Im Falle eines Kriegs gibt es in Köln keine funktionierenden Bunker oder Schutzräume für die Bevölkerung. Während bundesweit nur noch 579 Schutzräume existieren, sind diese in Köln nicht vorhanden.
Köln: Mangelnde Schutzmöglichkeiten im Kriegsfall für die Bevölkerung

Im Falle eines bewaffneten Konflikts in Deutschland könnte Köln ein potenzielles Ziel für Angriffe sein. Allerdings fehlen in der Stadt geeignete Bunker und Schutzräume für die Bevölkerung.
Die Vorstellung von Luftangriffen, Sirenen und Explosionen ist für viele ältere Kölner eine Erinnerung aus der Kindheit, während die Menschen in der Ukraine derzeit in U-Bahnhöfen und Bunkern Schutz suchen müssen. Trotz der Tatsache, dass ein Krieg in Deutschland für viele als unwahrscheinlich erscheint, halten Sicherheitsbehörden Angriffe auf deutsche Städte nicht für ausgeschlossen. Innenminister Alexander Dobrindt und Verteidigungsminister Boris Pistorius haben angekündigt, Deutschland besser auf solche Szenarien vorzubereiten.
Die Situation des Zivilschutzes in einer Großstadt wie Köln ist jedoch besorgniserregend. Es gibt keine funktionierenden öffentlichen Schutzräume.
Fehlende Schutzräume in Köln
Während des Kalten Krieges existierte in Westdeutschland ein umfangreiches Netz an Schutzräumen. Rund 2.000 Anlagen mit etwa 1,6 Millionen Plätzen standen der Bevölkerung zur Verfügung. Diese umfassten neben klassischen Bunkern auch Mehrzweckanlagen wie Tiefgaragen und U-Bahnhöfe, die im Ernstfall Schutz bieten sollten. Laut der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die für die Verwaltung öffentlicher Schutzräume zuständig ist, sind jedoch seit dem Ende des Kalten Krieges die Prioritäten verschoben worden. Ab 2007 wurde die Wartung und Instandhaltung der Schutzanlagen weitgehend eingestellt.
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 gab es bundesweit nur noch 579 Schutzräume mit weniger als einer halben Million Plätzen, wobei kein einziger dieser Räume in Köln zu finden ist, wie Thomas Schieders, Pressesprecher der Bundesanstalt für Immobilien, auf Anfrage mitteilte.
Aktuelle Situation und Ausblick
Die in anderen Teilen Deutschlands vorhandenen Schutzräume sind oft nicht mehr funktionsfähig, da sie seit Jahren nicht gewartet wurden. Schieders erklärt, dass eine Reaktivierung dieser Anlagen grundsätzlich möglich wäre, jedoch der Aufwand, die Dauer und die Kosten stark von den zukünftigen Bedrohungen abhängen. Ein umfassendes und aktuelles Schutzkonzept existiert bislang nicht.
Die Stadt Köln verweist bei Anfragen zu öffentlichen Schutzräumen auf das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Die Stadt arbeitet an der Identifizierung geeigneter Schutzanlagen, hat jedoch keine eigenen Befugnisse, um aktiv zu werden.
Vergleich mit Finnland
Ein Konzept zur Verbesserung des Zivilschutzes wird seit zwei Jahren entwickelt. Erste Ansätze beinhalten die stärkere Einbeziehung bestehender Gebäude. Neben den alten Schutzräumen könnten auch Tiefgaragen, U-Bahnhöfe oder Kellerräume als Zufluchtsorte dienen. Zudem ist ein digitales Verzeichnis geplant, das den Bürgern im Ernstfall den nächstgelegenen Schutzort anzeigen soll. Auch private Haushalte sollen durch Empfehlungen zur Nutzung von Kellern einbezogen werden.
Ein Blick nach Finnland zeigt, wie umfassende Vorsorge aussehen kann. In Städten wie Helsinki gibt es zahlreiche Bunkeranlagen, die im Alltag auch als Sportstätten genutzt werden. Diese Infrastruktur ist eine direkte Folge des Winterkriegs 1939/40, als die Sowjetunion versuchte, das Land zu besetzen. Diese historische Erfahrung prägt bis heute das Sicherheitsbewusstsein der finnischen Bevölkerung.
Quellen: t-online, WDR
Bildquelle: KI generiert








