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Verdächtiger für vierfachen Mord in Solingen ermittelt

Zwei Wochen nach dem Feuer in Solingen, bei dem eine vierköpfige Familie starb, haben die Ermittler einen Verdächtigen ermittelt. Er soll am Montag versucht haben, einen Menschen zu skalpieren.

Eine weiße Rose an einer Absperrbake vor dem Brandort in Solingen am 27. März.
Foto: Christoph Reichwein/dpa

Die Polizei hat zwei Wochen nach dem verheerenden Feuer mit vier Toten in Solingen einen Verdächtigen identifiziert. Er wird verdächtigt, vierfachen Mordes beschuldigt, wie die Ermittler in Wuppertal mitteilten.

Der 39-Jährige soll 14 Tage später erneut versucht haben, einen Menschen umzubringen, indem er einen 44-jährigen Mann mit einer Machete angegriffen und lebensgefährlich verletzt haben soll. Die Ermittler sprachen von vier Skalpierungsversuchen. Der Bluttat soll ein Streit um ein missglücktes Drogengeschäft vorangegangen sein.

Aufgrund des Machetenangriffs wurde gegen den 39-Jährigen bereits ein Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen. Der Mann war zuvor nur wegen geringfügiger Vergehen wie Unterschlagung und Diebstahl bekannt. Es gibt keine konkreten Hinweise auf eine psychische Erkrankung.

Überwachungskameras bringen Hinweise auf den Täter

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung nach dem Machetenangriff fanden die Ermittler belastendes Material im Zusammenhang mit dem Vierfachmord. Der 39-Jährige soll ein ehemaliger Mieter im Hinterhaus des Brandhauses sein, dem nach einem Streit mit seiner Vermieterin gekündigt wurde.

Er wurde von Überwachungskameras in der Nähe des Tatorts zur Tatzeit gefilmt und zeigte dabei auffälliges Verhalten. Er trug weiße Schuhe, einen Rucksack und eine Mütze. Er war der einzige, den die Kameras zur Tatzeit aufgezeichnet hatten. Er bewegte sich mehrmals in Richtung des späteren Brandhauses. Kurz danach brach das Feuer aus, bei dem vier Menschen starben und acht verletzt wurden. Spätere Videoaufnahmen, die weiter entfernt vom Tatort gemacht wurden, ermöglichten eine Identifizierung.

Sachverständige hatten Spuren von Brandbeschleuniger im hölzernen Treppenhaus entdeckt. Zudem sei ein Bewegungsmelder «abgedeckt» gewesen. Die Durchsuchung seiner Wohnung mit Spezialkräften sei zum Zeitpunkt der Macheten-Attacke vorbereitet und wenige Stunden zuvor gerichtlich genehmigt worden.

Keine Hinweise auf Fremdenfeindlichkeit

Im Haus, in dem er lebte, wurden neben einer kleinen Cannabisplantage auch Brandbeschleuniger entdeckt. Das Motiv für die tödliche Brandstiftung ist unklar. Die Auswertung der Spuren läuft noch. Der Verdächtige macht keine Angaben zu den Vorwürfen.

Es gebe keine Hinweise auf Fremdenfeindlichkeit als Tatmotiv. Zwar wolle ein Zeuge bei der Macheten-Attacke den Ausruf «Sieg Heil» gehört haben, andere Zeugen und das Opfer selbst hätten dem aber widersprochen. Die Ermittlungen deuteten zudem nicht auf eine rechtsextreme Gesinnung des Verdächtigen hin, dieser sympathisiere eher mit einer «Partei der Mitte».

Die Staatsanwälte gaben an, dass sie „keine Eile“ mit dem Haftbefehl wegen vierfachen Mordes haben. Die Ermittlungen befinden sich noch in einem frühen Stadium und der Verdächtige ist bereits in Untersuchungshaft.

Eine Familie aus Bulgarien, die im Dachgeschoss lebte, konnte sich in der Brandnacht am 25. März nicht mehr retten. Die Eltern im Alter von 28 und 29 Jahren sowie zwei Mädchen im Alter von drei Jahren und wenigen Monaten kamen ums Leben.

Die Tat sei «weitgehend aufgeklärt», sagte Wuppertals Polizeipräsident Markus Röhrl. Es handele sich um einen «durchgreifenden Ermittlungserfolg». Das Feuer mit vier Toten habe schlimme Erinnerungen an den rassistischen Anschlag mit fünf Toten 1993 in Solingen geweckt. Damals starben fünf türkischstämmige Frauen und Mädchen, nachdem Rechtsextremisten ein Wohnhaus angezündet hatten.

dpa