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Sterberaten bei Lungenkrebs gehen in der EU zurück

Lungenkrebs bleibt die häufigste Krebstodesursache in der EU. Doch in fast allen Altersgruppen ist die Tendenz positiv.

Rauchen hängt eng mit dem Risiko für Lungenkrebs zusammen.
Foto: Hannes P Albert/dpa

Die Sterberate bei Lungenkrebs in der Europäischen Union (EU) sinkt weiter, auch bei Frauen. Während die Sterberate bei Männern bereits seit etwa 1990 zurückgeht, stieg sie bei Frauen bis in die 2010er Jahre an, jedoch auf einem niedrigeren Niveau als bei Männern.

Für das Jahr 2026 sagt eine Forschergruppe um Carlo La Vecchia von der Universität Mailand (Italien) eine bereinigte Sterberate von 23 Todesfällen pro 100.000 Einwohnern bei Männern und 12 Todesfällen bei Frauen voraus. In Deutschland sind die Werte bei Männern etwas höher und bei Frauen etwas niedriger. Die Studie wurde im Fachmagazin «Annals of Oncology» veröffentlicht.

Größter Rückgang bei Jüngeren

Die Forscher prognostizieren für Deutschland eine bereinigte Lungenkrebs-Sterberate bei Männern von 20 Todesfällen pro 100.000 Personen. Im Vergleichszeitraum 2015 bis 2019 würde dies einen Rückgang um fast ein Viertel bedeuten. Bei Frauen wird eine prognostizierte Sterberate von 14 erwartet, was einem Rückgang von knapp 7 Prozent entspricht. Der größte Rückgang im Vergleichszeitraum wurde bei der Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen festgestellt, nämlich um mehr als 40 Prozent bei insgesamt niedrigen Fallzahlen.

«Lungenkrebs ist in der EU weiterhin die häufigste Krebstodesursache bei beiden Geschlechtern», wird La Vecchia in einer Mitteilung der Fachgesellschaft «European Society for Medical Oncology» zitiert, die das Fachmagazin herausgibt. Sein Forschungsteam hat zum 16. Mal eine Voraussage für die Krebssterberaten im aktuellen Jahr für zahlreiche europäische Staaten erstellt. «Unsere bisherigen Krebssterblichkeitsprognosen für Europa haben sich als zuverlässig erwiesen», schreiben die Studienautoren. Sie nutzten Daten der Weltgesundheitsorganisation und der Vereinten Nationen von 1970 bis 2022, um in Computermodellen Werte für 2026 zu ermitteln. 

Ausnahme: Seniorinnen

Die Sterberate sinkt insgesamt, jedoch steigt sie bei Frauen ab 75 Jahren auf 151, was einem Anstieg von 19 Prozent gegenüber 2015 bis 2019 entspricht. Dieser Trend ist auch in anderen EU-Ländern zu beobachten.

Den Grund dafür sehen die Forscher im Rauchverhalten der Menschen: Die Männer hätten früher als die Frauen mit dem Rauchen begonnen, aber auch früher begonnen, damit aufzuhören. «Unsere Ergebnisse unterstreichen die anhaltende Bedeutung des Rauchens für die Krebssterblichkeit; die Einschränkung des Tabakkonsums ist nach wie vor der Eckpfeiler der Lungenkrebsprävention und spielt auch bei der Prävention anderer Krebsarten, wie Bauchspeicheldrüsenkrebs, eine Rolle», betont La Vecchia. Daneben hätten gesündere Ernährung und medizinischer Fortschritt zu den günstigen Prognosen beigetragen. 

Positive Entwicklung auch bei anderen Krebsarten

Die Zahlen für verschiedene Krebsarten sind rückläufig, mit wenigen Ausnahmen. In der EU wird für Männer insgesamt eine Sterberate von 114 im Jahr 2026 prognostiziert, was einem Rückgang von knapp 8 Prozent gegenüber 2020 bis 2022 entspricht. Bei Frauen wird eine Sterberate von 75 Prozent im Jahr 2026 erwartet, ein Rückgang um 6 Prozent. Eine Ausnahme ist der Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Frauen, dessen Sterberate im Vergleich zu 2020 bis 2022 um 1 Prozent gestiegen ist, nun bei 6. Obwohl die Sterberaten sinken, sind die absoluten Fallzahlen aufgrund der Bevölkerungsüberalterung gestiegen.

Um die Sterberaten bei Krebserkrankungen weiter zu reduzieren, empfehlen die Studienautoren: «Eine Verschärfung der Tabaksteuer, die Umsetzung von Werbeverboten, die Schaffung rauchfreier Umgebungen und die Bereitstellung von Unterstützung bei der Raucherentwöhnung sind unerlässlich, um regionale und sozioökonomische Unterschiede zu verringern und eine nachhaltige Senkung der Krebssterblichkeit in ganz Europa zu erreichen.» 

Die Forscher betonen, dass die Bekämpfung von Übergewicht, die Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten, die Kontrolle des Alkoholkonsums sowie der Ausbau und die Verbesserung der Durchführung von Bevölkerungsscreenings zur Früherkennung von Gebärmutterhals-, Brust- und Darmkrebs wichtige Strategien in der Krebsprävention bleiben.

dpa