Der Verfassungsschutz warnt vor dem Einfluss Chinas im deutschen Logistiksektor, während Cosco eine Übernahme von 80 Prozent des Traditionsunternehmens Zippel anstrebt. Die Bundesregierung prüft die Sicherheitsbedenken im Rahmen eines Investitionsprüfverfahrens.
Welche Risiken birgt die Übernahme des Logistikunternehmens Zippel durch Cosco?

Chinas Staatskonzern Cosco plant die Übernahme des traditionsreichen Logistikunternehmens Zippel, das seit 1876 in Hamburg tätig ist. Nach Informationen von WDR und NDR äußert der Verfassungsschutz Bedenken hinsichtlich des Einflusses Pekings auf die deutsche Infrastruktur.
Die grünen Lkw mit dem gelben Schriftzug Zippel sind in Hamburg eine feste Größe. Der Logistikdienstleister transportiert Fracht sowohl über die Straße als auch seit einigen Jahren zunehmend per Schiene in Containern. Nun steht jedoch eine bedeutende Veränderung bevor: Cosco beabsichtigt, 80 Prozent der Anteile an Zippel zu erwerben. Das Bundeskartellamt hat bereits seine Zustimmung gegeben. Für Cosco bedeutet dies einen direkten Zugang zum Logistikgeschäft rund um den Hamburger Hafen, was die Effizienz durch die Kombination von Abfertigung und Weitertransport steigern könnte.
Widerstand gegen die Übernahme
Den Recherchen zufolge gibt es jedoch erhebliche Sicherheitsbedenken gegen die Übernahme von Zippel durch den chinesischen Staatskonzern. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat sich intern gegen den Einstieg von Cosco ausgesprochen. Die Behörde äußert Bedenken hinsichtlich der „kumulativen Erwerbsvorhaben“ des Unternehmens in Deutschland und der Europäischen Union (EU) und warnt vor einem strategischen Einfluss, den die Reederei im Auftrag der chinesischen Regierung ausüben könnte.
Die Warnung des Verfassungsschutzes ist besonders relevant, da die Übernahme noch nicht vollzogen ist. Aktuell läuft ein Investitionsprüfverfahren durch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE), bei dem auch die Stellungnahme des BfV berücksichtigt wird. An diesem Prozess sind mehrere Ministerien und Nachrichtendienste beteiligt.
Investitionsprüfverfahren und Sicherheitsbedenken
Diese Prüfverfahren sollen sicherstellen, dass ausländische Direktinvestitionen keine negativen Auswirkungen auf die „öffentliche Ordnung oder Sicherheit“ Deutschlands haben. Im Jahr 2025 wurden laut BMWE 339 solcher Verfahren eingeleitet, was einen Rekord darstellt. Dennoch wurden in den letzten Jahren nur wenige der geprüften Investitionen abgelehnt.
Die endgültige Entscheidung über die Übernahme liegt beim Bundeskabinett. Grünen-Wirtschaftsexperte Michael Kellner fordert eine umfassende Prüfung des Zippel-Geschäfts durch die Bundesregierung:
„Bisher scheint sie mir eher einfach fest die Augen zuzukneifen, um unangenehme Realitäten nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen“,
sagte Kellner gegenüber NDR und WDR.
„China frisst sich immer tiefer in unsere Infrastruktur.“
Politische Entscheidungen und Einfluss Chinas
Die Ampel-Koalition unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass sie Sicherheitsbedenken ignorieren kann. Im Jahr 2022 setzte sich das Kanzleramt gegen den Widerstand aller anderen Ministerien und der Sicherheitsbehörden durch und genehmigte Cosco den Erwerb von 24,9 Prozent an einem Hamburger Containerterminal. Damals gab es bereits Bedenken, dass China dadurch einen übermäßigen Einfluss auf die deutsche Infrastruktur erlangen könnte.
In einer internen Notiz des Auswärtigen Amts wurde festgehalten, dass der Einstieg bei dem Containerterminal den strategischen Einfluss Chinas auf die deutsche und europäische Infrastruktur unverhältnismäßig erweitere. Der Hamburger Hafen spielt eine zentrale Rolle im europäischen Verkehrsnetz, und es wurde betont, dass China bereit sei, wirtschaftliche Maßnahmen zur Erreichung politischer Ziele einzusetzen.
Europäische Sicherheitsstrategien
Die Besorgnis über Chinas Einfluss auf europäische Häfen und die Logistik wird durch die neue Hafenstrategie der EU-Kommission verstärkt. Diese Strategie zielt darauf ab, die europäische Infrastruktur besser vor Spionage und Sabotage zu schützen. Chinesische Unternehmen sind mittlerweile an mehr als zwanzig Containerterminals in Europa beteiligt, und der Hafen von Piräus in Griechenland wurde vollständig von Cosco übernommen.
Ungewisse Zukunft der Übernahme
Der Ausgang des Prüfverfahrens zur Übernahme von Zippel bleibt ungewiss. Weder das Wirtschaftsministerium noch der Verfassungsschutz wollten sich zu dem Thema äußern. Zippel und die chinesische Botschaft in Berlin haben zunächst nicht auf Anfragen reagiert. Cosco erklärte, dass man das Thema „im Moment nicht kommentieren“ könne.
Die maritime Wirtschaft hat für die Politik eine hohe Priorität, was sich in der hochrangigen Besetzung der Nationalen Maritimen Konferenz Ende des Monats in Emden zeigt. Neben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) anwesend sein. Eine Entscheidung der Regierung zur Übernahme des Logistikunternehmens Zippel wird noch vor der Sommerpause erwartet.








