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Psychosomatische Beschwerden bei Schulkindern nehmen zu

Kopfschmerzen, Gereiztheit, Einschlafprobleme: Derartige Beschwerden sind einer Studie zufolge zunehmend bei Schulkindern verbreitet. Vermutet werden auch Effekte durch Krisen wie die Corona-Pandemie.

Schulkinder in Deutschland berichten zunehmend von psychosomatischen Beschwerden.
Foto: Annette Riedl/dpa

Bei Schulkindern in Deutschland haben Beschwerden wie Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen, Einschlafprobleme und Niedergeschlagenheit über die Jahre stark zugenommen. Das ist ein Ergebnis der Studie Health Behaviour in School-aged Children (HBSC). «Etwa die Hälfte der Mädchen und ein Drittel der Jungen berichten multiple psychosomatische Gesundheitsbeschwerden, mit einem deutlichen Anstieg im zeitlichen Verlauf», berichtet ein Forschungsteam im Fachblatt «Journal of Health Monitoring».

Seit dem Schuljahr 2009/10 wurden alle vier Jahre Elf- bis 15-Jährige befragt. Insgesamt haben etwa 22.000 Kinder und Jugendliche Fragebögen ausgefüllt, davon ungefähr 6.500 bei der neuesten Erhebung 2022.

Kontinuierlicher Anstieg von Beschwerden

Die Kinder wurden spezifisch danach gefragt, wie oft sie in den letzten sechs Monaten beispielsweise Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen hatten. Auch wurden Gefühle von Niedergeschlagenheit, Nervosität oder Schlafprobleme erfragt.

Insgesamt wurde im Rahmen der Studie ein kontinuierlicher Anstieg vielfältiger psychosomatischer Beschwerden beobachtet – zu denen etwa Bauch- oder Kopfschmerzen, Einschlafproblemen oder Gereiztheit gehören können. Einen deutlichen Sprung gebe es aber zwischen 2017/18 und 2022, berichtet das Team um Franziska Reiß und Steven Behn vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). «Das könnte u. a. auf die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zurückgeführt werden», heißt es in der Studie. Mit Blick auf weitere Untersuchungen wird zudem festgehalten, dass sich viele Jugendliche in Deutschland auch durch die Klima- und Energiekrisen sowie den Ukraine-Krieg belastet fühlten. 

Aber auch hohe Lebenszufriedenheit

Die Forscher befragten die Kinder und Jugendlichen 2022 direkt nach ihrer Gesundheit. Dabei zeigten sich überwiegend gute Werte und eine hohe Lebenszufriedenheit. Allerdings gab es auch hier Einschränkungen: Der Anteil derjenigen mit eher schlechter subjektiver Gesundheit und geringer Lebenszufriedenheit ist im Vergleich zur Welle 2017/18 deutlich gestiegen.

Die HBSC-Studie erhält Unterstützung von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), und in Deutschland beschäftigt sich ein Studienverbund an verschiedenen Standorten damit. Es werden unterschiedliche Aspekte wie körperliche Aktivität und Mobbing behandelt.

International wurden erste Befragungen bereits in den 1980ern durchgeführt. Inzwischen sind mehr als 50 Länder in Europa sowie Nordamerika und über 450 Forschende beteiligt. Es sei eine der größten Studien zur Kinder- und Jugendgesundheit weltweit, heißt es im «Journal of Health Monitoring». In einem Editorial werden als Herausforderungen der heutigen Zeit unter anderem die belastete mentale Gesundheit, der Umgang mit Krisen, der Einfluss sozialer Medien, der Klimawandel sowie die steigende soziale und gesundheitliche Ungleichheit genannt. 

dpa