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Studie: Pflanzenschutzmittel belasten europäische Böden stark

Forschungsteam warnt vor Schäden für Bodenorganismen und Umwelt durch Rückstände in 26 Ländern.

Pflanzenschutzmittel belasten Nützlinge im Boden (Archivbild)
Foto: Jens Büttner/dpa

Mehr als Zweidrittel der Böden in Europa sind einer Studie zufolge mit Pflanzenschutzmitteln verunreinigt. Das schädige auch nützliche Bodenorganismen, berichtet ein internationales Forschungsteam in der Fachzeitschrift «Nature». Die Mittel seien nicht nur für Vögel, Bienen und andere Insekten eine Belastung, sondern auch für Böden, mahnt das Team. 

Die Forscher um den Bodenökologen Marcel van der Heijden von der Universität Zürich, einschließlich Mitarbeiter der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission in Ispra, Italien, haben insgesamt 373 Bodenproben in 26 europäischen Ländern auf Rückstände von mehreren Pflanzenschutzmitteln untersucht. Sie haben auch die Auswirkungen auf Bakterien, Pilze und wirbellose Bodenbewohner analysiert, die organische Materialien abbauen und somit die Nährstoffkreisläufe fördern.

Rückstände von Mitteln gegen Pilze, Glyphosat gegen Unkraut und Insektiziden wurden nicht nur auf landwirtschaftlichen Flächen, sondern auch in Wäldern und Wiesen entdeckt. Das Team erklärt, dass der Wind wahrscheinlich Sprühnebel von den Feldern verbreitet hat. Eines der am häufigsten gefundenen Abbauprodukte war das umstrittene Herbizid Glyphosat.

Pflanzenschutzmittel schaden Nützlingen

«Das Problem verschiedener Pflanzenschutzmittel besteht darin, dass sie nicht nur Schädlinge bekämpfen, die unsere Nutzpflanzen beeinträchtigen, sondern auch nützliche Bodenorganismen», heißt es in einer Mitteilung der Universität Zürich zur Studie. Pflanzenschutzmittel beeinflussen der Untersuchung zufolge unter anderem wichtige Pilze, die sich mit den Wurzeln von Nutzpflanzen verbinden und ihnen helfen, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Zudem profitierten einige Bakterien wahrscheinlich davon, dass andere Organismen reduziert werden. 

«Die Illusion, dass ein Mittel nur gegen einen Zielorganismus wirkt, ist damit klar widerlegt. Vielmehr scheinen wir derzeit Landwirtschaft „im Blindflug“ zu betreiben – nach dem Motto „erst sprühen, dann verstehen“», kommentiert Christoph Scherber, Professor für Biodiversitätsmonitoring an der Universität Bonn, der nicht an der Studie beteiligt war.

Kritik an EU-Plänen zu Pflanzenschutzmitteln

Die Untersuchung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Europäische Kommission plant, dass Pflanzenschutzmittel künftig ohne regelmäßige Neuzulassungen auf den Feldern verteilt werden können. Das sei der falsche Schritt zum falschen Zeitpunkt, sagt Scherber. «Stattdessen sollte die Agrarpolitik endlich anerkennen, dass Vielfalt statt Einfalt der Weg in eine nachhaltige Zukunft ist.»

«Hier wird aufgezeigt, dass die aktuelle Bewirtschaftung für kommende Generationen nicht nachhaltig ist», meinte Carsten Brühl, Leiter der Abteilung Gemeinschaftsökologie und Ökotoxikologie an der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau, der ebenfalls nicht an der Studie beteiligt war. «Eine unbegrenzte Zulassung von Pestiziden ohne regelmäßige Überprüfung gefährdet die Sicherheit von Umwelt und Mensch.»

dpa