Nach einer Machtdemonstration der Gangs vor laufenden Kameras zeigt der Staat seine Muskeln. Der Präsident wirft Soldaten in den Kampf gegen die Banden. Doch die Wurzel des Problems sitzt tiefer.
Bandenkrieg in Ecuador: Militär meldet über 300 Festnahmen

Nachdem kriminelle Banden im Live-TV provoziert haben, ergreift die ecuadorianische Regierung entschlossene Maßnahmen gegen die Gangs. Bei landesweiten Einsätzen wurden 329 Verdächtige verhaftet. Generalstabschef Jaime Vela gab zudem bekannt, dass Schusswaffen, Munition, Sprengstoff, Brandsätze, Boote und Fahrzeuge sichergestellt wurden. Soldaten und Polizisten konnten außerdem 41 Geiseln aus der Gewalt der Gangs befreien. Fünf mutmaßliche Bandenmitglieder wurden von Sicherheitskräften getötet.
Bei einer Live-Übertragung drangen Bewaffnete in die Räumlichkeiten des staatlichen Fernsehsenders TC Televisión in der Hafenstadt Guayaquil ein und nahmen mehrere Journalisten und Mitarbeiter als Geiseln. In den Aufnahmen waren Schüsse und Schreie von Menschen zu hören, was eine beispiellose Machtdemonstration darstellte.
«Alle diese Gruppen sind jetzt militärische Ziele»
Präsident Daniel Noboa hatte 22 kriminelle Gruppen per Dekret als terroristische Organisationen und nicht-staatliche Kriegsparteien deklariert, die auszuschalten seien. «Alle diese Gruppen sind jetzt militärische Ziele», sagte Militärchef Vela. Ecuador befinde sich im Kampf gegen das organisierte Verbrechen in einem internen bewaffneten Konflikt, hieß es in dem Dekret weiter.
Der Staatschef warnte Beamte davor, mit den Verbrechersyndikaten zu kollaborieren. «Wir befinden uns im Kriegszustand und dürfen uns den terroristischen Gruppen nicht ergeben», sagte Noboa in einem Radiointerview. Richter, Polizisten und Soldaten, die mit den Gangs zusammenarbeiten, werde der Prozess wegen Terrorismus gemacht.
Auch Richter und Polizisten involviert
Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten haben die Gangs weite Teile des Staates und der Gesellschaft bereits infiltriert. Ende vergangenen Jahres waren bei landesweiten Razzien gegen das organisierte Verbrechen über zwei Dutzend Verdächtige festgenommen worden, darunter Richter, Staatsanwälte, Polizisten und Beamte des Strafvollzugs. «Die Ermittlungen zeigen, wie der Drogenhandel in die staatlichen Institutionen vorgedrungen ist», sagte Generalstaatsanwältin Diana Salazar damals.
Die Gewalt in Ecuador hat in letzter Zeit immer weiter zugenommen. Im gesamten Land haben Mitglieder krimineller Banden Sprengstoffanschläge verübt, Fahrzeuge in Brand gesetzt und Sicherheitskräfte angegriffen. Laut Polizeiangaben kamen bei Kämpfen in Guayaquil mindestens acht Menschen ums Leben. Viele Geschäftsleute haben aus Angst vor Plünderungen ihre Läden verbarrikadiert. Das Bildungsministerium teilte mit, dass alle Schulen des Landes bis Ende der Woche geschlossen bleiben sollen.
Höchste Mordrate in der Geschichte Ecuadors
Die Sicherheitslage in Ecuador hat sich in letzter Zeit drastisch verschlechtert. Die Mordrate von etwa 46,5 Tötungsdelikten pro 100.000 Einwohner im letzten Jahr war die bisher höchste in der Geschichte des einst friedlichen Andenstaates und eine der höchsten in Lateinamerika. Mehrere Banden mit Verbindungen zu mächtigen mexikanischen Kartellen kämpfen um die Kontrolle über die Routen des Drogenhandels. Ecuador ist ein wichtiges Transitland für Kokain aus Südamerika, das in die USA und nach Europa geschmuggelt wird.








