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Zahl gesprengter Geldautomaten auf hohem Niveau

Es gibt einen lauten Knall. Die Zerstörung ist mitunter massiv. Bei Geldautomaten-Sprengungen entsteht meist ein hoher Schaden. Wie ist die Lage in Deutschland? Ein erster Überblick.

Die Zahl gesprengter Geldautomaten in Deutschland ist weiterhin hoch.
Foto: Matthias Bein/dpa

Die Anzahl der gesprengten Geldautomaten in Deutschland bleibt auf einem hohen Niveau. Obwohl mehrere Landeskriminalämter (LKA) von einem leichten Rückgang sprachen, gab es in anderen Bundesländern dagegen mehr Fälle. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Es liegen noch keine bundesweiten Daten für 2023 vor.

Bisher sind mehr als 470 Angriffe bekannt geworden. Aufgrund der unterschiedlichen Stichtage der Ermittler in den Ländern kann noch nicht gesagt werden, ob der Vorjahreswert erreicht wird. Im Jahr 2022 verzeichnete die Polizei bundesweit einen neuen Höchststand von 496 Fällen von Geldautomatensprengungen.

Die Ermittler in Niedersachsen haben festgestellt, dass es im Vergleich zu den Vorjahren einen klaren Rückgang gegeben hat. Bis Anfang Dezember wurden 36 Angriffe auf Geldautomaten verzeichnet. Im Jahr 2022 gab es insgesamt 68 Taten. Das bayerische Landeskriminalamt hat bis kurz vor Jahresende 21 Sprengungen von Geldautomaten registriert, im Vergleich zu 37 Angriffen im Vorjahr. Das LKA in Sachsen meldete ebenfalls einen leichten Rückgang der Fallzahlen.

Zuwachs im Norden

Auch in Nordrhein-Westfalen deutet sich ein Rückgang an. Kurz vor Jahresende gab es laut LKA 153 Angriffe. Wenn es dabei bleibt, wäre dies ein Rückgang von 16 Prozent im Vergleich zum Rekordjahr 2022, als 182 Geldautomaten angegriffen wurden.

Im Gegensatz dazu gab es im Norden einen Anstieg. In Schleswig-Holstein wurde ein leichter Anstieg verzeichnet, jedoch wies das LKA auch auf Schwankungen bei der Anzahl der gesprengten Automaten in den Vorjahren hin. In Mecklenburg-Vorpommern wurden bis zum 5. Dezember zwölf Sprengungen gezählt, wie eine Sprecherin des LKA mitteilte. Den Ermittlern zufolge gab es im Jahr 2022 keine einzige Tat. Im Jahr 2021 waren es fünf.

Laut dem LKA wurden seit der Jahreswende in Baden-Württemberg mindestens 40 Geräte mit teils brutaler Gewalt zerstört. Im vergangenen Jahr schlugen die Räuber, die oft aus den Niederlanden kamen, laut LKA 34-mal zu. In Hessen gab es laut den örtlichen Behörden bis kurz vor dem Jahreswechsel 60 Angriffe – ein Rekordwert.

Millionenschaden durch Sprengungen

Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft entstand im Vorjahr bei den Fällen ein Schaden von über 110 Millionen Euro. Der Schaden an den Geräten und den Gebäuden ist in der Regel schwerwiegender als der Schaden durch die Gelddiebstähle. Es gibt bundesweit etwa 55.000 Geldautomaten.

Vor über einem Jahr lud Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) zu einem «Runden Tisch Geldautomatensprengungen» ein. Im Juni sprach sie sich dafür aus, dass Farb-Kleb-Patronen verstärkt in den Automaten verwendet werden sollten. Sie verwies auf die Erfahrungen in den Niederlanden, wo es durch das Einfärben und Verkleben des Geldes gelungen sei, das Problem zu lösen.

Im November wurden der Polizei in Osnabrück mehrere Festnahmen und zahlreiche Durchsuchungen in Deutschland und den Niederlanden gemeldet. In den Monaten zuvor hatte es bereits mehrere Festnahmen von Verdächtigen aus den Niederlanden gegeben.

Es ereignete sich Ende September in Thüringen ein besonders spektakulärer Fall: Vier mutmaßliche Geldautomaten-Sprenger stürzten bei ihrer Flucht vor der Polizei mit ihrem Auto in einen Fluss im Landkreis Sömmerda. Einer der Männer wurde tot aus dem Wagen geborgen. Die drei anderen mutmaßlichen Täter wurden festgenommen.

dpa