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Umfrage: Zahl der Optimisten wächst

Haben sich die Deutschen an ein Leben in der Dauerkrise gewöhnt? Nach einer Umfrage des Hamburger Zukunftsforschers Opaschowski wächst die Zahl der Optimisten.

Horst Opaschowski ist Zukunftsforscher. Wie steht es also um die Einstellung der Deutschen?
Foto: Christian Charisius/dpa

Obwohl es viele Krisen und Kriege gibt, sind die Deutschen laut einer Umfrage zum Jahreswechsel deutlich optimistischer als vor einem Jahr. Eine repräsentative Studie des Hamburger Zukunftsforschers Horst Opaschowski (82) in Zusammenarbeit mit dem Ipsos-Institut ergab, dass fast die Hälfte (46 Prozent) dem kommenden Jahr mit großer Zuversicht entgegensieht. Im Vorjahr hatten nur 35 Prozent der Befragten bessere Zeiten erwartet.

«Den meisten Deutschen geht es persönlich gut, auch wenn in der Öffentlichkeit der Eindruck großer Unzufriedenheit vorherrscht» – diese Aussage unterstützten fast zwei Drittel (64 Prozent). Etwas skeptischer sind die Deutschen nach einer anderen repräsentativen Umfrage im Auftrag der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen von British American Tobacco (BAT). Demnach blicken nur 41 Prozent der Befragten mit Optimismus in die Zukunft.

Optimismus kein Verdienst der Regierung

Die Politik kann sich dieses Ergebnis aber nicht zugutehalten, wie Opaschowski betont. Mit dem Krisenmanagement der Regierung sind nur 34 Prozent zufrieden. Anfang 2020 seien es noch 65 Prozent gewesen. Die große Zuversicht zu Beginn der Corona-Krise habe sich verflüchtigt. Besonders bemerkenswert sei der Rückgang bei der 50plus-Generation von 68 auf 32 Prozent. «Das ist ein Absturz sondergleichen», sagte Opaschowski. «Der Staat hat seine Rolle als Kümmerer verloren.»

Laut der BAT-Stiftungsumfrage besteht auch eine weit verbreitete Politikverdrossenheit. Laut 87 Prozent der Befragten werden die Politiker im Jahr 2024 weiterhin an Zustimmung verlieren. In der Generation der über 50-Jährigen teilen sogar 92 Prozent diese Einschätzung.

Sorgen um fernere Zukunft

83 Prozent der Befragten von Opaschowski und Ipsos erwarten, dass Politiker und Parteien in Zeiten gesellschaftlicher Krisen kluge Lösungsansätze anbieten, die der jungen Generation Hoffnung auf die Zukunft geben. Gleichzeitig sind 81 Prozent der Meinung, dass es für Kinder und Enkel schwieriger wird, genauso abgesichert und wohlhabend zu leben wie die heutige Elterngeneration.

Die Deutschen haben die größten Bedenken hinsichtlich der Kluft zwischen Arm und Reich, der Wohnungsnot und dem Verlust des Wohlstands. Es gibt auch viele Menschen, denen es nicht so gut geht. Insbesondere Geringverdiener und Bewohner kleinerer Städte und Dörfer fühlen sich gesellschaftlich ausgeschlossen. Nur etwa 20 Prozent dieser Menschen haben noch Vertrauen in die Regierung.

Die deutsche Gemütlichkeit stirbt nicht

Migration und Klimawandel spielten in den Einstellungen der Menschen keine große Rolle, selbst die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten nicht, sagte Opaschowski. Der Eindruck sei: «Es kriselt überall.» Die Deutschen wünschten sich mehr Zusammenhalt (64 Prozent), zögen sich aber zugleich ins Private zurück. «Die deutsche Gemütlichkeit stirbt nicht, weil die Wagenburg der eigenen vier Wände zum Schutzschirm wird.» Dass viele Menschen reiselustig seien, widerspreche dem nicht. «Urlaubsdomizile sind das zweite Zuhause.»

Jugendliche haben Angst vor Kriegen

Eine weitere Studie ergab kürzlich, dass die Mehrheit der Jugendlichen Angst vor Kriegen hat: 53 Prozent der Befragten nannten Kriege als Grund für große persönliche Befürchtungen, wie aus der Sinus-Jugendstudie hervorgeht, die im Auftrag der Krankenkasse Barmer Anfang Dezember in Berlin veröffentlicht wurde. Im Jahr 2022 waren es sogar 56 Prozent. Allerdings wurde der Krieg zwischen Israel und der Hamas in der Umfrage von Ende September bis Anfang Oktober noch nicht berücksichtigt.

Kriminalität gefährdet Zusammenhalt

Die Sorge vor Kriminalität und Aggression ist nach Angaben von Opaschowski seit vielen Jahren in Deutschland verbreitet. «Der Umgangston ist aggressiver geworden», stellte der Zukunftsforscher fest. Schon vor längerer Zeit habe er prognostiziert: «Es kann passieren, dass man Aggressivität zur Normalität erklärt.» In ihrem Inneren spürten die Bürger aber, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt bedroht sei. Auch darum unterstützten die Befragten mehrheitlich den Appell, mehr zusammenzuhalten und weniger auf Egoismus zu setzen.

Nach vorläufigen Daten der polizeilichen Kriminalstatistik ist die Gewaltkriminalität in Deutschland im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa 17 Prozent angestiegen.

dpa