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Verdacht auf Cholera: 3000 Menschen sitzen auf Schiff fest

Fälle von Brechdurchfall an Bord eines Kreuzfahrtschiffs lassen auf Mauritius die Alarmglocken klingeln – denn die Cholera breitet sich im südlichen Afrika aus. Nun müssen die Passagiere Geduld zeigen.

Das Kreuzfahrtschiff «Norwegian Dawn» war am 13. Februar in Südafrika zu ihrer Reise aufgebrochen.
Foto: Po Mike Lutz/dpa

Vor der ostafrikanischen Insel Mauritius sitzen mehr als 3000 Menschen wegen des Verdachts auf einen möglichen Cholera-Ausbruch an Bord eines Kreuzfahrtschiffs fest. Nach einer Reihe von Magen-Darm-Erkrankungen an Bord der «Norwegian Dawn» verweigerten die Behörden in Mauritius dem Schiff das für Sonntag geplante Anlegen im Hafen der Hauptstadt Port Louis, nachdem zuvor schon die französische Insel La Réunion das Schiff abgewiesen hatte. Das südliche Afrika erlebt derzeit einen der schwersten Cholera-Ausbrüche seit Jahren.

Ein Großteil der 2184 Passagiere sollte eigentlich am Sonntag die Heimreise antreten. Zugleich hätten ursprünglich 2279 neue Reisende in Port Louis an Bord gehen sollen, teilte die Hafenbehörde mit. Außerdem sind 1026 Besatzungsmitglieder auf dem Schiff. Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums nahmen am Sonntagmorgen Proben von rund 15 Menschen an Bord. Mit dem Ergebnis der Untersuchung wird am Dienstag gerechnet. Nach Angaben aus Behördenkreisen sollen mindestens 14 Passagiere sowie ein Besatzungsmitglied an Durchfall und Erbrechen leiden. Sie seien in ihren Zimmern isoliert.

Die US-amerikanische Reederei Norwegian Cruise Line teilte mit, dass bei einer kleinen Anzahl von Gästen der «Norwegian Dawn» auf der zwölftägigen Fahrt von Südafrika leichte Symptome einer Magenerkrankung aufgetreten seien. «Aufgrund zusätzlicher Tests, die von den örtlichen Behörden vor der Einreise verlangt werden, hat die Regierung von Mauritius die Ausschiffung für die aktuelle Kreuzfahrt und die Einschiffung für die nächste Kreuzfahrt um zwei Tage auf den 27. Februar 2024 verschoben.»

Gestrandete sollen kostenlose Hotelübernachtungen erhalten

In einem Schreiben vom Sonntag, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, informierte der Kapitän die Passagiere darüber, dass sie das Schiff vorerst nicht verlassen würden. Die Reederei hat Hotlines eingerichtet, um Fragen zur Umbuchung der Heimreise zu beantworten. Gestrandete Gäste auf Mauritius sollen kostenlose Hotelübernachtungen erhalten. Die Reederei hat die Hygienemaßnahmen an Bord verstärkt und ergreift alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Gäste, der Besatzung und der Reiseziele.

Nach Angaben der Reederei hat die 2002 in der deutschen Meyer Werft im niedersächsischen Papenburg gebaute «Norwegian Dawn» Platz für bis zu 2340 Gäste und 1032 Besatzungsmitglieder an Bord. Sie war am 13. Februar in Südafrika auf ihre Reise via Madagaskar nach La Réunion und Mauritius aufgebrochen. Anschließend sollte die «Norwegian Dawn» mit den neuen Passagieren nach Südafrika zurückkehren.

Passagiere reagierten unterschiedlich

Am Freitag lehnten die Behörden der französischen Insel La Réunion aufgrund von Magen-Darm-Erkrankungen bereits die Einfahrt des Schiffs in den Hafen ab. Sowohl die französische Regierung als auch die regionale Gesundheitsbehörde der Insel waren mit der Gesundheitssituation an Bord des Schiffes unzufrieden.

Die Behörden hätten vorgeschlagen, Mediziner an Bord zu schicken und Tests durchzuführen. Daraufhin habe die Reederei entschieden, den nur für wenige Stunden geplanten Zwischenstopp abzubrechen und direkt nach Mauritius weiterzufahren, erklärte die Präfektur der Insel. Die Hafenbehörde in Mauritius bestätigte, dass die «Norwegian Dawn» aufgrund des ausgelassenen Halts bereits am Samstagabend gegen 18.00 Uhr Mauritius erreichte.

Passagiere des Kreuzfahrtschiffs reagierten unterschiedlich auf die Situation. «Es ist alles normal und wir haben Spaß», sagte ein mauritischer Gast der dpa, kritisierte aber mangelnde Kommunikation an Bord und seitens des Reiseveranstalters.

Ein Ehepaar von der Insel La Réunion, das in Kapstadt an Bord gegangen war, bemängelte ebenfalls die Kommunikation. «Kaum hatten wir Kapstadt verlassen, mussten sie wissen, dass es ein Problem gab. Das Buffet war verschwunden. Man bediente uns mit Handschuhen. Es gab Gerüchte über Gastroenteritis», erzählte der Ehemann der dpa. «Wir wollten am Samstag in La Réunion aussteigen. Am Morgen sagte man uns, dass das Schiff stattdessen nach Mauritius fahren würde. Wir waren ein wenig besorgt. Schließlich dachten wir, dass wir in Mauritius aussteigen und nach La Réunion zurückfliegen würden. Da erfuhren wir plötzlich, dass die Gesundheitsbehörden an Bord kommen würden. Erst sehr spät erwähnten sie den Verdacht auf einen Cholera-Ausbruch.»

Schlimmer Cholera-Ausbruch im südlichen Afrika

Cholera wird durch ein Bakterium verursacht, das im Darm ein Gift produziert. Es wird hauptsächlich durch verschmutztes Trinkwasser und kontaminierte Lebensmittel übertragen. Viele Infektionen verlaufen ohne Symptome, aber in schweren Fällen kann der starke Verlust von Flüssigkeit und Salz innerhalb von Stunden zu einem Kreislaufkollaps, Muskelkrämpfen, Schock und Tod führen.

Das südliche Afrika hat in den letzten Monaten einen der schlimmsten Cholera-Ausbrüche seit Jahren erlebt. Bis Mitte Januar wurden in den 13 betroffenen Ländern etwa 200.000 Krankheitsfälle und über 3000 Todesfälle gemeldet. Mauritius befand sich in höchster Alarmbereitschaft, da auf den Komoren Fälle aufgetreten waren.

dpa