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Die Macht der Komplimente: Lob tut gut, aber nicht jedes Lob kommt gut an

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Komplimente positive Gefühle auslösen. Objektivierende Komplimente können jedoch als Sexismus interpretiert werden und negative Auswirkungen haben.

Komplimente zu vergeben ist gar nicht so einfach.
Foto: Boris Roessler/dpa

«Ich schätze an Dir, dass Du immer so warmherzig und fürsorglich bist. Einfach wie eine gute Mutter.» Das klingt auf den ersten Blick wie ein schönes Kompliment. Doch es kann sein, dass sich ein Mensch über diesen wahrscheinlich nett gemeinten Satz nicht freut. Denn er basiert auf Stereotypen. Etwa jenem, dass Frauen nur gute Mütter sein können, wenn sie warmherzig und fürsorglich sind. 

Am 1. März ist der Tag der Komplimente. Und da es mit Schmeicheleien manchmal schwierig ist, ist es eine gute Gelegenheit, um zu fragen: Was könnte bei wohlwollendem Lob möglicherweise negativ aufgenommen werden?

Charmanten Worten folgen gute Gefühle

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Komplimente tatsächlich positive Gefühle auslösen – sowohl beim Empfänger oder der Empfängerin als auch bei denjenigen, die eine Liebenswürdigkeit verteilen. Diese Erkenntnis stammt unter anderem von einem Forschungsteam des Instituts für Medizinische Psychologie am Uniklinikum Heidelberg.

In der wissenschaftlichen Studie wurden die Gehirne von Menschen untersucht, die zu diesem Zeitpunkt in einer Liebesbeziehung zueinander standen. Mithilfe der bildgebenden Magnetresonanztomografie wurden während der Studie ihre Gehirne untersucht. Dabei zeigte sich, dass bei Empfängern und Absendern eines Kompliments Gehirnareale aktiv werden, die für die Glückshormone Oxytocin und Dopamin verantwortlich sind. Damit sind Komplimente gut für die seelische und körperliche Gesundheit.

Nicht jedes Kompliment ist harmlos 

Aber warum wird Bewunderung manchmal als negativ empfunden? Auch wenn sie zunächst harmlos und wohlwollend erscheint? Es kommt natürlich immer auf den Kontext an, ob ein Lob angemessen ist oder nicht. Man kann jedoch einen großen Fehler vermeiden, indem man wohlwollende Worte nicht mit einem Stereotyp verbindet oder Menschen objektiviert, sagt Julia Becker, Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Osnabrück.

«Du hast ein tolles Shirt. Ich würde gerne wissen, wie es darunter aussieht», sei ein Beispiel für objektivierende Komplimente. Diese kämen «nicht gut an und werden als Sexismus interpretiert», erklärt Becker. Ausschlaggebend sei auch, ob ein Lob von einem nahestehenden oder fremden Menschen komme. Wenn der objektivierende Kommentar von einer oder einem Unbekannten kommt, wird er besonders negativ bewertet.

Becker zufolge werden auch die Menschen, die den objektivierenden Kommentar erhalten, negativer beurteilt. Beobachter hielten sie für «weniger sympathisch und weniger intelligent», sagt die Forscherin.

Stereotype können zu Vorurteilen werden

«Beispielsweise klingt es erst mal nett, wenn Frauen gesagt wird, sie seien viel wunderbarer als Männer», erklärt Becker. «Diese Annahme geht oft damit einher, dass die Gruppe, die besonders nett und warmherzig dargestellt wird, gleichzeitig als weniger kompetent wahrgenommen wird.»

Über die Jahre hinweg wiederholte Stereotypen könnten sich zu Vorurteilen verfestigen und zu einem Pauschalurteil werden. Ein Mädchen könnte beispielsweise denken, dass es vor allem dann Anerkennung erhält, wenn es wie eine Prinzessin aussieht, jedoch nicht, wenn es eine Eins in Mathe bekommt, erklärt die Professorin. Daher sollten – unabhängig davon, ob es sich um Jungen oder Mädchen handelt – alle Menschen am besten schon von klein auf lobende Worte erhalten, die ihre Besonderheiten in verschiedenen Bereichen hervorheben.

Klar ist: Es gibt nicht das eine perfekte Kompliment. Ob ein Satz gut oder schlecht ankommt, hängt immer vom Kontext und meist auch von der Beziehung der Menschen untereinander ab. «Insgesamt denke ich, ausgewogene Komplimente sind sehr gut, und es sollte mehr davon geben», sagt die Sozialpsychologin. «Es gibt ja Leute, die denken, man dürfe einer Frau nun kein Kompliment mehr machen. Das ist totaler Quatsch.» 

Beispiele für gute Komplimente können sein: «Ich verbringe gerne Zeit mit Dir, das tut mir gut» oder «Du hast immer ein offenes Ohr für mich und ich kann mich immer auf Dich verlassen». Wer Nettigkeiten verteilt, kann mit individuellen Worten vermutlich noch extra punkten.

dpa