, verwüstet und renoviert. Eine der wichtigsten Restaurierungen sollten die Arbeiten zur Instandhaltung und Modernisierung sein, die im Juli 2018 begonnen haben. Doch knapp neun Monate später geschah das bisher Undenkbare.
Am 15. April 2019, um 18.20 Uhr, ertönte nach Beginn des Gottesdienstes der erste Feueralarm. Die Gläubigen wurden aus dem Gebäude evakuiert, konnten jedoch zurückkehren, da kein Feuer zu sehen war. Nur wenige Minuten später, um 18.43 Uhr, wurde der Alarm erneut ausgelöst. Zu spät. Bereits von außen war eine riesige Rauchwolke zu erkennen, die vom Dachboden über der Kathedrale aufstieg.
Die Ursache des Brandes ist bisher unklar. Es wurde zunächst vermutet, dass das Rauchverbot auf der Baustelle missachtet wurde. Ein Kurzschluss ist ebenfalls eine mögliche Ursache.








