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Urteil im Prozess gegen Ex-Manager von Rapper Bushido erwartet

Anklage sieht Hauptvorwürfe bestätigt, Verteidigung fordert Freispruch – Urteil nach dreieinhalb Jahren Prozessdauer

Rapper Bushido löste 2017 die Beziehungen zu seinem Ex-Manager auf.
Foto: Joerg Carstensen/dpa

Der Prozess gegen den ehemaligen Manager von Rapper Bushido hat etwa dreieinhalb Jahre gedauert – heute wird das Landgericht Berlin sein Urteil verkünden. Die Anklage wirft Arafat A.-Ch. und seinen Brüdern unter anderem versuchte schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, Nötigung sowie gefährliche Körperverletzung und schwere Untreue vor.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sind die Hauptvorwürfe bestätigt worden. Sie haben eine Gesamtstrafe von vier Jahren, drei Monaten und einer Woche Haft für den 47-Jährigen, der als Berliner Clan-Chef gilt, beantragt. Seine Anwälte sind der Meinung, dass keine der Straftaten, von denen der Rapper Bushido (45) betroffen sein soll, nachgewiesen werden konnte. Sie haben einen Freispruch gefordert.

Arafat A.-Ch. hat zugegeben, dass der Hauptangeklagte wegen einer Reihe von unerlaubten Tonbandaufnahmen angeklagt ist, kurz vor Prozessende.

Drei Brüder von Bushidos ehemaligem Partner im Alter von 42, 46 und 53 Jahren sind ebenfalls angeklagt. Es wurde beantragt, dass sie zu Gesamtstrafen von sieben Monaten auf Bewährung bis zwei Jahren und einem Monat Haft verurteilt werden. Auch ihre Anwälte haben jeweils einen Freispruch beantragt.

Großteil der Vorwürfe basieren auf Aussage Bushidos

Bushido, mit dem bürgerlichen Namen Anis Mohamed Ferchichi, ist im Strafverfahren sowohl Zeuge als auch Nebenkläger. Die meisten Vorwürfe gegen seinen langjährigen Geschäftspartner und den Mitangeklagten stützen sich auf die Aussagen des Rappers, der mittlerweile mit seiner Familie in Dubai lebt. Laut seines Anwalts wird der Musiker nicht zur Verkündung des Urteils anreisen.

Der Hauptfokus des Verfahrens liegt auf einem Vorfall am 18. Januar 2018, bei dem Bushido angeblich gegen seinen Willen festgehalten wurde. Es wird behauptet, dass er auch mit einer Wasserflasche angegriffen und ein Stuhl nach ihm geworfen wurde.

Es wird behauptet, dass die mutmaßlichen Taten stattgefunden haben, nachdem Bushido die Beziehungen zu Arafat A.-Ch. im Jahr 2017 beendet hatte. Sein ehemaliger Manager habe die Trennung nicht akzeptieren wollen und von dem Musiker eine Zahlung in Millionenhöhe sowie eine Beteiligung an dessen Geschäften für 15 Jahre gefordert.

Prominente Zeugen aus der Rapperszene

Das Gericht hat seit August 2020 in 113 Verhandlungstagen versucht, den Fall aufzuklären. Der Prozess fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Einige betrachteten dies als lang erwarteten Schlag gegen Clankriminalität, da Bushido keine Angst zeigte. Dies ist bei vielen Prozessen gegen Mitglieder von Großfamilien, die mit organisierter Kriminalität in Verbindung gebracht werden, anders.

Der Ausdruck Clankriminalität ist umstritten, da er nach Meinung von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund ausschließlich aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert.

Mehr als 60 Zeugen wurden gehört, darunter prominente Rapper wie Samra, Fler, Ali Bumaye oder Kay One. Schwerpunkt der Aussagen bildeten jedoch die Vernehmung von Bushido und seiner Ehefrau Anna-Maria Ferchichi, die über viele Tage gingen. Sie zeichneten das Bild einer «Zwangsehe» mit dem Hauptangeklagten.

Aus Sicht der Verteidigung sind die Angaben des Ehepaares nicht glaubwürdig. Der Rapper sei ein guter Entertainer, sagte Anwalt Hansgeorg Birkhoff. «Was er erzählt, kommt prima rüber. Aber ist es deswegen wahr, was er erzählt?»

dpa