Bevölkerungsentwicklung variiert stark zwischen Bundesländern und Städten, mit großen Unterschieden im Medianalter und unvorhersehbaren Einflüssen von Wanderungen und Ereignissen.
Deutschlands Bevölkerungszahl bis 2040 minimal gestiegen, aber stark regional verteilt

Statistisch gesehen legt Deutschland bei der Bevölkerungszahl laut einer Studie bis zum Jahr 2040 minimal zu. Laut dem «Wegweiser Kommunen» der Bertelsmann Stiftung werden in 16 Jahren rund 0,6 Prozent mehr Menschen in der Bundesrepublik leben.
Das Problem besteht darin, dass die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern sehr ungleich verläuft. Während das Saarland und die östlichen Bundesländer mit Bevölkerungsrückgängen rechnen müssen, wird für die anderen Länder ein Wachstum prognostiziert. Im Vergleich zum Jahr 2020 sieht die Stiftung das Jahr 2040 als Referenzpunkt. Laut Statistischem Bundesamt lebten vor vier Jahren 83,15 Millionen Menschen in Deutschland.
Prognosen unterscheiden sich bei Größe von Städten
Die Bevölkerungsentwicklung in den 13 Flächenländern variiert zwischen plus 4,6 Prozent für Baden-Württemberg und minus 12,3 Prozent in Sachsen-Anhalt. In den Stadtstaaten Berlin und Hamburg gibt es mit 5,8 und 3,5 Prozent ein deutliches Plus. Bremen verzeichnet nur ein moderates Wachstum von 1,1 Prozent.
In den kreisfreien Städten erwarten Leipzig, Potsdam und Bamberg einen Zuwachs von mehr als 10 Prozent. Das gilt vergleichbar auch für die Landkreise Biberach (Baden-Württemberg), Mühldorf am Inn und Kelheim (beides Bayern). Schlusslichter beim Minus sind Kreise und kreisfreie Städte in den östlichen Bundesländern mit Rückgängen von 17 Prozent und mehr.
Krieg hat Auswirkung auf Geburtenrate
«Drei Faktoren sind für Vorausberechnungen entscheidend: Geburten, Sterbefälle und Wanderungen. Die Punkte 1 und 2 entwickeln sich relativ stringent, die Wanderungen sind der schwierige Teil», sagt Studienautorin Petra Klug. «Es gab in den vergangenen Jahren zwei Ereignisse, die Vorausberechnungen erschwert haben. Das war 2015 der Krieg in Syrien und 2022 der Krieg in der Ukraine. Beide hatten und haben extreme Auswirkungen auf die Berechnungen», so die Expertin der Bertelsmann Stiftung.
Und beide Ereignisse haben nach Einschätzung von Klug unterschiedliche Einflüsse mit sich gebracht. «Anders als aus Syrien sind aus der Ukraine zu einem hohen Anteil vor allem Frauen im jüngeren und mittleren Alter zu uns gekommen», sagt die Wissenschaftlerin. Die extrem hohe Zuwanderung nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine werde sich nach Einschätzung der Experten so nicht fortsetzen.
Zahl der Erwerbstätigen nimmt ab
Veränderungen in der Bevölkerungszahl sind eine Sache, die demografische Entwicklung eine andere. Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen das Rentenalter, während die Anzahl der Erwerbstätigen abnimmt. Laut Berechnungen wird die Anzahl der über 80-Jährigen von etwa 5,8 Millionen im Jahr 2027 auf etwa 7,7 Millionen im Jahr 2040 steigen. Der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung wird dann bei 9,2 Prozent liegen.
Das sogenannte Medianalter zeigt, wie groß die Unterschiede bei der Altersstruktur in der Bevölkerung sind. Bis 2040 steigt das Medianalter bundesweit um 1,2 Jahre auf 47,1. Die Spanne zwischen den Bundesländern beträgt fast 10 Jahre. In Hamburg und Berlin liegt der Wert in 16 Jahren bei etwa 43 Jahren.
Wegzüge großer Firmen können den Unterschied machen
In vier der fünf östlichen Länder liegt das Medianalter dann zwischen 52 und 53 Jahren. Auf Kreisebene sind die Unterschiede noch größer. Der älteste Landkreis wird demnach Greiz in Thüringen mit 57,3 Jahren sein, der jüngste der Stadtkreis Heidelberg (Baden-Württemberg) mit 38,8.
Zu möglichen Fehlern bei solchen Prognosen sagt Klug: Die Annahmen würden mit verschiedenen Expertinnen und Experten auf Bundes- und Länderebene nach bestem Wissen und Gewissen diskutiert. «Je kleiner die Gebietseinheiten sind, desto fehleranfälliger sind die Vorausberechnungen. Aber auch kleine Kommunen müssen planen können und benötigen die Zahlen, um Trends einschätzen zu können», sagt Klug.
So wirken sich insbesondere Wegzüge von großen Firmen aus einer Stadt auf die Bevölkerungsentwicklung aus – die seien selten einplanbar. «Schon sind alle Berechnungen nicht mehr stimmig.» Ein anderes Problem für die Prognose seien Kommunen mit Erstaufnahmen. Klug spricht von Sonderfällen, die mit ihren Meldedaten die Statistik verzerren.








