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Neuer Rekord bei Gewebespenden in Deutschland

Mehr Menschen erhalten Transplantate, doch Mangel an Geweben besteht weiterhin. Selbstbestimmung und Aufklärung sind entscheidend.

In einer Gewebebank zeigt eine Mitarbeiterin den Brutschrank mit präparierter menschlicher Hornhaut.
Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Es gab erneut einen Rekord bei den Gewebespenden in Deutschland: 9.640 Menschen haben Augenhornhäute, Herzklappen oder andere Transplantate aus dem Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) erhalten. Laut der gemeinnützigen Organisation, die etwa die Hälfte der Gewebetransplantate in Deutschland vermittelt und auch nur darüber Auskunft geben kann, entspricht dies einer Steigerung um 15,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Anzahl der Meldungen, der Aufklärungsgespräche und damit auch der Menschen, die Gewebe gespendet haben, war im letzten Jahr deutlich höher als 2024. Prozentual gesehen gab es jedoch 2025 keine höhere Zustimmung zur Gewebespende. Die Zustimmungsquote der Angehörigen von Verstorbenen betrug 37,9 Prozent, was einem minimalen Rückgang von 0,2 Prozent entspricht. Alle Angaben sind vorläufig und beziehen sich auf den Stichtag 29. Dezember 2025.

Rund 4.000 Menschen spendeten nach Ihrem Tod über das Netzwerk ihre Augenhornhäute. Es konnten über die Organisation zwar 16 Prozent mehr Patientinnen und Patienten ihr Augenlicht erhalten oder wiedererlangen. Dennoch bestehe weiterhin ein Mangel an Augenhornhäuten und anderen Geweben. Besonders eklatant sei er bei Herzklappen: «Diese wurden zu 84,4 Prozent im Rahmen einer Organspende entnommen, wenn das gesamte Herz für eine Organtransplantation medizinisch nicht infrage kam.» Auch bei den Herzklappen stiegen die Spenderzahlen, dennoch konnte die DGFG nur weniger als die Hälfte dieser Anfragen erfüllen.

Oft müssen Angehörige entscheiden

«Im Gegensatz zur Organspende ist die Gewebespende der breiten Bevölkerung oft unbekannt», schreibt die Organisation. Der Wille der verstorbenen Person bezüglich der Gewebespende sei daher oft nicht bekannt. «Wird das Thema zu Lebzeiten mit An- und Zugehörigen besprochen, erleichtert man ihnen eine schwierige Entscheidung in einer mehr als herausfordernden Situation», schreibt die Organisation. Seinen Willen kann man auch auf dem Organspendeausweis hinterlassen und im Organspende-Register. 

Der Zuwachs an Spenden sei auch der Tatsache zu verdanken, dass immer mehr Kliniken in Deutschland potenzielle Spenderinnen und Spender melden und die Gewebespende in ihr Selbstverständnis integrierten, sagte DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel. «Das ist in einer Zeit, in der die Kliniken und ihr Personal so stark belastet sind, keine Selbstverständlichkeit.»

dpa