Der erste bemannte Mondflug seit 1972 lässt weiter auf sich warten: Wegen Wasserstoff-Lecks bei Tests muss die Nasa den «Artemis 2»-Start verschieben. Das Problem ist nicht neu.
Wasserstoff-Leck: Nasa muss bemannten Mondflug verschieben

Mehr als fünf Jahrzehnte nach der letzten Apollo-Mission will die Nasa wieder Astronauten in Richtung Mond schicken. Doch der Zeitplan dafür gerät ins Rutschen: Nach Problemen bei der Generalprobe muss der ursprünglich für kommende Woche geplante Start von «Artemis 2» verschoben werden. «Wir streben nun März als frühestmöglichen Starttermin an», teilte Nasa-Chef Jared Isaacman nach dem Test auf der Plattform X mit.
Bei der Mission geht es nicht um eine Mondlandung. Stattdessen sollen während des etwa zehntägigen Fluges Lebenserhaltungssysteme und andere wichtige Komponenten der Kapsel getestet werden. In einigen Jahren sollen dann bemannte Mondlandungen folgen – im Gegensatz zu den Apollo-Programmen der 1960er- und 1970er-Jahre dieses Mal in der Südpolregion des Mondes und für längere Zeiträume.
Probleme beim Betanken der Rakete
Die Generalprobe, das sogenannte «Wet Dress Rehearsal», fand am Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida statt. Dabei wurden in einem mehrstündigen Prozess sämtliche Abläufe durchgespielt – darunter das Betanken der Rakete mit tiefkaltem flüssigem Sauerstoff und Wasserstoff, ein vollständiger Countdown mit geplanten Haltepunkten sowie das kontrollierte Abbrechen und erneute Hochfahren der Startsequenz bei technischen Problemen oder ungünstigen Wetterbedingungen.
Beim Betanken der Schwerlastrakete «Space Launch System» seien im Rahmen des Tests Wasserstoff-Lecks aufgetreten, erklärte die Nasa im Anschluss bei einer Pressekonferenz. Man habe den Vorgang mehrmals unterbrechen müssen, auch Nachjustierungen hätten nicht geholfen. Schließlich habe man den Countdown gestoppt. Wasserstoff ist ein hochentzündlicher und deshalb gefährlicher Stoff.
Zudem habe sich die Kälte auf einige Kameras ausgewirkt und die Audioübertragung vom Boden aus sei zeitweise ausgefallen, erklärte die Nasa. «Wir haben absolut damit gerechnet, auf Herausforderungen zu stoßen», schrieb Isaacman. Es gehe bei solchen Tests darum, Probleme zu entdecken, um sie vor dem Starttag lösen zu können.
Nicht zum ersten Mal Wasserstoff-Lecks
Allerdings hatten solche Lecks auch schon vor drei Jahren den Erstflug derselben Rakete monatelang verzögert. Danach wurden verschiedene Verbesserungen beim Design gemacht. «Ehrlich gesagt, es hat uns diesmal überrascht», sagte John Honeycutt aus dem Missionsmanagement am Dienstag.
Amit Kshatriya, stellvertretender Nasa-Administrator, betonte, das Raketensystem sei ein «experimentelles» Fahrzeug, bei dem noch viele Lehren zu ziehen seien. «Jede Rakete ist einzigartig», genau wie jeder Flug zum Mond immer einzigartig sein werde. Ziel müsse es langfristig sein, die Test- und Flugrate zu erhöhen, um schneller zu lernen.
Neuer Starttermin bislang nicht klar
Die Ursache des Lecks wird jetzt untersucht. «Wenn man mit Wasserstoff arbeitet, hat man es mit einem sehr kleinen, hochenergetischen Molekül zu tun – genau deshalb nutzen wir ihn. Und wir tun wirklich unser Bestes», erklärte Honeycutt. Ein konkreter neuer Starttermin sollte erst nach Auswertung aller Testdaten festgelegt werden. Eine mindestens einmonatige Verschiebung soll dem Startteam aber Zeit geben, rechtzeitig eine neue Generalprobe durchzuführen.
Es gibt pro Monat nur wenige Zeitfenster, um Astronauten um den Mond zu schicken. So müssen unter anderem Erde, Mond und Raumschiff eine passende Ausrichtung zueinander haben. Das aktuelle Startfenster für «Artemis 2» reicht insgesamt bis in den April. Nasa geht davon aus, dass Anpassungen schnell umgesetzt werden können. Reparaturen an verformten oder beschädigten Dichtungen oder anderen Bauteilen als möglicher Grund für die Lecks könnten wahrscheinlich direkt an der Startrampe erfolgen, hieß es.
Die Crew der Mission – die vier Astronauten Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und der Kanadier Jeremy Hansen – war nicht am Bodentest beteiligt. Sie waren bereits seit Tagen in Texas in Quarantäne, konnten diese jedoch aufgrund der Verschiebung des Starts verlassen. Zwei Wochen vor dem nächsten Startversuch werden sie erneut in Quarantäne gehen.








