Ein Jugendlicher steht vor Gericht, weil er den Sechsjährigen mehrfach geschlagen und erstochen hat. Die Hintergründe bleiben weiterhin unklar.
Tod eines Sechsjährigen: Prozess gegen Jugendlichen wegen Totschlags beginnt

Heute (9.30 Uhr) beginnt vor dem Landgericht Neubrandenburg der Prozess gegen einen Jugendlichen wegen Totschlags, nach dem Tod des sechs Jahre alten Joel. Dem Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Aufgrund seines jugendlichen Alters findet die Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Die Anklage wirft dem damals 14-jährigen Joel vor, am 14. September des letzten Jahres in der Gemeinde Pragsdorf bei Neubrandenburg mehrmals ins Gesicht geschlagen und ihn siebenmal mit einem Messer mit einer Klingenlänge von etwa 15 Zentimetern erstochen zu haben. Der Junge ist gestorben, was der Angeklagte zumindest billigend in Kauf genommen hat, so die Anklagebehörde.
Die grausame Tat soll sich in einem Gebüsch am Bolzplatz in dem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern ereignet haben. An dem Ort, an dem Joel gestorben ist, stehen auch Monate später noch Engelsfiguren, Erinnerungsstücke und ein größeres Kreuz.
Verdächtiger sitzt seit fast fünf Monaten in U-Haft
Laut dem Landgericht befindet sich der Verdächtige seit dem 26. September in Untersuchungshaft. Er hatte sich in Widersprüche verwickelt und seine DNA-Spur wurde am Tatmesser gefunden. Gemäß den Angaben der Polizei zog die Familie des Teenagers während seiner Zeit in Untersuchungshaft aus Pragsdorf weg.
Einem Gutachten zufolge ist der Jugendliche schuldfähig. «Nach dem Ergebnis der forensisch-psychiatrischen und entwicklungspsychologischen Begutachtung des Angeschuldigten ist die Staatsanwaltschaft von seiner strafrechtlichen Verantwortlichkeit überzeugt», hieß es vor wenigen Wochen in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft. Sie wies aber auch darauf hin, dass für den jugendlichen Angeschuldigten bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens die Unschuldsvermutung gelte.
Rund 40 Zeugen sollen befragt werden
Der Fall um Joel hatte überall in Deutschland für große Aufmerksamkeit gesorgt. Bis zum Tag des Prozessbeginns ist immer noch unklar, warum der Sechsjährige sterben musste. Es bleibt abzuwarten, ob der Angeklagte im Gerichtssaal zu den Vorwürfen Stellung nehmen wird.
Laut Gericht sollen während des gesamten Prozesses etwa 40 Zeugen und fünf Sachverständige befragt werden. Zu Beginn sind demnach fünf Zeugen geladen. Nach dem Prozessauftakt sind sechs Fortsetzungstermine geplant.








