Nein, es handelt sich um keine Liste prominenter Kunden von Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Trotzdem dürften die nun mehr als 900 veröffentlichten Seiten Gerichtsdokumente für Aufsehen sorgen.
US-Gericht gibt Epstein-Papiere mit Namen frei

Im Missbrauchsskandal um den US-Multimillionär Jeffrey Epstein wurden die Klarnamen von etwa 170 zuvor meist anonym behandelten Personen von einem Gericht veröffentlicht. Diese wurden in einem Zivilstreit zwischen der geschädigten US-Amerikanerin Virginia Giuffre und Ghislaine Maxwell, Epsteins langjähriger Partnerin, genannt.
In den Gerichtsunterlagen, die über 900 Seiten umfassen, sind unter anderem die bereits bekannten Namen des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und des britischen Prinzen Andrew zu finden, die früher als Vertraute von Epstein galten. Epstein ist seit knapp viereinhalb Jahren verstorben.
Eine Nennung bedeutet nicht, dass die Person aktiver Teil des Missbrauchsnetzwerks um Epstein war, sondern zunächst nur, dass der Name in dem Zivilprozess fiel. Manche Personen der Liste sind beispielsweise auch Verwandte von Missbrauchsopfern Epsteins. Clinton, bisher im Prozess als «John Doe 36» (etwa «Max Mustermann 36») bezeichnet, hatte Medien zufolge gegen die Nennung seines Namens keinen Einspruch erhoben.
Bill Clinton und Prinz Andrew involviert?
Die veröffentlichten Unterlagen enthalten mehrfach den Namen Clintons, einschließlich Zeugenaussagen, die ihn in Verbindung mit den Taten Epsteins bringen. Ebenso oft und in ähnlichem Zusammenhang wird Prinz Andrew namentlich genannt. Der Adelsspross konnte 2022 einen Zivilprozess im Zusammenhang mit Epsteins Missbrauchsring verhindern. Trotz der Vorwürfe der US-Klägerin Virginia Giuffre hat er öffentlich niemals zugegeben, Sex mit der damals Minderjährigen gehabt zu haben.
Epstein wurde im Juli 2019 verhaftet. Der Geschäftsmann, der in einflussreichen Kreisen gut vernetzt war, wird beschuldigt, viele auch minderjährige Mädchen sexuell missbraucht und anderen Männern zugeführt zu haben. Etwa einen Monat nach seiner Verhaftung wurde Epstein im Alter von 66 Jahren tot in seiner Zelle aufgefunden. Gemäß offiziellen Angaben hat er Selbstmord begangen.
Es wird behauptet, dass über viele Jahrzehnte hinweg zahlreiche Minderjährige auf Epsteins Anwesen in New York, Florida, Santa Fe und den Virgin Islands missbraucht wurden. Eine frühere Anklage gegen Epstein endete in einem für ihn äußerst günstigen Deal, der ihn zu einem Symbol für eine gesellschaftliche Elite machte, die ungestraft mit Verbrechen davonkommt.
Verschwörungstheorien rund um Epstein
Der Vorfall hatte auch international für viel Aufmerksamkeit gesorgt, da der Unternehmer Verbindungen bis in die höchsten Kreise hatte. Die Beziehungen zu Prominenten und sein Tod führten zu vielen Gerüchten und Verschwörungstheorien.
Auch vor der Veröffentlichung der nun freigegebenen Dokumente gab es viele Spekulationen über Prominente. In den vorliegenden Schriften wird auch der frühere Präsident Donald Trump erwähnt – jedoch nur in Bezug auf die Befragung einer Zeugin, die angibt, niemals sexuellen Kontakt zu Trump gehabt zu haben.
Neu scheinen dagegen die Namensnennungen des «King of Pop» Michael Jackson und des Astrophysikers Stephen Hawking zu sein. Aus ihnen scheint sich zumindest die einmalige Anwesenheit der Prominenten bei einer Veranstaltung Epsteins abzuleiten.








