Nach der mutmaßlichen Brandstiftung in einem Mehrfamilienhaus in Solingen gibt es bislang keinen dringenden Tatverdacht. Hunderte Menschen kamen zu einem Trauermarsch zusammen.
Vier Tote nach Feuer: Trauerzug für Brandopfer

Fünf Tage nach der mutmaßlichen Brandstiftung in einem Wohnhaus in Solingen sind mehrere hundert Menschen einem Trauermarsch für die Opfer gefolgt. Die Teilnehmer zogen von der Innenstadt zu dem ausgebrannten Haus und riefen nach Angaben einer dpa-Reporterin «Aufklärung» sowie auf Türkisch «Gerechtigkeit für alle». Zu dem als still deklarierten Trauermarsch hatten die Stadt und die Familien der Verstorbenen eingeladen.
Beim verheerenden Brand am frühen Montagmorgen konnte eine Familie aus Bulgarien, bestehend aus den 28 und 29 Jahre alten Eltern sowie zwei Mädchen im Alter von drei Jahren und fünf Monaten, sich nicht mehr aus dem Dachgeschoss des Hauses retten. Sie kamen alle ums Leben. Drei Verletzte werden intensivmedizinisch behandelt, über ihren Zustand gibt es keine Informationen.
Laut Staatsanwaltschaft gab es bisher keinen dringenden Tatverdacht. Ein vorläufig festgenommener Mann wurde freigelassen, nachdem sein Alibi überprüft und bestätigt wurde.
Gemäß der Polizei nahmen etwa 600 Personen an der Trauerfeier teil, während weitere 120 eine Mahnwache am abgebrannten Haus abhielten. Die Mitveranstalter schätzten die Gesamtzahl der Teilnehmer auf über 1000. Einige der Teilnehmer schwenkten bulgarische Flaggen und hielten Bilder der Opfer hoch. Ein Imam rezitierte Koran-Suren.
Erinnerungen an 1993
Oberbürgermeister Tim Kurzbach hatte auf Wunsch der Angehörigen darum gebeten, auf politische Botschaften zu verzichten. «Wir stehen hier wie Sie zutiefst erschüttert», sagte Kurzbach in einer Ansprache. «In diesen Momenten der Dunkelheit können wir nur in Tränen zusammenkommen, um den Verstorbenen Respekt zu zeigen.»
Der Vorstandsvorsitzende im Islamverband Ditib, Muharrem Kuzey, sagte, er fühle sich an den Brandanschlag in Solingen 1993 erinnert. «Hausbrände lösen eine tief verwurzelte Angst in uns aus, sie sind ein tiefes Trauma in uns geworden.» Im Mai 1993 waren bei einem nächtlichen Brandanschlag mit rechtsextremem Hintergrund fünf türkischstämmige Frauen und Mädchen ermordet worden. Der Anschlag markierte damals den Tiefpunkt einer Serie rassistischer Anschläge auf Menschen ausländischer Herkunft in Deutschland.
Vorsätzliche Brandstiftung?
Unterdessen gehen die Ermittler weiteren Hinweisen zu dem Brand nach. Einen dringenden Tatverdacht gab es bislang nicht, wie Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Wir gehen etlichen Ermittlungsansätzen nach.» Hinweise auf einen rassistischen Hintergrund liegen laut Staatsanwaltschaft bisher nicht vor. Laut einem vorläufigen Gutachten von Sachverständigen wird von vorsätzlicher Brandstiftung ausgegangen. In dem hölzernen Treppenhaus waren Reste eines Brandbeschleunigers nachgewiesen worden.








