Sie versprachen eine attraktive Geldanlage über das Internet – und brachten Hunderte um ihr Erspartes. Wegen dieser Vorwürfe müssen drei mutmaßliche Betrüger einer internationalen Bande vor Gericht.
Prozessbeginn gegen mutmaßliche Anlagebetrüger

Cybercrime-Ermittler aus Bayern haben den vermeintlichen Anführer einer international tätigen Bande von Anlagebetrügern angeklagt. Der 45-Jährige soll laut der Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg zwischen 2017 und 2019 als Leiter für den Betrieb mehrerer Internetplattformen und Callcenter verantwortlich gewesen sein.
Die Gruppe soll laut Anklage Online-Handelsplattformen genutzt haben, um Privatanleger in ganz Europa anzusprechen und über Callcenter gezielt zu rekrutieren. Statt das Geld der Anleger zu investieren, soll die Bande es an sich genommen und durch ein bereits installiertes Geldwäschesystem geleitet haben. Der nun angeklagte Israeli und seine Komplizen sollen dadurch einen Schaden von mindestens 8,6 Millionen Euro bei über 350 Betroffenen verursacht haben. Die Ermittler vermuten, dass noch viele weitere unbekannte Taten begangen wurden und der Gesamtschaden weltweit mehr als 100 Millionen Euro beträgt.
Die Gruppe soll unter anderem in Bulgarien, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Georgien Callcenter betrieben haben. Der 45-Jährige wurde nach einer seit Februar 2020 laufenden internationalen Fahndung im Oktober 2021 auf den Philippinen festgenommen. Seit Januar 2023 befindet er sich in Deutschland in Untersuchungshaft.
Neben ihm sind zwei weitere mutmaßliche Beteiligte angeklagt. Ein 38 Jahre alter Israeli soll zeitweise in einer Zweigstelle in Israel und später als Leiter eines Callcenters in Sarajewo (Bosnien und Herzegowina) tätig gewesen sein. Ein 32-jähriger Bulgare soll zudem als Verkäufer in einem Callcenter in Sofia (Bulgarien) gearbeitet haben.
Mehrere Personen aus Callcentern des Betrugssystems wurden bereits zu Haftstrafen von bis zu viereinhalb Jahren verurteilt, nachdem sie zuvor größtenteils geständig waren. Ein führendes Mitglied der Bande wurde im Jahr 2022 zu einer Haftstrafe von knapp sieben Jahren verurteilt. Die Ermittlungen gegen weitere mutmaßliche Mittäter sind noch im Gange.
Der Prozess gegen die drei nun Angeklagten wird ab Dienstag vor einer Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München I verhandelt. Es sind 14 weitere Termine bis Anfang Juni geplant.








