Masern-Epidemie, Vogelgrippe und weniger Impfungen: Wie Trumps Politik Wissenschaftler verunsichert und was das für Studierende und Talente weltweit bedeutet.
Was ein Jahr Trump für Forschung und Gesundheit bedeutet

Die Wissenschaft sei das «Juwel in der Krone unseres Landes», sagte der US-Materialforscher Omar Yaghi im vergangenen Jahr, kurz nachdem ihm und zwei Kollegen der Nobelpreis für Chemie verliehen wurde. «Also können wir nicht zulassen, dass uns das entgleitet.»
Genau das aber passiere, seitdem US-Präsident Donald Trump vor einem Jahr (20. Januar) seine zweite Amtszeit angetreten hat, beschreiben viele Wissenschaftler die Situation. Trumps Unterstützer und vor allem die des umstrittenen Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. und seiner Bewegung «Make America Healthy Again» (MAHA) feiern dagegen die drastischen Veränderungen.
Universitäten und Forschungseinrichtungen
Viele der angesehensten Universitäten und Forschungseinrichtungen des Landes stehen unter enormem Druck. Die US-Regierung beschuldigt sie, Stätten des Antisemitismus und der ideologischen Indoktrinierung zu sein, und droht mit Etatkürzungen und Stellenstreichungen. Einige Universitäten haben daher nachgegeben, andere verhandeln oder versuchen, wie beispielsweise Harvard, dagegen vor Gericht anzugehen.
Klimaforschung
Einige Forschungsbereiche spüren den Druck der Regierung besonders stark – insbesondere die Klimaforschung, da Trump den menschengemachten Klimawandel leugnet. Es wurden drastische Budgetkürzungen für die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), die Erderforschungsprogramme der US-Raumfahrtbehörde Nasa und andere Klimaforschungseinrichtungen und -programme vorgeschlagen. Der US-Kongress hat jedoch zumindest teilweise Widerstand angekündigt. Auch die USA ziehen sich aus dem Weltklimarat IPCC zurück, in dem Forscher aus aller Welt regelmäßig den aktuellen Stand der Klimaforschung zusammenfassen.
Impfungen
Nach nur etwa einem Monat im Amt entließ Gesundheitsminister Kennedy im August die Leiterin der Zentren zur Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC), Susan Monarez. Sie hatte unter anderem Differenzen mit Gesundheitsminister Kennedy bezüglich Impfungen, auf die er sehr skeptisch reagiert.
Die Trump-Regierung gab Anfang des Jahres bekannt, dass Kinder nun nur noch zu 11 und nicht mehr zu 18 Impfungen empfohlen werden, obwohl weiterhin alle Impfungen möglich sind. Kinderärzte haben die neuen Empfehlungen scharf kritisiert.
Masern
Es wird immer noch empfohlen, sich gegen Masern impfen zu lassen. Dennoch kämpfen die USA derzeit gegen eine Masern-Epidemie. Seit Anfang 2025 wurden etwa 2.500 Fälle dokumentiert, bei denen drei Menschen gestorben sind.
Kennedy erwähnte in Interviews zunächst Vitamin A und Lebertran als Heilmittel, bevor er angesichts der dramatischen Entwicklung eine Impfung als effektivste Methode zur Bekämpfung der Verbreitung bezeichnete.
Experten erwarten, dass die Weltgesundheitsbehörde WHO in den nächsten Wochen verkünden wird, dass die USA nicht mehr masernfrei sind. Im November hatte die WHO Kanada bereits den entsprechenden Status entzogen. Vor einem Jahr erklärte Trump den Austritt seines Landes aus der WHO.
Im Jahr 2016 teilte die Behörde mit, dass die hochansteckende Virusinfektion in ganz Nord- und Südamerika ausgerottet sei – als weltweit erste Region. Dafür darf es unter anderem zwölf Monate lang keine anhaltenden lokalen Übertragungen geben. Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten und können in Extremfällen lebensbedrohlich sein.
Vogelgrippe
Seit 2022 breitet sich die größte je dokumentierte Vogelgrippewelle aus, die sich über mehrere Kontinente erstreckt. Der Erreger betrifft hauptsächlich Vögel, wurde jedoch auch bereits bei zahlreichen Säugetieren entdeckt – darunter auch Milchkühe in den USA. Es wurden auch etwa 70 Fälle beim Menschen in den USA festgestellt, von denen zwei gestorben sind.
Experten bemängeln, dass in den USA viel zu wenig Maßnahmen ergriffen werden, um die Vogelgrippe zu überwachen und einzudämmen. Dadurch steigt die Besorgnis vor einer weiteren Pandemie.
Ernährung
Minister Kennedy hat neue Empfehlungen zur Ernährung der Amerikaner veröffentlicht, die auf eine erhöhte Proteinaufnahme, mehr Obst, Gemüse und Vollkornprodukte sowie eine Reduzierung von Alkohol, Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln abzielen. Diese Empfehlungen entsprechen größtenteils den Ansichten der meisten Wissenschaftler, jedoch sorgt der Fokus auf Protein und den Konsum von Fleisch von Säugetieren wie Rindfleisch für Bedenken. Darüber hinaus betont Kennedy immer wieder die Verwendung von Rindertalg zum Braten, was von vielen Experten überraschend abgelehnt wird.
Eine Chance für Deutschland?
In Deutschland wird deutlich, wie sich der Wind in den USA gedreht hat. Laut einer Umfrage des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) gaben Ende des vergangenen Jahres 67 Prozent der teilnehmenden US-Universitäten an, dass das Interesse von Studierenden aus den USA an einem Studium in Deutschland gestiegen sei. Bei Nachwuchsforschern waren es 70 Prozent und bei Professorinnen und Professoren 68 Prozent.
Von der Max-Planck-Gesellschaft heißt es mit Blick auf die Leitungsstellen von Forschungsgruppen, die Zahl der Bewerbungen aus den USA habe sich verdoppelt. In einem speziellen Programm zur Frauenförderung – dem Liese-Meitner-Exzellenzprogramm – seien es sogar dreimal so viele. «Das wird jetzt einige Karrieren durcheinander wirbeln», sagt eine Sprecherin der Gesellschaft auf Anfrage. Man werde versuchen, einige Talente zu halten und zu gewinnen.
Auch von der Fraunhofer-Gesellschaft heißt es, die USA – einst «zentraler Anziehungspunkt für internationale wissenschaftliche Talente» – hätten an Attraktivität verloren. «Davon profitieren Europa insgesamt und Deutschland im Besonderen.» Allerdings gebe es unter anderem durch tarifliche Regelungen noch immer deutliche Einkommensunterschiede, weshalb Forschungspositionen in den USA trotzdem weiter Anziehungskraft hätten.
Das Bundesforschungsministerium hat in Kooperation mit etablierten Förderern und Organisationen im vergangenen Jahr ein 1.000-Köpfe-Plus-Programm ins Leben gerufen, mit dem internationalen Forschern in Deutschland Perspektiven und «ein sicherer Hafen der Wissenschaftsfreiheit» geboten werden sollen. Im Dezember hieß es, die ersten 166 Wissenschaftler aus 25 Ländern seien ausgewählt worden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft gab an, in einem ersten Schritt Bewilligungen in Höhe von zwölf Millionen Euro ausgesprochen zu haben.








