Der Herzog von Sussex führt einen regelrechten Kreuzzug gegen die Boulevardpresse. In der ersten von mehreren Zivilklagen wegen angeblich illegaler Informationsbeschaffung soll nun ein Urteil fallen.
Urteil bei Prinz Harrys Klage gegen «Mirror»-Verlag erwartet

Ein halbes Jahr nachdem Prinz Harry vor dem Londoner High Court aussagte, wird heute mit einem Urteil in der Schadenersatzklage des 39-jährigen Royals und weiterer Prominenter gegen den «Mirror»-Verlag gerechnet.
Der jüngere Sohn des britischen Königs Charles III. wirft Journalisten der Blätter «Daily Mirror», «Sunday Mirror» und «People» vor, ihn mit illegalen Mitteln ausgespäht zu haben. Unter anderem seien Sprachnachrichten auf seinem Handy abgefangen und für Berichte über ihn ausgewertet sowie Privatdetektive beauftragt worden.
Es hatte für Aufsehen gesorgt, dass Harry im Juni selbst als Zeuge in der Verhandlung aufgetreten war. Er hatte sich zwei Tage lang einem Kreuzverhör gestellt – als erster britischer Royal seit 130 Jahren.
Anhand von 33 Artikeln der MGN-Blätter «Daily Mirror», «Sunday Mirror» und «People» aus den Jahren 1996 bis 2009 wollten Prinz Harry und sein Anwaltsteam zeigen, dass illegal beschaffte Informationen bei der Berichterstattung über ihn verwendet wurden.
Besuch im Strip-Club und Beziehungsstress
In den Berichten wurden teilweise pikante Einzelheiten wie der Besuch eines Strip-Clubs oder das Ende seiner Beziehung mit Ex-Freundin Chelsy Davy oder Sportverletzungen erwähnt. Er argumentierte, dass die Informationen so privat seien, dass sie nur durch das Abhören von Handy-Sprachnachrichten und andere illegale Informationsbeschaffung erlangt worden sein könnten. Er präsentierte jedoch keine konkreten Beweise.
Harry sprach leise, manchmal kaum hörbar und schien teilweise frustriert. Er beklagte, dass ihm die vermutete Bespitzelung schweres seelisches Leid zugefügt habe und seine Freundschaften und Beziehungen belastet habe. Zum Schluss gestand er, dass es ihm viel abverlangt habe, in den Zeugenstand zu treten.
Der Anwalt von Mirror Group Newspapers (MGN), Andrew Green, hat die Vorwürfe größtenteils abgelehnt und argumentiert, dass die Berichterstattung auf rechtmäßig beschafften Informationen beruhte. Oft waren die Quellen öffentlich zugänglich oder Personen in seinem Umfeld, die geplaudert hatten.
Es besteht kein Zweifel daran, dass während des betroffenen Zeitraums illegale Methoden in vielen britischen Zeitungen, einschließlich der MGN-Blätter, verbreitet waren. Die Beweislast lag jedoch beim Herzog von Sussex und seinen Mitklägern, obwohl sie im Zivilverfahren nicht so schwer zu erbringen sind wie in einem Strafverfahren.
Prinz Harry: Boulevardzeitungen «zügellos»
Prinz Harry, das ging aus einer von ihm eingereichten schriftlichen Zeugenaussage hervor, geht es um mehr als nur seine eigenen leidvollen Erfahrungen als Jugendlicher und junger Erwachsener. Er betrachtet die britischen Boulevardzeitungen oder «tabloids», wie sie im Vereinigten Königreich genannt werden, als zügellos. Er ist überzeugt, dass auch der Unfalltod seiner Mutter Prinzessin Diana 1997 auf das Konto der Paparazzi ging, die ihr auf den Fersen waren und warnte immer wieder davor, dass sich die Geschichte wiederholen könne mit seiner Frau Meghan (42).
«Unser Land wird weltweit am Zustand unserer Presse und unserer Regierung beurteilt – die beide, wie ich finde, auf einem Tiefpunkt angelangt sind», schrieb er in seiner schriftlichen Aussage. Die Presse werde ihrem Auftrag nicht mehr gerecht, die Regierung zur Rechenschaft zu ziehen, und gehe stattdessen mit dieser «ins Bett», damit alles so bleibe, wie es ist.
Harry, der vor fast vier Jahren aus dem engeren Kreis der Königsfamilie ausgeschieden ist und mit seiner Familie in den USA lebt, führt einen regelrechten Kreuzzug gegen die Boulevardpresse. Mehrere weitere Verfahren wegen angeblich illegaler Informationsbeschaffung sind anhängig, darunter gegen den Verlag der «Sun», News Group Newspapers (NGN) und den Verlag der «Daily Mail», Associated Newspapers. Der Ausgang der Klage gegen die Mirror-Gruppe dürfte ein erster Hinweis sein, ob seine Mission erfolgreich sein wird.








