Die Nürnberger Kriminalpolizei gründet Ermittlungskommission „EKO Kajal“ zur Bekämpfung der Kriminalität im Umfeld des Hauptbahnhofs.
Nürnberg: Junge Mädchen Opfer von Sexual- und Betäubungsmitteldelikten

Nürnberg (ost)
Seit einiger Zeit stehen die Nürnberger Innenstadt und die Gegend um den Hauptbahnhof im Fokus der Nürnberger Polizei und ihrer Sicherheitspartner. Mit gezielten Einsätzen, der Bildung von Ermittlungskommissionen und Arbeitsgruppen sowie einer Ausweitung der Videoüberwachung wird erfolgreich gegen Kriminalität vorgegangen. Es gab Hinweise darauf, dass junge Mädchen aus schwierigen Verhältnissen offenbar von Mitgliedern der Drogenszene angesprochen werden.
Insbesondere seit der teilweisen Legalisierung von Cannabis hat sich vor allem im Bereich des Nelson-Mandela-Platzes sowie der Südstadt- und Celtisparks ein zunehmender Drogenhandel entwickelt. Das Polizeipräsidium Mittelfranken hat aufgrund der örtlichen Gegebenheiten mehrere Ermittlungskommissionen und Arbeitsgruppen gebildet (z.B. BAYERN.360°.SICHERHEIT.BAHNHOF, BAO KöPa, AG Nelson). Die Maßnahmen, die von der Nürnberger Polizei und dem Fachkommissariat für jugendliche Intensivtäter durchgeführt wurden, haben neben der Bekämpfung der Drogenkriminalität weitere Erkenntnisse gebracht.
Durch umfangreiche Strukturerhebungen verdichteten sich die Hinweise darauf, dass Mitglieder der Drogenszene offenbar gezielt Kontakt zu jungen Mädchen aufnehmen. Die meisten jungen Männer stammen aus Syrien, Pakistan und Nordafrika. Die meist minderjährigen Mädchen kommen aus schwierigen familiären und Wohnverhältnissen und halten sich offenbar regelmäßig im Bereich des Nelson-Mandela-Platzes oder der näheren Umgebung auf.
Die Männer sollen die Mädchen zunächst mit Zuneigung und Geschenken wie Kleidung oder Kosmetika umwerben und ihnen dann teilweise harte Drogen wie „Crystal Meth“ geben. Die entstandene Abhängigkeit nutzen die Männer dann offenbar gezielt aus. Die Mädchen sollen weitere Drogen nur noch im Austausch gegen sexuelle Handlungen oder andere „Dienstleistungen“ erhalten und sich so teilweise prostituieren. Es besteht der Verdacht, dass es in diesem Zusammenhang auch zu sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen gekommen ist.
Bisher konnten zehn Personen identifiziert werden. Gegen vier Personen wird unter anderem wegen des Verdachts des Drogenhandels, der Abgabe von Drogen an Minderjährige und Sexualverbrechen ermittelt. Ein 23-jähriger syrischer Staatsangehöriger befindet sich bereits in Untersuchungshaft. Gegen zwei Männer, die derzeit auf der Flucht sind (ein 22-jähriger Syrer und ein 25-jähriger Staatenloser), wurden Haftbefehle erlassen. Außerdem wird gegen einen 18-jährigen pakistanischen Staatsangehörigen wegen der genannten Straftaten ermittelt.
Um diesen Straftaten entschieden entgegenzutreten und die bisherigen Ermittlungen effektiv zu bündeln, hat die Nürnberger Kriminalpolizei die Ermittlungskommission „EKO Kajal“ gebildet. Die „EKO Kajal“ hat am Montag (18.05.2026) mit den Ermittlungen begonnen und arbeitet eng mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth sowie den Kooperationspartnern der Stadt Nürnberg zusammen. Das Ziel der Ermittlungen ist die Identifizierung der Tatverdächtigen, die Erlangung von Haftbefehlen sowie die Prüfung und Einleitung von aufenthaltsbeendenden Maßnahmen.
Zusätzlich werden in Absprache mit den Jugendbehörden sofort präventive Maßnahmen wie gezielte Aufklärungsarbeit bei der potenziell gefährdeten Zielgruppe durchgeführt, um zu verhindern, dass weitere Mädchen in solche Abhängigkeiten geraten.
Verfasst von: Michael Petzold / mc
Quelle: Presseportal
Statistiken zur Drogenkriminalität in Bayern für 2022/2023
Die Drogenraten in Bayern zwischen 2022 und 2023 zeigen einen leichten Anstieg. Im Jahr 2022 wurden 50012 Fälle erfasst, wovon 46698 gelöst wurden. Die Anzahl der Verdächtigen lag bei 41572, wobei 35704 männliche und 5868 weibliche Verdächtige waren. 13630 der Verdächtigen waren nicht-deutscher Herkunft. Im Jahr 2023 stieg die Anzahl der erfassten Fälle auf 50746, wobei 46959 Fälle gelöst wurden. Die Anzahl der Verdächtigen sank auf 40924, wobei 35301 männliche und 5623 weibliche Verdächtige waren. 15083 der Verdächtigen waren nicht-deutscher Herkunft. Im Vergleich dazu verzeichnete Nordrhein-Westfalen im Jahr 2023 die höchste Anzahl an Drogenfällen in Deutschland mit 73917 Fällen.
| 2022 | 2023 | |
|---|---|---|
| Anzahl erfasste Fälle | 50.012 | 50.746 |
| Anzahl der aufgeklärten Fälle | 46.698 | 46.959 |
| Anzahl der Verdächtigen | 41.572 | 40.924 |
| Anzahl der männlichen Verdächtigen | 35.704 | 35.301 |
| Anzahl der weiblichen Verdächtigen | 5.868 | 5.623 |
| Anzahl der nichtdeutschen Verdächtigen | 13.630 | 15.083 |
Quelle: Bundeskriminalamt








