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Deutschland: Geburtenrate sinkt drastisch innerhalb von zwei Jahren

Wissenschaftler vermuten Zusammenhang mit weltweiten Krisen wie Krieg in der Ukraine und gestiegener Inflation. Trend zu sinkenden Geburtenzahlen unklar.

In Deutschland sind in den vergangenen zwei Jahren weniger Kinder geboren worden.
Foto: Stefan Puchner/dpa

Laut einer aktuellen Studie ist die Geburtenrate in Deutschland in den letzten beiden Jahren deutlich gesunken. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden gab bekannt, dass dies möglicherweise mit den weltweiten Krisen zusammenhängt. Die Geburtenrate fiel von 1,57 Kindern pro Frau im Jahr 2021 auf etwa 1,36 im Herbst 2023. Das Fertilitätsniveau ist damit so niedrig wie seit 2009 nicht mehr.

Die Daten stammen aus einer gemeinsamen Veröffentlichung des Bundesinstituts und der Universität Stockholm in der Fachzeitschrift «European Journal of Population». Die monatlichen Geburtenzahlen bilden die Grundlage für die Berechnungen.

Forscher: Rückgang vollzog sich ungewöhnlich rasch

Nach Angaben des Bundesinstituts blieb die Geburtenrate in Deutschland zunächst stabil, sank jedoch im Verlauf der Corona-Pandemie ab Januar 2022 auf 1,4 und stieg im Sommer 2022 wieder auf 1,5 Kinder pro Frau. Im Jahr 2023 sei die Geburtenrate laut vorläufigen Berechnungen im Durchschnitt der Monate Januar bis November auf 1,36 gesunken.

«Der beobachtete starke Rückgang der Fertilität innerhalb von zwei Jahren ist deshalb ungewöhnlich, da sich Phasen sinkender Geburtenraten in der Vergangenheit eher langsamer vollzogen haben», erläuterten die Experten. Dies könne verschiedene Ursachen haben. 

Experte: In Zeit von Krisen setzen viele Kinderwunsch nicht um

Demnach könnte der plötzliche Rückgang der Zahlen im Januar 2022 möglicherweise mit dem Beginn der Impfkampagne gegen das Coronavirus neun Monate zuvor zusammenhängen. Es wird von Bevölkerungsforschern angenommen, dass viele Frauen aufgrund der damals nicht zugelassenen Impfstoffe für Schwangere ihren Kinderwunsch verschoben haben, um sich zuerst impfen zu lassen.

Aber warum gingen ab Herbst 2022 die Geburtenzahlen zurück? «Der Krieg in der Ukraine, die gestiegene Inflation oder auch der fortschreitende Klimawandel haben die Menschen zusätzlich zur Pandemie verunsichert», erläuterte Martin Bujard vom Bundesinstitut, Co-Autor der Studie. «In einer solchen Zeit multipler Krisen setzen viele ihren Kinderwunsch nicht um.» Inwiefern die aktuellen Zahlen einen generellen Trend zu sinkenden Geburtenzahlen in Deutschland einleiten oder nur einen temporären Effekt abbilden, sei bislang nicht absehbar. 

Die Geburtenrate in der Bundesrepublik schwankte nach 1975 vier Jahrzehnte lang zwischen 1,2 bis 1,4 Kindern pro Frau und zählte lange Zeit zu den niedrigsten in Europa, wie das Institut berichtete. Von 2015 bis 2021 stieg sie dann signifikant auf Werte von 1,5 bis 1,6.

dpa