Ob im Supermarkt, im Internet oder im Urlaub: Jeder kann auch im Alltag zum Schutz der bedrohten Orang-Utans beitragen. Sechs Tipps von Experten zum Welt-Orang-Utan-Tag.
Orang-Utans schützen – vom Frühstück bis zur Fernreise

Ob es Schokocreme auf dem Frühstücksbrot oder Shampoo im Badezimmerregal ist – zahlreiche Produkte des täglichen Bedarfs enthalten Palmöl. Was für die meisten Menschen hierzulande normal ist, hat jedoch am anderen Ende der Welt schwerwiegende Auswirkungen – insbesondere für bedrohte Menschenaffen. Auch in Deutschland hat jedoch jeder die Möglichkeit, den intelligenten Tieren zu helfen, die 97 Prozent ihres Erbguts mit den Menschen teilen.
Am 19. August ist Welt-Orang-Utan-Tag. Die faszinierenden «Waldmenschen» mit dem rotbraunen Fell leben nur noch in der Wildnis von Borneo und Sumatra – und verlieren täglich ein Stück mehr ihres Dschungelreichs. Rodungen für Palmölplantagen, Papier und seltene Erden sind die Ursache. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft Orang-Utans mittlerweile als «vom Aussterben bedroht» ein.
Es ist zwar positiv, Geld zu spenden, jedoch gibt es noch weitere Möglichkeiten zu helfen. Tierschutzorganisationen betonen, dass bereits kleine Entscheidungen – angefangen beim bewussten Einkauf bis hin zur Auswahl der Urlaubsaktivitäten – darüber entscheiden, ob Orang-Utans eine Zukunft haben werden.
«Den individuellen Konsum zu hinterfragen, hat nichts mit Verzicht zu tun, sondern verbessert die Lebensqualität», sagt Daniel Merdes, Deutschland-Chef der bekannten Stiftung BOS (Borneo Orangutan Survival). «Damit bestimmen wir mit.» Hier sieben Tipps:
1) Nur nachhaltiges Palmöl kaufen
Palmöl steckt in unzähligen Produkten – von Brotaufstrichen über Schokolade, Babynahrung und Margarine bis hin zu Kosmetika. Für konventionelles Palmöl werden riesige Regenwaldflächen vernichtet – und mehr als 85 Prozent des weltweiten Palmölangebots stammen aus Indonesien und Malaysia, wo die letzten Orang-Utans leben, wie die Organisation «Sumatran Orangutan Society» (SOS) vorrechnet.
Immer wieder sorgen Fotos und Videoclips von Orang-Utans in sozialen Netzwerken für Aufsehen, die sich nach dem Kahlschlag der Bagger völlig verstört an einen toten Baumstumpf klammern. Von einem Moment auf den anderen sind sie heimatlos geworden – denn Orang-Utans sind Baumbewohner und schlafen auch nachts in selbstgebauten großen Nestern in den Baumkronen.
Beim Einkauf können Verbraucher aufs Kleingedruckte achten: Palmöl wird oft gut getarnt und verbirgt sich auch hinter Bezeichnungen wie «Sodium Lauryl Sulfoacetate», «Cetyl Palmitate» oder einfach nur «Pflanzenöl» oder «pflanzliches Öl», wie Merdes erklärt. Nachhaltiges Palmöl mit dem RSPO-Siegel unterliegt hingegen strengen Standards und Kriterien. Unter anderem: Es darf kein Wald für neue Plantagen abgeholzt oder Torfmoore für den Anbau genutzt werden. «Es ist entscheidend, nachhaltiges Palmöl zu unterstützen, anstatt Palmöl gänzlich zu boykottieren», schreibt auch SOS auf seiner Webseite.
2) Frisch kochen statt Fertigpizza
Palmöl wird auch in Tiefkühlgerichten und Backwaren verwendet. Wenn man frisch kocht, vermeidet man nicht nur versteckte Palmölquellen, sondern reduziert auch Verpackungsmüll und unterstützt regionale Produzenten. Vor allem in Deutschland wird der größte Teil des importierten Palmöls nicht für Lebensmittel verwendet, sondern als Beimischung zu Biodiesel. Indem man das Auto öfter stehen lässt und stattdessen Rad fährt oder die Bahn nutzt, trägt man dazu bei, sowohl den Palmölverbrauch als auch die CO2-Emissionen zu reduzieren. Es ist also am besten, zum Wochenmarkt zu radeln – die wohl leckerste Art des Artenschutzes.
3) Kein «Kuscheln» im Netz
Fotos von Influencern, die Orang-Utan-Babys im Arm halten oder Bilder von vermenschlichten Affenkindern in bunten Kleidchen, die im Internet verbreitet werden, sind keineswegs harmlos. Sie zeigen meist Tiere, die aus der Wildnis gerissen wurden – oft, nachdem ihre Mütter getötet wurden. Likes und Herzchen fördern ungewollt den illegalen Handel. Besser: Solche Inhalte weder liken noch teilen, sondern direkt bei der Plattform melden. Organisationen wie BOS dokumentieren Missbrauch und setzen sich für die Rettung der Tiere ein.
4) Im Urlaub keine Orang-Utan-Show besuchen
In Thailand und Kambodscha werden oft Shows mit «boxenden» oder als «Showgirls» verkleideten Orang-Utans angeboten. Solche Touristen-Attraktionen sollten unbedingt gemieden werden. Es hilft auch, auf Plattformen wie Tripadvisor auf das Problem aufmerksam zu machen.
«Diese widerlichen Boxing-Shows hinterlassen völlig traumatisierte Orang-Utans. Nur mittels Bestrafung durch Schmerz werden sie zu solch einem unnatürlichem Verhalten getrieben», sagt Merdes. Leider sei das Modell aber sehr erfolgreich: In Kambodscha habe bereits ein weiterer Safari-Park geöffnet, und China zeige großes Interesse an einer Kette von Parks, erzählt er. «Jeder Tourist ist somit Teil des Problems und macht sich wissentlich oder unwissentlich mitschuldig.»
5) Nur seriöse Tour-Angebote
In Indonesien und Malaysia gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Orang-Utans in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten. Jedoch sind laut BOS nur wenige Anbieter wirklich tiergerecht. Seriöse Touren halten sich an strenge Richtlinien: kein direkter Kontakt, klare räumliche Trennung, begrenzte Besucherzahlen und ein Teil der Einnahmen geht an Schutzprojekte und lokale Gemeinden. Wenn solche Standards fehlen oder Tiere für Fotoshootings dressiert werden, sollte man das Angebot meiden.
6) CO2-Ausgleich mit Köpfchen
Fliegen hat negative Auswirkungen auf das Klima. Personen, die dennoch fliegen und ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren möchten, greifen teilweise auf CO2-Kompensation zurück. Allerdings ist die tatsächliche Klimawirkung vieler dieser Angebote umstritten.
Der WWF Deutschland empfiehlt, bei der Kompensation von CO2 nur Klimaschutzprojekte zu wählen, die mit dem Gold-Standard ausgezeichnet wurden – also Emissionsreduktionen, die mit den UN-Nachhaltigkeitszielen vereinbar sind.
BOS hat derweil das Projekt «Waldflieger» ins Leben gerufen. «Anstelle eines modernen Ablasshandels werden konkret Palmölplantagen in Regenwald umgewandelt», erläutert Merdes. So wird nicht nur CO2 gebunden, sondern auch Lebensraum für viele Arten geschaffen. Der Umwelt- und Artenschutzbeitrag eines Waldfliegers orientiert sich am CO2 ‑Ausstoß, den der Flug verursacht und wird anhand der aktuellen Preise für CO2-Kompensationen in die genaue Fläche Aufforstungsgebiet umgerechnet.