Von Japan bis Indien sind viele wohltuende Behandlungen Tradition, andere Trends sind noch neu. Der globale Wellness-Tourismusmarkt wird stark wachsen, mit Angeboten für jedes Bedürfnis.
Asiatische Wellness-Trends: Detox-Programme und Ayurveda-Therapien

Im Urlaub möchten immer mehr Menschen etwas für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden tun, sei es durch Work-Life-Balance, Stressabbau oder ganzheitliche Therapien. In Asien gibt es speziell für jedes Bedürfnis und Budget Angebote. Traditionelle wohltuende Behandlungen sind in Ländern wie Japan und Indien seit Jahrhunderten bekannt, während andere Trends noch recht neu sind.
Laut Schätzungen des Meinungsforschungsinstituts Fact.MR wird der globale Wellness-Tourismusmarkt von derzeit etwa 810 Milliarden Euro bis 2033 auf starke 2,1 Billionen Euro anwachsen – eine jährliche Wachstumsrate von zehn Prozent. Die Angebotspalette reicht von wohltuenden Spa-Behandlungen über Yoga-Retreats bis zu Fitnessprogrammen und Fasten. Von einer Stunde Reflexzonenmassage bis zu 14 Tagen Detoxen bleiben keine Wünsche offen. Eine Auswahl an bekannten und weniger bekannten asiatischen Wellness-Trends:
Detoxen in Thailand
Im Laufe des Lebens lagern sich zahlreiche Schad- und Giftstoffe im Körper ab, etwa durch säurehaltige Lebensmittel, Alkohol, Nikotin oder schlechte Umwelteinflüsse. «Detox» (vom englischen Detoxification, also Entgiftung) ist ein Wellness-Trend, der seit Jahren vor allem in Thailand Furore macht. Bei den meisten Programmen geht es ums strikte Fasten. Die Teilnehmer verzichten für die Dauer ihres Retreats auf feste Nahrung.
Das mag streng klingen, aber sie müssen dennoch keinen Hunger leiden. Durch die regelmäßige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln – wie Flohsamenschalen, die im Magen aufquellen – wird verhindert, dass ein Hungergefühl entsteht. Außerdem werden mehrmals am Tag zu festgelegten Zeiten Säfte oder eine frische Kokosnuss sowie jederzeit Wasser und Tee angeboten. Abends wird in der Regel eine heiße Brühe serviert. Dass einige Kilos schnell verschwinden, ist für viele ein zusätzlicher Ansporn.
Als eine der wichtigsten Aspekte gilt jedoch die Colon-Hydro-Therapie, eine moderne Form der Darmspülung. Neben Wasser wird oft auch anregender Kaffee über den Anus in den Darm eingeführt und dann langsam wieder ausgeschieden. Das Ziel ist es, den Darm von verschiedenen krankmachenden Rückständen zu befreien, heißt es.
Die «Detoxler» werden aufgefordert, sich das, was da aus ihrem Darm sprudelt, genau anzusehen. Denn es handelt sich schon nach wenigen Tagen des Fastens nicht mehr um normalen Stuhlgang, sondern nach Angaben von Detox-Experten um Darm-Inhalte, die dort seit vielen Jahren ungesund vor sich hingärten. Mehr als einer erzählt, er habe Würmer und andere Parasiten in seinen Ausscheidungen entdeckt. Jedoch scheiden sich an Darmspülungen die Geister und ihre Wirkung ist auch nicht wissenschaftlich bewiesen: Gegner warnen etwa, dass sie die natürlichen Darmbakterien zerstören.
Die Programme, die in der Regel zwischen 7 und 14 Tagen dauern, werden von täglichem Yoga, Massagen, Meditation und Dampfbädern mit Kräutern begleitet, die die Poren öffnen und auch beim Abtransport von Giftstoffen helfen. Trotz kontroverser Meinungen über die Fasten-Programme schwärmen Befürworter von den positiven Auswirkungen, auch auf schmerzende Gelenke.
«Ich hatte schon früh Arthrose», erzählt der 50-jährige Australier Paul. Ärzte hätten ihn gewarnt, dass er innerhalb weniger Jahre im Rollstuhl sitzen werde. Dann habe er auf der Insel Koh Samui zum ersten Mal ein Detox-Programm ausprobiert und eine deutliche Besserung festgestellt. Mittlerweile kommt er regelmäßig auf die Insel. «An einen Rollstuhl denke ich nicht einmal mehr», sagt er.
Ayurveda in Indien
Ayurveda ist eine uralte indische Form der Alternativmedizin und bedeutet auf Sanskrit «Wissen vom Leben». Die Ayurveda-Klinik Kairali in der Hauptstadt Neu Delhi steht idyllisch in einem kleinen Garten – und erinnert damit ein wenig an den tropischen Bundesstaat Kerala im Süden des Landes, wo es westliche Touristen besonders häufig für Kuren in der traditionellen Heilkunst hinzieht. Im Innern des Backstein-Häuschens werden Gäste mit Kräutertee begrüßt, bevor es in die Behandlungsräume geht.
Die Mitarbeiter berichten, dass die Shirodhara-Therapie besonders gefragt ist, bei der warme Öle langsam auf die Stirn geträufelt werden. Dies wirkt nicht nur sehr entspannend, sondern stimuliert auch die Haut und die Nervenenden auf der Stirn. Dies soll unter anderem bei Schlafstörungen, Bluthochdruck oder Migräne helfen. Dabei hört man leise Flötenmusik und im Hintergrund plätschert ein Brunnen.
«Ayurveda gibt uns alles vor, was nötig ist, um ein gesundes Leben zu führen – also wann man schlafen, was man essen und sogar, wann man Sex haben soll», sagt Klinikchef Abishek Ramesh. Die Antworten seien aber natürlich nicht bei allen gleich.
Denn nach der Lehre trägt jeder Mensch drei Lebensenergien in verschiedenen Verhältnissen in sich – und für gutes Wohlbefinden müssen diese sogenannten «Doshas» im Gleichgewicht sein. Sie heißen Vata, Pitta sowie Kapha und setzen sich aus den fünf Elementen Erde, Feuer, Luft, Raum und Wasser zusammen. Welcher Dosha-Typ man ist, wird durch einen Fragebogen ermittelt. Dabei geht es unter anderem um Charaktereigenschaften, die allgemeine Gesundheit und das Aussehen. Auch misst ein Praktiker den Puls.
Ramesh berichtet, dass besonders viele Ausländer nach einer Chemotherapie oder aufgrund von Schmerzen, Übergewicht oder Schlafstörungen kommen. Andere möchten einfach etwas für ihr Wohlbefinden tun und auf ein langes, aktives Leben hinarbeiten. Beliebt ist die Detox-Therapie Panchakarma, die induziertes Erbrechen, Nebenhöhlenreinigungen und Blutsaugerbehandlungen beinhaltet. Es gibt einen strukturierten Tagesablauf mit individuellen Mahlzeiten, Medikamenten, Massagen und Yoga.
Onsen in Japan
Japans berühmte heiße Naturquellen, die Onsen, sind bekannt als der Inbegriff der Entspannung und Behaglichkeit. Ein Besuch in einem Onsen gehört für Millionen von deutschen und anderen ausländischen Besuchern jährlich zum ultimativen Japan-Erlebnis.
Die Thermalbäder verfügen in der Regel über Innen- und Außenbecken, wobei letztere besonders beliebt sind. Es ist möglich, unter freiem Himmel zu jeder Jahreszeit in heißem Wasser zu liegen, umgeben von Natur, den Geruch der mineralhaltigen Dämpfe in der Nase, den Blick über Wälder und Berge schweifend – im Onsen ist es plötzlich einfach, Körper und Seele baumeln zu lassen und sich von den Zwängen des Alltags zu erholen. Hier sitzt der kleine Mitarbeiter gleichberechtigt neben dem Chef im Wasser – nackt. Männer und Frauen baden dabei in der Regel getrennt in den Gemeinschaftsbecken.
Je nach Qualität des Wassers und der Temperatur tragen Onsen auf vielfältige Weise zur Förderung der Gesundheit bei. Die Mineralien im Wasser tragen durch ihre antioxidative Wirkung dazu bei, die Durchblutung zu erhöhen. Dies kann helfen, Verspannungen zu lösen und Stress abzubauen. Einige heiße Quellen enthalten Kieselsäure, die die trockene Haut glättet. Onsen mit Schwefel werden auch bei Ekzemen und Schuppenflechte empfohlen.
Das Baden in warmem Wasser lindert auch Gelenkschmerzen, Muskelsteife und mildes Asthma und hilft bei Rheuma, Gastritis, Depression, Diabetes und Hämorrhoiden-Schmerzen, wie es heißt. Nach dem Verlassen der heißen Quelle kühlt der Körper schnell wieder ab, was unter anderem zu einem besseren und tieferen Schlaf verhilft. Menschen, die an Entzündungen, Herz-Kreislaufkrankheiten oder unter akuten Infektionen leiden, sollten dagegen die heißen Bäder meiden.
Bereits vor Jahrhunderten badeten die Samurai in Onsen, um ihre Verletzungen zu heilen. Ein Beispiel dafür ist Kusatsu, eine Stadt, die etwa 180 Kilometer nordwestlich von Tokio liegt und als Hochburg der Onsen-Kultur bekannt ist. Der malerische Ort verdankt seine Bekanntheit auch einem deutschen Arzt: Erwin Bälz aus Schwaben folgte in der Meiji-Ära (1868-1912) dem Ruf der japanischen Regierung.
Er wurde zum Leibarzt am Kaiserhof ernannt und spielte eine entscheidende Rolle beim Aufbau eines modernen Gesundheitssystems. Frühzeitig kam er nach Kusatsu und war rasch von der heilenden Kraft der Onsen überzeugt. Ein kleines, liebevolles Museum bewahrt bis heute die Erinnerung an ihn.
Sound Healing auf Bali
Im berühmten Wellness-Zentrum Yoga Barn im balinesischen Örtchen Ubud liegen Dutzende Menschen entspannt auf dem Boden. Durch den Raum tönen verschiedenste Klänge, erzeugt von Musikinstrumenten wie Gongs, Trommeln, Klangschalen, Saiteninstrumenten, Windspielen und sogar einem australischen Didgeridoo. Gespielt werden sie von dem bekannten «Sound Healer» Shervin Boloorian, der dazu mit sanfter Stimme singt. Die Gäste atmen ruhig, einer beginnt nach zehn Minuten glückselig zu schnarchen.
Obwohl das Heilen durch Klänge schon seit Tausenden von Jahren praktiziert wird, hat es sich seit einigen Jahren zu einem weltweiten Wellness-Trend entwickelt – speziell auf Bali, wo Boloorian 2012 das Programm «Sound Healing Bali» gegründet hat. Mittlerweile hält er auch mehrtägige Trainings in dieser Kunst ab, in denen es unter anderem um das Frequenzspektrum von Klängen und deren Einfluss auf die Gehirnwellen geht – und somit um die Unterstützung einer ganzheitlichen Gesundheit.
«Klangheilung ist für mich eine Therapieform, die Menschen durch Schallschwingungen mit einem tieferen Teil ihrer selbst verbinden kann», erzählt er. Unter anderem könnten so bei einigen Teilnehmern Angstzustände, Depressionen und Schlafmangel gelindert werden. Auch konnten Forscher zeigen, dass Musik den Blutdruck und die Pulsfrequenz senken kann. Oberstes Ziel sei es aber, die Gäste zu entspannen «und sie in einen Zustand des tieferen Zuhörens und der Empfänglichkeit zu versetzen, als Zufluchtsort vor dem geschäftigen und stressigen Druck des modernen Lebens».








