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Adipositas weltweit auf dem Vormarsch

Studie zeigt: Mehr als eine Milliarde Menschen betroffen, Tendenz steigend. Gesundheitsrisiken steigen ebenfalls.

Adipositas kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und einige Krebsformen auslösen.
Foto: Lino Mirgeler/dpa

Die Zahl der Menschen mit starkem Übergewicht – Adipositas genannt – ist rasant gestiegen. Weltweit waren nach einer Studie 2022 mehr als eine Milliarde Menschen betroffen. Der Anteil der stark Übergewichtigen an der Bevölkerung habe sich seit 1990 mehr als verdoppelt, unter Heranwachsenden zwischen 5 und 19 Jahren sogar vervierfacht, berichtete die Fachzeitschrift «The Lancet».

Majid Ezzati vom Imperial College in London sagte, dass in einigen wohlhabenden Ländern und bestimmten Bevölkerungs- und Altersgruppen die Zahl inzwischen ein Plateau erreicht oder leicht sinke, zum Beispiel bei Frauen in Spanien und Frankreich. Es wurde nicht untersucht, warum dies der Fall ist.

In Deutschland betrug der Anteil von Frauen mit Adipositas gemäß dieser Studie im Jahr 2022 19 Prozent, was Platz 137 in der Länderliste entsprach. An erster Stelle in der Liste und somit am stärksten betroffen ist Tonga mit 81 Prozent. Der Anteil bei Männern in Deutschland betrug 23 Prozent (Platz 80). An erster Stelle in der Liste ist der Inselstaat Amerikanisch-Samoa mit 70 Prozent adipöser Männer. Bei Mädchen und Frauen bis 19 Jahren betrug der Anteil in Deutschland sieben Prozent (Platz 119), bei Jungen und jungen Männern zehn Prozent (Platz 111).

Was Adipositas genau ist

Adipositas kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und einige Krebsformen auslösen. «Adipositas ist eine chronische Krankheit, die definiert ist als eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts», schreibt die Deutsche Adipositas-Gesellschaft. Ob jemand betroffen ist, wird nach Gewicht und Größe berechnet, dem Body-Mass-Index (BMI). Ab einem BMI von 30 spricht die Gesellschaft von «Adipositas Grad I».

Insgesamt waren 880 Millionen Erwachsene und 159 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 19 Jahren stark übergewichtig. „9,3 Prozent der Jungen galten 2022 als fettleibig, 6,9 Prozent der Mädchen. Bei Erwachsenen verdoppelte sich der Anteil bei Frauen seit 1990 auf 18,5 Prozent, und er verdreifachte sich bei Männern auf 14 Prozent.“

Wie Adipositas vorgebeugt werden kann

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf berichtete, dass Adipositas durch eine gesunde Ernährung und Bewegung von Kindesbeinen an vorgebeugt werden kann. Regierungen sollten sicherstellen, dass besonders salzige, fettige oder zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke nicht in der Nähe von Schulen verkauft werden und die Werbung, die sich an Kinder richtet, eingeschränkt wird. Außerdem sollten sie Kampagnen über die Vorteile einer guten Ernährung und körperlichen Betätigung durchführen. Die WHO gab zu, dass eine gesunde Ernährung teuer sein kann.

Inselstaaten im Pazifik wie Niue, Tonga und Amerikanisch-Samoa hatten die insgesamt höchsten Adipositas-Raten, teilweise über 60 Prozent. In den Top Ten waren auch Katar, Ägypten, Chile und die USA vertreten. Die niedrigsten Raten wurden in Madagaskar, Burkina Faso, Vietnam und Äthiopien verzeichnet. Besonders rasant war der Anstieg in den USA: Der Anteil der Frauen mit Adipositas stieg von 21,2 Prozent im Jahr 1990 auf 43,8 Prozent im Jahr 2022, während der Anteil der Männer von 16,9 Prozent auf 41,6 Prozent stieg.

Das andere Problem: Unterernährung

Laut der Studie sind weltweit auch weiterhin hunderte Millionen Menschen von Mangel- und Unterernährung betroffen, insbesondere in Ländern in Südostasien und in Afrika südlich der Sahara. Unterernährung führt zu der Hälfte aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren. Übergewicht und Unterernährung werden als zwei Seiten desselben Problems betrachtet: schlechte Ernährung, so die WHO.

dpa