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Wetterumschwung entspannt Hochwasserlage

Vorhergesagter Dauerfrost lässt die Helfer in den Hochwassergebieten auf Entspannung hoffen. An manchen Orten ist die Lage aber weiterhin angespannt.

Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sichern einen Deich an der Helme mit Sandsäcken.
Foto: Jan Woitas/dpa

Aufgrund eines Wetterumschwungs hat sich die Situation in vielen deutschen Hochwassergebieten am Wochenende ein wenig beruhigt, mit kaum noch Regen, dafür Frost und teilweise Schnee.

In einigen Teilen von Niedersachsen und im südlichen Sachsen-Anhalt bleibt die Lage jedoch weiterhin kritisch. Es sind Tausende Helfer im Einsatz. Die Gemeinde Lilienthal bei Bremen konnte jedoch gute Nachrichten für knapp 100 Anwohner verkünden. Nach tagelanger Evakuierung durften sie gemäß der Mitteilung der Gemeinde in ihre Häuser zurückkehren.

Wasser drückt in Niedersachsen immer noch auf Deiche

In Niedersachsen haben von landesweit 97 Pegeln immer noch 23 die höchste Meldestufe erreicht beziehungsweise überschritten, wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte. Die Pegelstände seien meist unverändert. Örtlich sinken sie demnach leicht, allerdings laufe der Abfluss langsam, das Wasser drücke immer noch auf die Deiche. «Wir brauchen Durchhaltekraft», so der Sprecher.

In den vom Hochwasser besonders betroffenen Landkreisen Celle, Oldenburg, Emsland, Osterholz, Heidekreis und Verden sowie in der Stadt Oldenburg gilt nach wie vor ein «außergewöhnliches Ereignis». Dadurch können die Kommunen unter anderem einfacher auf Hilfskräfte zugreifen.

Laut dem Innenministerium sind immer noch Tausende Helfer zwischen Harz und Nordsee in den Hochwassergebieten im Einsatz. Es besteht derzeit jedoch kein Bedarf an Unterstützung der Bundeswehr, die sich am Freitag auf einen möglichen Einsatz vorbereitet hatte. Ein Sprecher berichtete, dass im Süden Niedersachsens örtlich bereits Sandsäcke eingesammelt und abtransportiert werden.

Bundeswehr in Sachsen-Anhalt weiter im Einsatz

Aufgrund der aktuellen Situation im Hochwassergebiet in Sachsen-Anhalt hat die dortige Bundeswehr in Absprache mit anderen Kräften beschlossen, nur noch während des Tageslichts zu arbeiten. Eine Sprecherin erklärte am Sonntag, dass es eine deutliche Durchnässung gebe und die derzeitigen Bedingungen vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang die Arbeit nicht zulassen. Der Landkreis Mansfeld-Südharz gab bekannt, dass allein am Samstag 50.000 Sandsäcke mit Unterstützung der Bundeswehr verwendet wurden, um die Deiche zu stabilisieren.

Die Bundeswehr ist seit Freitag in dem Landkreis aktiv. Es handelt sich um den ersten und bisher einzigen Einsatz der Bundeswehr in der aktuellen Hochwasserlage.

Laut einer Sprecherin des Landkreises sanken die Pegelstände des Flusses Thyra am Wochenende leicht. Der Fluss fließt aus Richtung Harz in die Helme. Kurz vor Jahresende trat der Fluss an einigen Stellen deutlich über seine Ufer. Der Landkreis hatte den Katastrophenfall ausgerufen.

Laut dem Deutschen Wetterdienst ist in den nächsten Tagen in der Region mit nur sehr geringem Niederschlag zu rechnen. In der Nacht zum Sonntag sind die Temperaturen unter null Grad gefallen und es wird auch in den kommenden Tagen mit anhaltendem Frost gerechnet. Der Landkreis geht davon aus, dass dies zur Entspannung der Situation beiträgt.

Wetterumschwung bringt vielerorts Entspannung

Auch im Rest Deutschlands dreht das Wetter: «Die seit Wochen anhaltende, außergewöhnlich milde Westwetterlage, die uns reichlich Regen und Hochwasser beschert hat, neigt sich nun endgültig dem Ende zu», sagte Meteorologe Christian Herold vom Deutschem Wetterdienst in Offenbach. «Die Wetterlage stellt sich grundlegend auf Winter um.» Die Temperaturen steigen tagsüber nicht mehr über null Grad, besonders im Norden und Süden wird Schnee erwartet.

In Nordrhein-Westfalen ist die Lage nach dem Ende der Regenfälle an den Deichen und Talsperren nach Angaben eines Sprechers des Umweltministeriums stabil. «Wir haben landesweit stagnierende und überwiegend fallende Pegelstände», sagte der Sprecher. Am Sonntagmorgen galt nach den Ministeriumsangaben nur noch an 37 von 104 Messstationen eine der drei Hochwasser-Warnstufen. Einen Tag zuvor am Samstagmorgen war das noch bei 48 Messstationen der Fall.

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) teilte mit, dass in Hessen alle Pegel mittlerweile die Stufe 2 unterschritten haben. Die Wasserstände sollen auch in den kommenden Tagen kontinuierlich sinken. Wenn die Meldestufe 1 erreicht ist, werden randvolle Gewässer festgestellt und kleinere Ufer überschwemmt.

Gemäß der Hochwasservorhersagezentrale sinken die Wasserstände am Mittelrhein und Niederrhein in Rheinland-Pfalz kontinuierlich. Die Pegelstände unterhalb der Wesel stagnieren derzeit noch, sollen aber bald ebenfalls fallen. Es besteht derzeit keine akute Hochwassergefahr mehr an den restlichen Flüssen in Rheinland-Pfalz. Die Wasserstände werden in der kommenden Woche weiter zurückgehen.

dpa