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Eiffelturm geschlossen: Streikende Angestellte fordern besseren Unterhalt

Rost nagt am Eiffelturm, während die Stadt Millionen einstreicht. Angestellte demonstrieren für langfristige Zukunft des Wahrzeichens.

Ein Schild informiert, dass der Eiffelturm wegen Streiks geschlossen ist.
Foto: Michael Evers/dpa

Groß ist der Frust bei Touristen in Paris, die am Donnerstag im Nieselregen am verschlossenen Einlass des Eiffelturms stehen. Keine Warteschlangen wie üblich, sondern Leuchtschilder, auf denen es in verschiedenen Sprachen heißt: «Wegen eines Streiks ist der Eiffelturm geschlossen, wir entschuldigen uns». Schon den vierten Tag in Folge ist das Wahrzeichen, das im vergangenen Jahr 6,3 Millionen Besucher anlockte, nicht zugänglich. Stattdessen demonstrieren Dutzende Beschäftigte des Eiffelturms am Morgen lautstark am Fuße des Bauwerks. Anders als bei vielen Streiks geht es den Angestellten nicht um eine Lohnerhöhung, vielmehr fordern sie einen besseren Unterhalt der Sehenswürdigkeit, die die Pariser auch liebevoll «dame de fer» («Dame aus Eisen») nennen.

Rost nage am Eiffelturm, während die Stadt hohe Millionensummen aus dem Verkauf der Eintrittskarten einstreiche und an der Instandhaltung spare, lautet der Vorwurf der Demonstranten. «Er steht seit 135 Jahren, aber wie lange noch?», steht auf einem der Transparente. «Milchkuh Eiffelturm», heißt es auf einem anderen Plakat, das die Pariser Bürgermeisterin beim Melken des Turms zeigt. 

«Der Streik geht weiter, bis die Stadt die Beschäftigten zufriedenstellt», sagte die Chefin der Gewerkschaft CGT, Sophie Binet, vor den Protestierenden. «Diese Mobilisierung ist im allgemeinen Interesse, denn es geht darum, dass der Eiffelturm die Mittel für eine langfristige Zukunft erhält.» Die Erträge des Eiffelturms erlaubten problemlos einen vernünftigen Unterhalt, ohne dass am Ende beim Personal gespart werden müsse. Rund 360 Menschen sind an und auf dem Turm beschäftigt. Binet rief Bürgermeisterin Anne Hidalgo persönlich zu Verhandlungen mit den Beschäftigten auf, nachdem die Betreibergesellschaft sich angesichts der am Montag gestarteten Proteste zunächst taub gestellt hatte.

Neuer Anstrich für den Eiffelturm?

Im Moment dreht es sich um die neue Farbgebung des Eiffelturms. Der wichtige Ratschlag von Gustave Eiffel, dass der Turm alle sieben Jahre gestrichen werden sollte, um ewig zu halten, wurde angeblich nicht befolgt. Daher verursacht Rost nun Probleme für den Eiffelturm, dessen Zustand besorgniserregend ist. Der über 130 Jahre alte Turm in der Nähe der Seine wurde für die Pariser Weltausstellung erbaut und im Jahr 1889 fertiggestellt.

«Das Bauwerk ist in einem sehr guten Zustand», betonte indessen der Erste Beigeordnete der Bürgermeisterin, Emmanuel Grégoire, im Interview des Senders France Info.«Die Stadt unterstützt den Eiffelturm, er ist ihr Kronjuwel», meinte er. «Es ist ein außergewöhnliches touristisches Monument und wie alle Monumente wurde es von der Covid-Krise getroffen, es sind 130 Millionen Euro finanzielle Verluste für den Eiffelturm, und die Stadt Paris hat nie ihre Pflicht und ihre Unterstützung für die Betreibergesellschaft versäumt.» Mit 60 Millionen Euro habe die Stadt der kommunalen Betreibergesellschaft unter die Arme gegriffen. Wie viel der laufenden Erträge die Stadt einstreiche, werde gerade neu verhandelt. Die von den Gewerkschaften kritisierte Regelung sei 2017 vor der Corona-Krise getroffen worden.

Wartungspause während der Corona-Pandemie

Die Stadt hat bestritten, dass sie den mittlerweile 21. Anstrich des Eiffelturms seit seiner Errichtung einfach verzögert hat. Zuerst gab es eine Wartungspause während der Corona-Pandemie und dann wurde beim Entfernen alter Farbschichten giftiges Blei entdeckt. Dies führte vorübergehend zur Unterbrechung der Arbeiten – es handelt sich um das Auftragen von 60 Tonnen Farbe. Die CGT-Chefin betonte, dass die Stadt die zusätzlichen Kosten berücksichtigen müsse. Es ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, dass Geld aus dem Betrieb des Eiffelturms in die Stadtkasse fließt.

Fünf Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Paris sorgt der Streik am Eiffelturm für Bedenken hinsichtlich möglicher weiterer Proteste, die die Stadt und die Spiele beeinträchtigen könnten. Letztes Wochenende hat ein Bahnstreik bereits den Verkehr in Frankreich beeinträchtigt, und für das kommende Wochenende sind weitere Störungen angekündigt. Die Mitarbeiter der ohnehin überlasteten Pariser Metro haben bereits die Möglichkeit eines Streiks für die gesamte Dauer der Olympischen Spiele angekündigt.

dpa